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Ortsbeirat Cotta wird zum Wanderzirkus

Anwohner sollen dabei sein, wenn es um neue Straßen, Plätze und Baustellen geht. Doch es fehlt ein großer Raum. Dabei ist das Interesse gering.

© Norbert Neumann/Archiv

Von Annechristin Bonß

Wenn Monat für Monat die Kommunalpolitiker in den Stadtteilen über kaputte Straßen, neue Schulen oder saubere Fußwege diskutieren, interessiert das kaum jemanden. Viel zu oft bleiben die Besucherplätze leer. Dabei hat jeder Einwohner das Recht zuzuhören und auch mitzureden, wenn das entsprechende Recht beantragt wird. Oftmals werden hier erstmals Baupläne und -vorhaben öffentlich vorgestellt.

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Mit der Nichtanwesenheit der Bürger will sich die Cottaer Ortsamtsleiterin Irina Brauner nicht anfreunden. Doch das bringt sie derzeit in Bedrängnis. Der große Saal im Ortsamt in der Lübecker Straße 121 ist gesperrt. Hier hätten neben den 21 Räten und weiteren Mitarbeitern bis zu 70 Besucher Platz. Einen genauso großen Raum gibt es nicht vor Ort. Im kleinen Saal kämen nicht einmal zehn interessierte Zuhörer unter. Kategorisch ausschließen will Irina Brauner mögliche Besucher trotzdem nicht.

Und so macht sie den Ortsbeirat zum Wanderzirkus. Im Januar tagte das Gremium in der Aula der 36. Oberschule an der Emil-Überall-Straße. Nicht nur Akten, sondern auch die Audioanlage haben die Mitarbeiter von Cotta nach Löbtau und wieder zurück geschleppt. Vor der Sitzung wurden Stühle gerückt, denn die stehen hier sonst anders. Mitarbeiter der Stadt sicherten während der zweieinhalbstündigen Sitzung zudem das Gebäude gegen ungebetene Gäste. Ein großer Aufwand – den über 30 Besucher honorierten. Sie wollten hören, wie die Räte über die Sanierung des Sportplatzes an der Saalhausener Straße und eine mögliche Erweiterung des Leutewitzer Parks denken.

Doch der Ausweichstandort wird eine Einmallösung bleiben. In anderen Grundschulen gibt es nicht genügend Stühle, die für Erwachsene geeignet sind. Oberschulen oder Gymnasien scheiden aus, weil dort die Räume selbst benötigt werden. Auch das Theater Junge Generation sei keine Alternative, sagt Irina Brauner. Notfalls müsse sich der Ortsbeirat in einem anderen Stadtteil treffen. Auch eine öffentliche Sitzung im Rathaus Plauen wäre denkbar. Das liegt zumindest noch in der Nähe der Ortsamtsgrenze und ist zudem von Löbtau gut mit dem Bus erreichbar. Legitim ist das nach geltendem Kommunalrecht. Auch wenn interessierte Bürger dann einen weiteren Weg zu den Sitzungen hätten.

Wann der Ortsbeirat wieder dauerhaft im Rathaus Cotta tagen kann, steht nicht fest. Vielleicht gibt es ja Ende des Jahres eine Lösung. Dann jährt sich der Tag der ersten Sitzung überhaupt zum 25. Mal.