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Niesky

Klaviere in Südafrika repariert

Für Orgelbauer und Klavierstimmer Johannes Soldan ist Heimat aber die Oberlausitz. Seit 20 Jahren führt er hier seine eigene Firma.

Orgelbauer und Klavierstimmer Johannes Soldan und seine Mitarbeiterin Astrid Zischank inmitten vieler Klaviere. Sie werden von ihm repariert und aufgearbeitet in seiner Werkstatt in Ödernitz
Orgelbauer und Klavierstimmer Johannes Soldan und seine Mitarbeiterin Astrid Zischank inmitten vieler Klaviere. Sie werden von ihm repariert und aufgearbeitet in seiner Werkstatt in Ödernitz © André Schulze

In der Werkstatt sorgt der Warmluftofen für mollige Wärme und auch in der zu Büro und Klavierwerkstatt umfunktionierten Doppelgarage strömt dem Besucher eine angenehme Wärme entgegen. "Meine Instrumente wollen es warm haben", sagt Johannes Soldan. Der 58-Jährige öffnet eines der Klaviere und zeigt die filigrane Technik, die aus Tastenanschlägen Musik zaubert. Für den gelernten Orgelbauer und Klavierstimmer ist es jedesmal eine faszinierende und von handwerklicher Perfektion geprägte Welt von gestern, die sich ihm öffnet.   

Eine Orgel, ein Flügel oder ein Klavier sind für Johannes Soldan keine Gegenstände wie ein Auto, eine Waschmaschine oder ein Fernseher, die man repariert und dem Kunden wieder aushändigt. "Als Handwerker erfreue ich mich an der Handwerkskunst von Orgel und Klavier. Als Musiker und Christ erfreue ich mich an der Musik", sagt er zu seiner Liebe zu den hölzernen Tasteninstrumenten. Und diese hält schon vier Jahrzehnte an.

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Beim Orgelbau Eule in die Lehre gegangen

"Mit Holz wollte ich schon immer etwas machen", sagt der in Weigersdorf aufgewachsene Soldan. Was lag da näher, zuerst Tischler zu lernen - und dann bei der renomierten Firma Eule in Bautzen Orgelbauer zu werden. "Mit mir waren es rund 20 Bewerber, die alle diese eine Stelle haben wollten. Letztendlich habe ich sie ergattert, weil ich schon einen Beruf als Tischler hatte und Instrumente spielen konnte", erinnert sich Johannes Soldan.  

40 Jahre später zeigt sich dem Orgelbauer ein ganz anderes Bild: "Gute Leute zu finden ist heute wie ein Sechser im Lotto. Man muss das Handwerk beherrschen und eine Leidenschaft für die Königin der Instrumente haben." Soldan selbst hatte immer wieder einen Mitarbeiter an seiner Seite, aber das brachte ihm keinen Erfolg, wie er rückblickend erzählt. Also blieb es beim Ein-Mann-Betrieb - unterstützt von Astrid Zischank. Sie erledigt als rechte Hand seit Anbeginn seiner Selbstständigkeit die ganze Büroarbeit und hilft vor Ort, wenn zwei Hände für eine Reparatur nicht ausreichen.    

Zum Beruf kommt die Musik

Fünf Jahre, bis 1985, ist Johannes Soldan Beschäftigter bei Eule. Dann folgten fünf turbulente Jahre, wie er selbst sagt: "Vieles habe ich ausprobiert. War in verschiedenen Berufen wie Bautischler und Kraftfahrer tätig und habe Musik gemacht. Ich musste ja weiter Geld verdienen." Ab 1990 baute er mit einem Freund einen kleinen Handwerksbetrieb für Orgelbau in Kubschütz bei Bautzen auf und brachte sich im Selbststudium das Klavierstimmen bei. Mit diesem Wissen jobbte der Weigersdorfer für mehrere Jahre eigenständig in Südafrika. Orgeln und Klaviere waren sein Metier. "Diese Arbeit war eine gute Schule für mich und ich hätte nie gedacht, dass so viele Haushalte und Farmen im südlichen Afrika ein Klavier stehen haben", erzählt er rückblickend. 

Wieder in der Heimat - und das neue Jahrtausend kündigte sich an, beschloss Johannes Soldan sich mit seinen Fähigkeiten und Fertigkeiten richtig selbstständig zu machen. Denn bereits seit 1992 bezeichnet er sich als Selbstständiger. Ab dieser Zeit war er zunächst als 2. Geschäftsführer der Firma Orgelbau Groß & Soldan GbR in Weigersdorf. Im Jahr 2000 gründete er sein eigenes kleines Unternehmen:  Orgelbau & Klavierservice Johannes Soldan. Bis 2015 befand sich seine Firma in Weigersdorf. 

Im Winter herrscht Auftragsflaute

In jenem Jahr erfuhr Johannes Soldan, dass in Ödernitz die alte Stellmacherei zum Verkauf steht. Für ihn ein ideales Objekt - mit Wohnhaus, großer Werkstatt und ausreichend Nebengelass. Also zog Anfang 2016 Johannes Soldan mit seiner Familie in den Niesyker Ortsteil. Sein Arbeitsschwerpunkt sind die Wartung, Reinigung und Reparatur von Orgeln. Zudem hat er acht Orgeln bisher selbst gebaut. Dafür ist Soldan in vielen Gebieten der Republik unterwegs, meist zwischen April und November.    

Das hat einen Grund, dass in den Wintermonaten weniger zu tun ist: "An der Orgel lässt sich nur arbeiten, wenn Temperaturen über acht Grad herrschen. Nur in wenigen Kirchen ist das im Winter der Fall." Für diese Zeit stehen mehr die Klaviere im Mittelpunkt seiner Arbeit. Denn nicht nur Reparaturen führt Johannes Soldan aus, er bringt auch alte Klaviere und andere Holzinstrumente zu neuem Klang und neuem Glanz.       

Und dann gibt es noch eine Leidenschaft von ihm - die Musik. "Mit Freunden musiziere ich in meiner Werkstatt und dazu laden wir uns Gäste ein. Bereits ein Begriff ist unser Adventssingen", berichtet Soldan. Das Angebot will der Neu-Ödernitzer weiter ausbauen und nicht nur Musik machen, sondern den Leuten auch die Instrumente und ihre Geschichte nahe bringen. Denn er ist ein großer Sammler von Musikinstrumenten.  

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