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Orgelpfeifen zu verkaufen

Musikliebhaber können sich ein Stück Crostauer Kirchen-Geschichte nach Hause holen. Ein Dachbodenfund macht es möglich.

© Carmen Schumann

Von Carmen Schumann

Crostau. Sie sehen nicht sehr spektakulär aus, die Orgelpfeifen, die Kantor Lucas Pohle da präsentiert und zum Verkauf anbietet. Sie stammen auch nicht aus der Hand des Orgelbaumeisters Gottfried Silbermann. Dann wären sie nämlich als Kulturgut erstens unbezahlbar und zweitens unverkäuflich. Aber diese Orgelpfeifen aus der Crostauer Kirche stehen zum Verkauf. Durch Zufall sind sie Lucas Pohle in die Hände gefallen. „Auf so einem Kirch-Dachboden sammelt sich so manches an“, sagt der Kantor. Er fand heraus, dass es sich bei den von ihm gefundenen hölzernen Orgelpfeifen um die Überreste eines Registers handelt, das man 1913 in die Orgel eingebaut und 1963 wieder entfernt hatte. Damals, am Anfang des 20. Jahrhunderts, wollte man einen anderen Klang der Silbermann-Orgel erreichen. Die Barock-Orgel klang ursprünglich sehr hell, klar und durchdringend. Der Zeitgeschmack forderte um 1913 aber eher einen weichen, verschmelzenden, sonoren Klang. Da man sich damals – aus heutiger Sicht zum Glück! – keine neue Orgel leisten konnte, baute man einfach ein neues romantisches Register ein. Die Originalteile von Gottfried Silbermann, die man damals entfernte, seien, so Lucas Pohle, leider verschollen.

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Geld für die Silbermann-Orgel
Erst in den 1960er-Jahren begann man den Wert der ursprünglichen Silbermann-Orgel wieder zu schätzen. Bei einer fälligen Rekonstruktion wurde das romantische Register von 1913 entfernt und landete auf dem Dachboden. Die Originaldisposition der Orgel wurde wiederhergestellt.

Wie Lucas Pohle herausgefunden hat, müssen ursprünglich etwa 50 Holzpfeifen von 1913 vorhanden gewesen sein. Gefunden hat er aber nur noch die Hälfte. Von diesen 25 Stück hat er bereits 15 Stück verkauft. Das Interesse, solch ein seltenes Exemplar zu erwerben, sei groß, sagt der Kantor. Einige Pfeifen seien an Interessenten aus Crostau gegangen, eine Käuferin kam extra aus Dresden und eine Familie, deren Sohn Orgelspielen lernt, aus der Nähe von Berlin. – Obwohl solch eine alte Orgelpfeife eigentlich keinen praktischen Nutzen hat, habe sie doch einen hohen ideellen Wert, sagt Lucas Pohle. Schließlich seien die Orgelpfeifen über 100 Jahre alt und sie geben noch einen schönen warmen Ton von sich. Außerdem könnten sie ohnehin nirgendwo anders mehr verwendet werden. Ein positiver Nebeneffekt sei, dass alle Käufer mit ihrem Geld zum Erhalt der Silbermann-Orgel beitragen. Denn an der Königin der Instrumente sei immer etwas zu tun. Dies, obwohl die Orgel erst 2016 grundlegend instandgesetzt und restauriert wurde. Momentan stimmen beispielsweise Mitarbeiter der renommierten Bautzener Orgelbaufirma Eule, die Pfeifen neu.

Die alten hölzernen Orgelpfeifen in unterschiedlicher Größe sind zu einem Preis zwischen 30 und 75 Euro zu haben. Sie werden bei den Konzerten in der Kirche Crostau angeboten. Interessenten, können sich aber auch direkt an Kantor Lucas Pohle wenden.

Interessenten für die Orgelpfeifen wenden sich an Lucas Pohle unter Telefon: 03592 5141266 oder

[email protected]