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Osterlämmer dürfen weiterleben

Viele Schäfer konnten zum Fest wegen Corona weniger Schlachttiere verkaufen. Anders die Schneiders in Bieberach. Ihre Jungtiere gehen jetzt als "Rasenmäher" ins Grüne.

Barbara und Dieter Schneider mit Lamm Nummer 171 in ihrer Schäferei in Bieberach.
Barbara und Dieter Schneider mit Lamm Nummer 171 in ihrer Schäferei in Bieberach. © Kristin Richter

Bieberach.  Mäh hier und mäh da, der ganze Stall steht voller Schafe und auch Ziegen. Etwa 400 Muttertiere und rund 200 Lämmer betreuen die Schneiders in ihrem Bieberacher Stall derzeit. Und täglich werden neue Lämmer geboren. Bei 800 Tieren hat der Stall seine Kapazitätsgrenze erreicht. "Wird Zeit, dass wir Tiere verkaufen bzw. raus auf die Wiese bringen können", sagen die Berufsschäfer Barbara und Dieter Schneider.

Doch anders als Betriebe, die auf ihren Osterlämmern wegen der geschlossenen Gaststätten sitzen bleiben, sind die Schneiders von Corona nicht wirklich betroffen. Sie haben sich bewusst nicht auf Osterlämmer spezialisiert. Wenn sie jetzt Jungtiere mit 20 bis 25 Kilo Gewicht an Private verkaufen, so stehen die Tiere dann in Gärten und werden bis Herbst gemästet. "Erst wenn unsere anderen Lämmer so 40 Kilo haben, gehen sie an einen Großhändler", sagt Dieter Schäfer.

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Kommt die Absatzkrise verzögert?

Das wird im Juni bis Juli sein. Dann hoffen die Bieberacher, dass die Preise wieder nach oben gehen. Denn zur Zeit wird das Kilo schon niedriger gehandelt als frühere Jahre - wegen des großen Angebots. 3,50 Euro verlangen die Schäfer jetzt pro Kilo Lebendgewicht für ein männliches Jungtier. "Kann sein, dass die Absatzkrise bei uns verzögert ankommt", meint Barbara Schneider. Vielleicht werden dann auch erst die größeren Lämmer anderswo aufgekauft. Und die Schneiders müssen ihre Tiere weiter füttern.

Bis dahin sollen die Herden jedoch schon raus ins Grüne. Doch wegen des fehlenden Regens ist das Gras noch nicht üppig genug. Noch lohnt sich der große Aufwand der Futterumstellung auf Freilandbetrieb nicht. 26 Hektar Gelände bewirtschaften die Schneiders mit ihren Tieren als "Rasenmäher" zwischen Ebersbach und Großenhain. Im Sommer machen sie zudem Landschaftspflege auf dem Exer. Dann sind auch ihre Esel mit draußen, die derzeit noch am Stall im Grüppchen zusammenstehen. Im Gegensatz zu den Lämmern, die Nummern auf ihrem Fell tragen, haben die Esel Namen. Emil heißt einer, Spencer ein anderer. Insgesamt sechs Maultiere schützen die Herde vor dem Wolf.  

Prämien für Landschaftspflege

Ende Mai soll es wieder auf den Großenhainer Exer gehen. Bis dahin müssen die Schäfer mit ihren Futtervorräten hinkommen. Auch die Ziegen - etwa 100 Tiere - ziehen als Landschaftspfleger dann mit in die Natur. "Die kommen rund um die Bäume besser an Futter", weiß Dieter Schneider. Außerdem springen jetzt die Burenziegen, Thüringer Milchziegen und weißen Edelziegen ein, wenn ein Mutterschaf ihr Kleines verstößt. Andere Schafe nehmen sich des Zöglings nämlich nicht an. 

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Mitte Mai soll der Stall aber geräumt werden. Dann reicht der Platz nicht mehr für alle Tiere. Dann braucht es auch keine Kinderstuben mehr für die Lämmer, wie sie jetzt mit bis zu 60 Tieren und speziellem Futter eingerichtet sind. Dann wird sich das unablässige "Mäh" bis in den Herbst ins Freie verlagert.  Für die Landschaftspflege erhalten die Schneiders - die einzig verbliebenen Berufsschäfer im Altkreis Großenhain - eine Förderung. Für die beiden 56-Jährigen ein wichtiger Teil ihres Einkommens. 

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