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Optimistisch in die Überalterung

Der Landkreis hat im ersten Halbjahr über 400 Bewohner eingebüßt. Der Rückgang ist schwächer, aber ungebrochen.

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Von Jens Hoyer

Die Demografiekonferenz in Dresden hat im Landkreis ihren Widerhall gefunden. Der Roßweiner Bürgermeister Veit Lindner war dabei. Und er hat gerechnet. 1500 Menschen weniger werden im Jahr 2020 in Roßwein wohnen, wenn man die Prognose für Sachsen auf die Stadt herunterbricht. Das bedeute, dass rund 700 Wohnungen nicht mehr gebraucht werden. „Ich will kein Horrorszenario malen, aber ich fände es gut, wenn wir uns Gedanken machen. Wir können das beeinflussen“, so Lindner. Jeder Einwohner weniger bedeute auch 2000 Euro weniger Einnahmen für die Stadt. Eine Konsequenz daraus sei eine straffere Verwaltung. „Im schlimmsten Fall haben wir einen Stadtrat aus Senioren und nur Seniorencafes in der Stadt.“

Der Landkreis Döbeln hat im ersten Halbjahr 2006 420 Einwohner verloren, das sind 0,6 Prozent der Gesamtbevölkerung. Damit liegt der Landkreis im sächsischen Mittelfeld. Vor 16 Jahren lebten 87 000 Menschen innerhalb der Kreisgrenzen. Zum 30. Juni dieses Jahres waren es noch 72 100. Und der Trend weist stetig nach unten. Nach Bevölkerungsprognosen wird der Kreis bis 2020 noch 10 000 bis 11 000 Menschen verlieren.

Es werden nicht nur weniger, sondern auch viel ältere Menschen im Kreis leben. Der Altersdurchschnitt ist seit 1990 von knapp 40 auf 46 Jahre gestiegen. Und es gibt noch ein anderes Phänomen, das im Landkreis besonders ausgeprägt ist: der Männerüberschuss. In der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen kommen auf acht Frauen etwa zehn Männer.

„Wir haben schon seit Jahren mit den Auswirkungen der demographischen Entwicklung zu tun“, sagte Thomas Hanns, Leiter des Planungsamtes der Stadt Döbeln. Kindergärten und Schulen mussten geschlossen, leer stehende Wohnhäuser abgebrochen werden. Die Ergebnisse der Überlegungen sind in das Integrierte Stadtentwicklungskonzept Döbelns eingeflossen, das das Problem in seiner ganzen Breite aufgreift und dessen augenfälligste Auswirkung der Abriss ganzer Wohnblöcke ist. Auch Hanns war beim Demografiegipfel in Dresden. Er habe dort Bestätigung für die Entwicklungen in der Stadt gefunden. Wenn die Bevölkerung immer älter werde, müsse darauf reagiert werden. Bordsteinkanten etwa findet man auf den neu gestalteten Straßen und Plätzen praktisch nicht mehr. „Wir haben unser Stadtzentrum barrierefrei gestaltet“, so Hanns.

Trotz aller Schwierigkeiten hofft Hanns auf mehr Optimismus. „Wir müssen ein positives Bild vermitteln und uns nicht schlechter machen als wir sind. Wir reden über eine familienfreundliche Stadt, da gehören die älteren Leute mit dazu.“

„Go West ist das Thema unter den jungen Leuten“, sagt Jens Stange. Der Chef der Döbelner Jungen Union ist Schüler und selbst erst 19 Jahre alt. „Mich hat mal einer gefragt: Willst Du Altenpfleger werden oder warum bleibst Du hier“. Die Stimmung sei schlecht und genau das sei ein Problem, bei dem die Politik etwas tun könne. „Die Regierung müsste Jugendlichen Anreize geben, wieder positiv in die Zukunft zu schauen: Wir haben die wirtschaftlichen Potenziale, es geht vorwärts.“ Die eigene Familie habe in den Plänen der Jugend durchaus ihren Platz. „Aber da greift wieder die Perspektivlosigkeit. Die zieht sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche.“