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Orchester und Chöre bleiben stumm

Corona hat in der Musikschule Mittelsachsen Stärken und Mängel zutage gefördert. Es hapert vor allem an der digitalen Ausstattung.

Philipp Hoffmann (r.), hier bei einem Konzert mit Johannes Lehle im vergangenen Jahr in der Nikolaikirche Döbeln, stellte sich jetzt der seltenen Oberstufenprüfung im Fach Klavier und erhielt die Note 1,0.
Philipp Hoffmann (r.), hier bei einem Konzert mit Johannes Lehle im vergangenen Jahr in der Nikolaikirche Döbeln, stellte sich jetzt der seltenen Oberstufenprüfung im Fach Klavier und erhielt die Note 1,0. © Dietmar Thomas

Von Dagmar-Doms-Berger

Mittelsachsen. Plötzlich war es wie im Kino, die Lichter gingen aus. So beschreibt Margot Berthold, Leiterin der Musikschule Mittelsachsen, den 13. März dieses Jahres, ein Freitag. Bis dahin lief an den 40 Unterrichtsorten der Musikschule Mittelsachsen alles wie gewohnt.

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Aber mit einem Schlag waren alle Konzerte und Veranstaltungen auf unbestimmte Zeit abgesagt, was zunächst für Verwirrung sorgte. Rückblickend kann sie sagen, dass Corona Stärken und Mängel zutage gefördert hat. Als der erste Schock überwunden war, sei etwas Tolles passiert. „Innerhalb kürzester Zeit entwickelten die Kollegen auf kreative Weise Ideen und Konzepte, wie wir uns der Situation stellen. Alle nahmen Kontakt zu ihren Schülern auf, um zu zeigen, dass es irgendwie weitergeht“, sagt die Schulleiterin.

Online-Unterricht war anstrengend

Videokonferenzen wurden einberufen und Videos für die Schüler erstellt, obwohl niemand Erfahrung hatte mit dem Online-Unterricht. Manchmal lief der nur per Telefon. Ein Schüler spielte etwas vor, und der Lehrer gab seinen Kommentar dazu ab. 70 Prozent des Unterrichts konnten auf diese Weise abgedeckt werden.

Daraus hat die Musikschulleiterin eine wichtige Erkenntnis gewonnen: Der Online-Unterricht wurde von Lehrern und Schülern anstrengend empfunden. Die Freude auf den Präsenz-Unterricht war daher auf beiden Seiten groß. Es sei ein Unterschied, ob man eine Fehlhaltung des Schülers durch eine Handbewegung korrigieren oder nur mit Worten erklären kann, so Berthold.

Nicht überall gibt’s Internet

Erschwerend war ebenso, dass die Video-Programme die Töne oftmals nur mit Zeitverzögerung übertragen. Eltern reagierten auf den Online-Unterricht ganz unterschiedlich. Das Spektrum reichte von totaler Ablehnung einschließlich Gebührenrückforderung bis zur Begeisterung, verbunden mit dem Wunsch nach zusätzlichem Unterricht.

Mängel offenbarten sich in der digitalen Ausstattung. „Wir haben deutlich gemerkt, dass noch nicht alle Orte Mittelsachsens per Internet erreichbar sind und die digitale Ausstattung der Musikschule mangelhaft ist.“ Die Lehrer haben den Unterricht mit komplett eigenen Mitteln gestemmt. Ein Problem, das Döbeln allerdings nicht allein betrifft, sondern von Musikschullehrern in ganz Sachsen angesprochen wurde, so Berthold.

Festwoche im September abgesagt

Für September vorbereitet und durchgeplant war die Festwoche zum 70-jährigen Musikschuljubiläum. „Das ist komplett abgesagt“, erklärt die Musikschulleiterin. Vorgesehen ist stattdessen ein Festkonzert im nächsten Frühjahr, gemeinsam mit dem Fördervereinsjubiläum. Dann sollen „70+1 Jahre Musikschule Döbeln und das 20-jährige Bestehen des Fördervereins“ im Theater Döbeln gefeiert werden.

Seit 25. Mai wird in der Musikschule zwar wieder zaghaft musiziert, aber nur unter besonderen Bedingungen und nur im Einzelunterricht und in Kleinstgruppen. Spezielle Detailfragen wurden auch geklärt, etwa die, was während des Spielens bei einem Blasinstrument vorne wieder herauskommt. Das ist auch wissenschaftlich untersucht worden, mit dem Ergebnis, dass keine Ansteckungsgefahr besteht, weil eben so gut wie gar nichts herauskommt – Viren erst recht nicht.

Lehrer und Schüler sind aber nach wie vor durch eine Acrylglaswand voreinander geschützt, das verlangt der Hygieneplan. Große Ensembles und Chöre dürfen bis Schuljahresende nicht proben. „Leider“, sagt Margot Berthold. Dabei sei es wissenschaftlich erwiesen, dass beim Singen nicht mehr passiert als beim lauten und deutlichen Sprechen. Auch die Gruppen der musikalischen Früherziehung dürfen sich noch nicht treffen.

Prüfungen mit Bestnoten

Positiv: Die Prüfungen der höheren Stufen konnten wie geplant durchgeführt werden. Das betraf vor allem ältere Schüler. Meta Schumann, Oboe, absolvierte ihre Mittelstufenprüfung II mit einer 1,0. Sie wird nach dem Sommer an das Landesgymnasium für Musik Dresden wechseln. 

Dominik Adam (Klavier) erspielte sich für die Mittelstufe 1 eine 1,1 und Philipp Hofmann (Klavier) stellte sich der seltenen Oberstufenprüfung und erhielt eine 1,0. Er beendete damit seine Musikschullaufbahn mit dem Gesamtprädikat „Auszeichnung“, da unter anderem auch das Fach Musiktheorie in die Bewertung einfließt.

Mit Beginn des neuen Schuljahres soll es generell wieder Präsenz-Unterricht geben, so sei es geplant. Fest im Kalender steht bisher auch das Adventskonzert im Dezember in der Döbelner Nicolaikirche. „Wir müssen ja planen. Abgesagt ist schneller als vorbereitet“, so Berthold. 

Die beiden Döbelner Bands „Terrakotta“ und „Eoma“ werden bei der Fête de la musique spielen, die coronabedingt auf den 25. September verschoben werden musste und erstmals in Mittweida stattfinden wird.

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