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Orangefarbenes Telefon erinnert an alte Zeiten

Auf der Dr.-Friedrichs-Straße hat ein neuer Trödelladen eröffnet. Thomas Preissler bietet hier Bücher, Teesets, alte Plakate und noch mehr Dinge aus der DDR.

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© nikolaischmidt.de

Von Sabrina Winter

Der Geruch von alten Möbeln liegt in der Luft, wenn man den kleinen Laden betritt. Er wirkt zugestellt, zwei Leute haben kaum nebeneinander Platz im Gang. Thomas Preissler unterhält sich gerade mit einer Kundin. Sie hat gleich drei Tüten mitgebracht, alle vollgepackt mit Sachen aus DDR-Zeiten. Die Dame holt Bücher und Spielzeug-Lkw hervor. „Nehmen Sie original eingeschweißte Kassetten“, fragt sie. „Nein, die werde ich nicht los“, antwortet Preissler. Er redet schnell und freundlich. An den alten Medaillen, die die Frau nun auspackt, hat er aber Interesse. Auch ein Kartenquartett kauft er ihr ab.

Seit Anfang März hat der Antikladen in der Görlitzer Innenstadt geöffnet. Der Inhaber, Thomas Preissler, hat sich vor allem auf Möbel aus den 1960er Jahren und Gegenstände aus der DDR spezialisiert. „Ich empfinde das hier mittlerweile als DDR-Laden“, sagt Preissler.

In seinem Schaufenster kleben weiße A4-Zettel mit schwarzem Aufdruck: „Ankauf von Dingen aus der DDR! Bargeld sofort!“ Manchmal wollen die Görlitzer auch ihren Plunder bei ihm loswerden, sagt er. „Aber Sammler zahlen für Sachen, die andere loswerden wollen.“ Mit dem Ankauf klappt es gut, nur der Verkauf läuft noch nicht so recht. Bücher kommen zwar gut an, aber für die restlichen Sachen scheint es in Görlitz keinen Markt zu geben. Preissler sagt: „Die Leute hier kennen die DDR zu gut. Da sind die meisten Sachen nichts besonderes mehr.“

Kämpft man sich im Laden bis hinten durch, gelangt man zu weißen Bücherregalen, auf denen sich bunte Plakate nebeneinander reihen. Auch sie stammen aus der DDR und werben für Seife, Sonnencreme und Gebissreiniger.

Vor 16 Jahren hat Thomas Preissler damit begonnen, Möbel aus den 60er Jahren zu sammeln und anzukaufen. Damals hat er noch einen Buchladen in Görlitz betrieben. Mit der Zeit haben sich immer mehr Sachen angesammelt und der Platz reichte nicht. Nun stehen die Möbel in dem kleinen Antikladen auf der Dr.-Friedrichs-Straße, gemeinsam mit vielen anderen Sachen: Rote Ledersessel mit weißem Fell, alte Teesets und Lampen, ein orangefarbenes Telefon mit Wählscheibe, ein Radio so groß wie eine Mikrowelle. „Die Radios sind bei Bastlern beliebt. Manchmal bringen sie sie wieder zum Laufen“, sagt Preissler. Die alten Möbel sind wohl eher bei jungen Leuten wieder angesagt, besonders wenn sie in Großstädten leben.