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Ordnungshüter gehen in Ruhestand

Zehn Jahre lang waren zwei Männer der Sicherheitswacht in der Stadt unterwegs. Nachfolger aus Hartha gibt es nicht.

Zehn Jahre lang haben Michael Saller und Joachim Meinicke (vorn von links) als Mitglieder der Sicherheitswacht in Hartha für Ordnung gesorgt. Gestern wurden sie von Bürgermeister Ronald Kunze und dem Leiter des Döbelner Polizeireviers Andree Wagner verabs
Zehn Jahre lang haben Michael Saller und Joachim Meinicke (vorn von links) als Mitglieder der Sicherheitswacht in Hartha für Ordnung gesorgt. Gestern wurden sie von Bürgermeister Ronald Kunze und dem Leiter des Döbelner Polizeireviers Andree Wagner verabs © Dietmar Thomas

Hartha. Von allein hätten sie wohl noch nicht aufgehört. Aber Joachim Meinicke und Michael Saller haben die gesetzlich vorgeschriebene Altersgrenze für Mitarbeiter der Sächsischen Sicherheitswacht erreicht. Deshalb wurden sie jetzt verabschiedet.

„Reden bewirkt viel“, sagt Joachim Meinicke. Aber auch die bloße Anwesenheit der Männer an „Brennpunkten“ habe mit der Zeit positive Veränderungen im Harthaer Stadtgebiet gebracht. Zehn Jahre lang waren die beiden dort zwei- bis dreimal pro Woche unterwegs und wurden von den Bürgern auch als Ordnungshüter anerkannt. Manch Harthaer habe eine gewisse Scheu, sich mit einem Hinweis an die Verwaltung zu wenden und deshalb die Männer der Sicherheitswacht angesprochen. „Wir haben das Ordnungsamt informiert, das dann auch immer sofort reagiert hat“, so Saller. Dass dies nicht selbstverständlich ist, spürt Joachim Meinicke in Leisnig, wohin er inzwischen gezogen ist. Die Zusammenarbeit von Verwaltung und Bürger sei dort schwieriger. „Es ist scheinbar nicht so sehr erwünscht, dass sich der Bürger beteiligt“, erzählt Meinicke aus eigener Erfahrung.

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In Hartha seien die Mitarbeiter der Sicherheitswacht sowohl von der Verwaltung als auch von den Einwohnern respektiert worden, sagt Bürgermeister Ronald Kunze (parteilos). Und er gibt schmunzelnd zu: „Auch ich habe mein Fett weggekriegt.“ In diesem Moment habe er aufgrund von Termindruck etwas ungünstig geparkt.

Müllberge sind verschwunden

Die meisten Menschen hätten die beiden und ihre Funktion akzeptiert. „Wir sind mit fast allen gut ausgekommen, auch mit den Jugendlichen“, erzählt Joachim Meinicke. Ein Schwerpunkt sei früher der Radweg gewesen. Dort hätten die jungen Leute oft Bierflaschen zerschlagen. Nachdem die Ordnungshüter sie auf die täglichen Flaschensammler aufmerksam gemacht haben, blieben die Flaschen ganz und waren stets einen Tag nach den Treffen der Jugendlichen verschwunden.

Auch die Ermahnung junger Waldheimer, die sich immer wieder am Teich in Hartha trafen, habe gefruchtet. Sie haben ihren Müll ebenso wieder mitgenommen, wie ein Geringswalder, der seinen Abfall schon in die Container im Gewerbegebiet gestopft hatte. „Als er uns gesehen hat, hat er ihn wieder rausgenommen“, so Meinicke. Durch die ständige Kontrolle seien außerdem nach und nach die Müllberge an den Garagen in der Nähe der Hartharena verschwunden.

Es gab aber auch den einen oder anderen Unbelehrbaren. Den Hinweis, dass er falsch, weil auf dem Behindertenparkplatz an der Volksbank parkt, ignorierte ein Kraftfahrer mit der Bemerkung, er bleibe jetzt dort stehen und gehe erst einmal in die Bank. „Das hat ihn 35 Euro gekostet“, so Meinicke. „Das ist sogar ein absoluter Abschlepp-Grund“, ergänzt Kai Kießling, stellvertretender Leiter des Döbelner Polizeireviers.

Oft habe aber schon das bloße Erscheinen der beiden Mitarbeiter der Sicherheitswacht für eine positive Reaktion gereicht. So haben die Männer allein mit ihrer Anwesenheit Raser im Gewerbegebiet ausgebremst. Joachim Meinicke und Michael Saller betreuten aber auch Veranstaltungen in der Hartharena und Fußballspiele, waren auf dem Markt und vor den Schulen präsent.

Nachfolger aus Hartha wird es nicht geben. „Bisher wurden die Ehrenamtler aus der Stadtkasse bezahlt. Jetzt hat das Innenministerium die Finanzierung der Sächsischen Sicherheitswacht übernommen“, sagt der Leiter des Döbelner Polizeireviers Andree Wagner. Hartha werde ab jetzt von Döbeln mit betreut. Dort gehören 15 Ehrenamtler zur Sicherheitswacht.

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