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Ortsteile nicht zusammenwachsen?

Der Reiz Radebergs als Wohnstandort liegt auch in der Vielfalt der Stadtteile, findet der langjährige Stadtplaner Peter Lunze. Und setzt auf neue Ideen.

© Thorsten Eckert

Von Jens Fritzsche

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Als Großerkmannsdorfs Ortsvorsteher Harry Hauck (Freie Wähler) jetzt die Idee öffentlich machte, das Feld zwischen dem Ende der Radeberger Südstadt an der Schillerstraße und dem Großerkmannsdorfer Wohngebiet an der Heide für ein neues Wohn-Areal nutzen zu wollen, las Dr. Peter Lunze das mit großen Bedenken in der SZ. „Auch, wenn mir klar war, dass damit nicht die komplette Fläche gemeint ist.“

Der Radeberger Architekt hat ja bekanntlich kurz vor und vor allem in den Jahren nach der Wende das Stadtplanungsamt geleitet, „und ich hatte in dieser Zeit viele grundhafte Entwicklungsvorgänge in der Stadt im gesamtstädtischen Zusammenhang zu bedenken und zu planen“. Auch, als es um die Gewerbe- und Wohngebietsentwicklungen ging. Wie das Gewerbegebiet an der Pillnitzer Straße, „und die Überlegungen zur Stadtumfahrung“, denkt er zurück. Bekanntlich soll ja auch die Südumfahrung der Stadt über genau diese Fläche an der Südvorstadt führen, die jetzt von Harry Hauck als Wohnstandort ins Spiel gebracht wurde.

Ortsteile sollten ihre Eigenheiten behalten

Doch die Bedenken Lunzes, was die Nutzung dieses Areals als weiteren Wohnstandort angeht, haben auch andere Gründe. Denn schon immer, sagt er, „habe ich es als einen besonderen Vorteil für den Wohnstandort Radeberg angesehen, dass die Ortsteile ihre Eigenheiten behalten und auch ihre Abgrenzungen“. Denn genau das, ist Peter Lunze überzeugt, seien auch Standortvorteile, mit denen Radeberg insgesamt punkten könne. „Gerade die historisch gewachsenen, verschiedenen Eigenheiten, mit denen Liegau-Augustusbad, Großerkmannsdorf und Ullersdorf aufwarten können, haben für die Stadt Radeberg als Ganzes einen hohen Wert“, findet Peter Lunze. Und dazu gehören nach Lunzes Überzeugung eben auch jene „grünen Zäsuren zwischen den Ortsteilen und der Stadt“. So auch die landwirtschaftliche Flur mit der Goldbachaue zwischen der Südstadt und Großerkmannsdorfs Wohngebiet, fügt er an. Denn genau diese Vielfalt, diese Erlebbarkeit der Ortsteile als eigenständige Siedlungen, sei ein wichtiges Plus gegenüber anderen Orten, findet Peter Lunze. „Das sollten wir nicht aufs Spiel setzen“, wünscht sich der Radeberger Architekt. „Das spricht natürlich nicht gegen sinnvolle Abrundungen oder Ergänzungen – ohne hohen Erschließungsaufwand“, fügt er an. Wobei das aber nicht nach dem Motto „Jeder macht seins“ oder „Wer zuerst kommt, malt zuerst“ passieren sollte, ist Peter Lunze überzeugt. Bei all diesen Planungen müsse man immer die Gesamtstadt im Blick haben.

Der Schwerpunkt aber, so meint Peter Lunze, müsse aus seiner Sicht vielmehr auf der Verdichtung liegen. „Gerade in der Kernstadt gibt es da die größten Flächenmöglichkeiten, aber auch in den Ortsteilen gibt es noch erhebliche Reserven für verdichtende Wohnbebauung“, findet der ehemalige Stadtplaner. Natürlich weiß auch er, „dass davon nur ein Teil in städtischer Hand ist, und dass es da durchaus einiger zusätzlicher Bemühungen bedarf, denen man sich bisher nicht stellen wollte“, merkt er ein wenig kritisch an. Und verweist auch auf einen weiteren Fakt: „Vorhandene Wohngebiete und Gewerbeareale sind ja bereits erschlossen, neue Erschließungen erfordern nicht nur hohe Herstellungskosten, sondern erhöhen auch den dauerhaften stadtökonomischen Aufwand – und deshalb heißt das Gebot jeglicher Stadtentwicklung, zunächst Vorhandenes intensiv zu nutzen!“ Und außerdem mache es siedlungsplanerisch überhaupt keine Sinn, Entwicklungen anzuzetteln, für die im Prinzip kein tatsächlicher Bedarf vorhanden ist, ist Peter Lunze überzeugt. „Wir müssen in Radeberg die Fehler nun nicht nachholen, die bereits in anderen Städten in Sachen Wohnungsbau gemacht worden sind“, ist Lunze überzeugt. „Dazu gehört eben auch, nicht nur nach neu zu erschließenden Flächen zu rufen!“

In den kommenden Wochen veröffentlicht die SZ regelmäßig spannende Themen zu den Erinnerungen Dr. Peter Lunzes in einer Artikel-Serie. Der nächste Teil erklärt, wie Radeberg fast zur Keksstadt geworden wäre …

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