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Pfusch am Oppacher Schützenhaus

Vor Jahren wurde das Veranstaltungshaus offenbar fehlerhaft saniert. Die Folge: eine Millionen-Investition für die Gemeinde. Das ist nicht der einzige Problemfall dieser Art.

Bürgermeisterin Sylvia Hölzel ärgert sich: das Oppacher Schützenhaus muss zum zweiten Mal saniert werden.
Bürgermeisterin Sylvia Hölzel ärgert sich: das Oppacher Schützenhaus muss zum zweiten Mal saniert werden. © Archivfoto: Rafael Sampedro/Montage: SZ-Bildstelle

Sylvia Hölzel seufzt. Eigentlich wäre die Oppacher Bürgermeisterin froh, über dieses Desaster nicht mehr sprechen zu müssen. Und sie wäre froh, dieses Kapitel für die Gemeinde endlich abschließen zu können. Doch das wird noch eine Weile dauern. Wohl noch bis ins nächste Jahr hinein wird das Haus des Gastes "Schützenhaus" in Oppach saniert. Direkt an der B 96 am Ortseingang des Dorfes gelegen, steht das Veranstaltungsgebäude, das ursprünglich einmal als Schützenhaus gebaut worden war. Später diente es unter anderem als Anlaufpunkt für Touristen, daher der Name Haus des Gastes. 

Nun ist das Gebäude eingerüstet, es wird saniert. Da könnte die Rathauschefin sich doch auf ein frisch hergerichtetes Haus freuen! Im Prinzip schon. Allerdings: Das Schützenhaus wurde schon einmal komplett saniert. Von 1994 bis 1996 ist es bereits umgebaut worden. Doch damals wurden offenbar Fehler beim Bau gemacht. "Es gab große Schäden am Gebäude", fasst Bürgermeisterin Sylvia Hölzel die Misere zusammen. Die Treppe zum Haupteingang ist kaputt gewesen und auch die Stufen zum großen Saal waren nicht mehr fest. In den Glasanbau hat es bei Starkregen reingeregnet, Wasserschäden sind drinnen entstanden. "Das Dach war auch marode und es gab Risse im Mauerwerk", zählt die Bürgermeisterin weitere Mängel auf. Die ganze Dachkonstruktion war nicht mehr sicher. "Sogar die Dachdecker haben sich geweigert, da hoch zu gehen", schildert Sylvia Hölzel. 

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Für den Schuleintritt musste eine Alternative her

"Da kann man heute niemandem mehr einen Vorwurf machen", betont Frau Hölzel in Bezug auf die Baumängel. Die Baufirmen mussten sich ja damals, kurz nach der Wende, selbst mit den neuen Materialien vertraut machen und mit dem arbeiten, was eben da war. Wo genau da nun Fehler lagen und wer dafür verantwortlich ist, könne nicht mehr nachvollzogen werden. Um das Haus weiterhin in vollem Umfang nutzen zu können, müsse nun jedenfalls nachgebessert beziehungsweise vieles erneuert werden.

Oppach muss dafür erneut eine stattliche Summe investieren. 1,1 Millionen Euro kostet die neuerliche Sanierung. Das Geld muss die Gemeinde nicht allein aufbringen, sie kann auf Fördermittel aus dem Programm "Vitale Dorfkerne" zurückgreifen. 60 Prozent der Summe bekommt sie als Zuschuss, das sind rund 763.000 Euro. Um die große Investition kommt die Gemeinde nicht drumrum. Sie braucht das Haus des Gastes "Schützenhaus" als Veranstaltungsgebäude. Der Faschingsverein des Ortes lädt hierher zu seinen Veranstaltungen ein, Schuleintritts- und Abschlussfeiern finden statt, der Frauenring bietet Nachmittage für Senioren an. Operettengala, die Hobbymesse der Vereine sind weitere Veranstaltungen, die sich etabliert haben. Auch eine Kegelbahn ist im Haus und im Saal finden bis zu 180 Personen Platz. "Ein anderes Haus in dieser Größenordnung, wo das alles stattfinden könnte, haben wir nicht im Besitz der Gemeinde", sagt die Bürgermeisterin. 

Für den Schuleintritt in diesem Jahr hat die Gemeinde einen Ausweich im Ort gefunden: In der Sachsenlandhalle, die privat betrieben wird, können die ABC-Schützen Ende August ihren großen Tag begehen. 

Auch an der Turnhalle gibts Probleme

Bereits Mitte März sind die Bauarbeiten am Haus des Gastes "Schützenhaus" gestartet. Die Sanierungsarbeiten gehen seitdem langsamer voran, als geplant. Die Bürgermeisterin schätzt, dass erst bis Mitte 2021 alles fertig sein wird. Nutzbar soll das Gebäude aber schon zum Jahresende wieder sein. Denn in der kommenden Karnevalssaison begeht der Oppacher Narrenbund sein 25-jähriges Bestehen. "Zum Jubiläum wollen wir dem Verein das Haus zur Verfügung stellen", so Frau Hölzel. 

Ebenfalls im Bau: die Oppacher Turnhalle. Auch hier gibt es Probleme, die mit früheren Arbeiten zusammenhängen.
Ebenfalls im Bau: die Oppacher Turnhalle. Auch hier gibt es Probleme, die mit früheren Arbeiten zusammenhängen. © Rafael Sampedro

Die Gemeinde hat aber noch so ein Sorgenkind: Ein ähnlicher Fall ist die Oppacher Turnhalle. Auch hier schlagen jetzt Baufehler durch, die vor vielen Jahren gemacht wurden. Eigentlich sollten Dach, Fassade und Heizungsanlage erneuert werden. Schon im Herbst vorigen Jahres sollte die Turnhalle fertig und wieder nutzbar sein. Unter der Fassade aber wurden bei den Bauarbeiten bauliche Mängel festgestellt. Sie stammen ebenfalls aus den 1990er Jahren. Die Schäden sind so groß, dass die Statik des Gebäudes Probleme macht und erst einmal gesichert werden muss. 

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Doch die zusätzlichen Arbeiten sind mit dem eingeplanten Geld nicht zu stemmen. Der Gemeinderat muss nun beraten, wie das alles finanziert werden könnte - das bedeutet wiederum Bauverzögerung. Und auch hier gibt es keine andere Alternative, als das Haus wieder vollständig in Ordnung zu bringen, die Gemeinde braucht ihre Turnhalle. Der Schulsport findet hier statt und das Training für die Funken. Außerdem Kurse in Reha-Sport und weiteren Sportarten für Kinder und Erwachsene. 

Solange bis die Finanzierung geklärt und der Bau endlich abgeschlossen ist, muss die Gemeinde nun wenigstens für den Sportunterricht der Grundschüler eine Lösung finden. 

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