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Oßlinger Eis-Spezialist geht noch nicht in Rente

Seit fast drei Jahrzehnten stellt Klaus Tomschke die Leckerei selbst her. Auch nach seinem 70. gibt’s bei ihm was in die Waffel.

Von Manuela Reuß

Die Sonne knallt vom Himmel. Ideales Wetter für Eis-Verkäufer. Doch die Oßlinger Eis-Diele bleibt heute dicht. Klaus Tomschke ist dennoch im Geschäft anzutreffen. Gleich nebenan – im Saal seines Gasthauses – bewirtet er Gäste. Ganz privat. Denn der Inhaber der „Linde“ feiert 70. Geburtstag.

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An Ruhestand denkt der Oßlinger trotz des längst erreichten Rentenalters noch nicht. „Ich sage immer, so lange ich im Kopf noch klar bin und laufen kann, geht’s noch.“ Fände sich ein Nachfolger, wäre der 70-Jährige aber nicht böse. Ein großes weißes Schild im Schaufenster zeigt, dass Klaus Tomschke die Zukunft nicht dem Zufall überlässt. „Zu verkaufen“ ist in großen roten Buchstaben zu lesen. Damit sind nicht etwa Tomschkes leckeren Eiskugeln gemeint. Die „Linde“ soll an den Mann oder die Frau gebracht werden. Das sorgt natürlich immer wieder für Gesprächsstoff und Nachfragen. „Vor allem Kinder fragen manchmal: Dann gibt es wohl gar kein Eis mehr?“

Seit fast drei Jahrzehnten steht Klaus Tomschke nun schon hinterm Tresen von Gaststätte und Eis-Diele. Zu DDR-Zeiten als sogenannter Kommissionshändler. Den Wareneinkauf finanzierte der Konsum vor. Er übernahm auch Buchhaltung und Abrechnung. Für diese Dienstleistungen musste der Wirt etwa 20 Prozent seines Umsatzes berappen. „Das war eigentlich eine feine Sache“, erinnert er sich zurück. Seit der Wende ist der Oßlinger komplett sein eigener Herr.

Dabei kommt Klaus Tomschke eigentlich nicht aus der Gastronomie. Vor seinem Job als Wirt war er Bauschlosser. Zur Gaststätte kam er durch eine Fügung des Lebens. Der älteste Sohn wollte in den 1980er- Jahren in Oßling bauen. Doch das klappte nicht. Als dann die Vorbesitzer der „Linde“ in den westlichen Teil Deutschlands zogen, wollte sein Sohn die Gaststätte übernehmen. „Also haben wir sie für ihn gekauft“, erinnert sich der 70-Jährige. Ein paar Jahre später zog es auch den Sohn gen Westen. „Da hatten wir das Geschäft auf dem Hals.“ Bereut hat Klaus Tomschke das aber noch nicht. Obwohl der Gaststättenbetrieb längst nicht mehr so läuft wie früher. „Wahrscheinlich werd’ ich die Öffnungszeiten bisschen runterfahren.“ In der Woche komme eh kaum jemand ins Lokal. Auch der Saal wird selten genutzt. Rund 150 Leute haben hier Platz. Klaus Tomschke überlegt, ob er ihn vielleicht als Partyraum vermietet. „Na ja, erst mal sehen.“

Ein Jahr nachdem der Oßlinger den Job als Wirt übernommen hatte, öffnete er die Eis-Diele. Zuvor musste er einen Lehrgang besuchen. Jeden Sonnabend fuhr er dafür nach Zittau. Dort lernte er wie Eis hergestellt wird und welche hygienischen Standards dabei zu beachten sind. Mit Softeis startete Klaus Tomschke. Dafür gibt es fertiges Pulver. „Das musste man nur einrühren. Da man man keine Fehler machen.“ Später kam Streicheis hinzu. Das produziert der Oßlinger zu 70 Prozent selbst. Sein Fruchteis enthält nahezu keine Aromen, dafür viele Früchte. Gestern kamen beispielsweise die Zutaten für sein Kiwi-Eis. „Jeder hat da so seine eigenen Rezepte.“ Bei ihm wechseln die Sorten immer mal. „Ich hab ja nicht so viel Platz in der Truhe.“

Den Kunden schmeckt’s. Immerhin kommen die nicht nur aus dem Ort, sondern auch aus den umliegenden Städten und Gemeinden. Kinder schwören auf das blaue Delfino-Eis. „Ich glaube das suchen sie sich wegen der Farbe aus, nicht wegen dem Geschmack.“ Beim Softeis ist der Klassiker Schoko-Vanille am meisten gefragt. Sonntags wirft der Wirt beide Softeis-Maschinen an. Da ist dann auch eine fruchtige Variante der Leckerei im Angebot. Kirsch-Vanille und Heidelbeer-Vanille sind da die Renner. Heute haben Eis-Liebhaber zwar das Nachsehen, doch ab morgen gibt’s in der Eis-Diele wieder was in die Waffel.