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Osterlämmer im Miniformat

Siegfried Rosenkranz aus Seifersdorf züchtet Jakobsschafe. Das besondere: Sie sind kleiner als ihre Artgenossen.

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Von Thomas Drendel

Vom schneidend kalten Ostwind lassen sich die Jakobsschafe nicht beeindrucken. Sie stolzieren über die Wiese am Rande von Seifersdorf als wäre es ein lauer Frühlingstag. Das trockene Gras scheint ihnen wie ein Festmahl zu schmecken. „Sie sind sehr genügsam und kommen auf den kärgsten Böden zurecht. Sie fressen das Gras auch kürzer als herkömmliche Schafe. Die idealen Rasenmäher“, sagt Züchter Siegfried Rosenkranz. „Sie können das ganze Jahr über draußenbleiben. Die älteren Tiere brauchen auch bei stärkstem Frost keinen Stall“, erklärt er. Einen Unterschlupf musste Siegfried Rosenkranz dennoch errichten. Hier sind die Osterlämmer untergebracht. „Na, ja wirkliche Osterlämmer sind das nicht. Dafür sind sie ein paar Tage zu früh zur Welt gekommen“, sagt der Seifersdorfer und holt ein junges Tier aus der Box. Dichtes Fell haben sie bereits, weiß ist es mit braunen Flecken. Ein wenig unsicher steht das Lamm noch auf den Beinen. Schnell will es wieder zu seiner Mutter. Über einigen Boxen hängen Wärmelampen. „Das ist notwendig, damit die Lämmer trocknen. Wenn sie geboren werden ist das Fell noch feucht. Unter der Lampe ist es warm“, sagt er und streicht einem Tier den Rücken. Wenn die Jungen zur Welt kommen, steht Siegfried Rosenkranz oft stundenlang im Stall. Bei Problemfällen wird sofort der Tierarzt geholt. Die Schafe, die sind eben mein Spleen, fügt er hinzu. „So wie andere auf den Golfplatz gehen oder sich ein teures Auto kaufen, habe ich eben meine Schafe.“ In der Amtssprache wird Siegfried Rosenkranz als „Nebenerwerbslandwirt“ bezeichnet. Sein Geld verdient er jedoch bei der Firma Kunststoff- und Elasttechnik KET in Liegau-Augustusbad. Er arbeitet hier in der Qualitätssicherung.

Siegfried Rosenkranz und seine Tochter Jenny halten junge Jakobsschafe in den Armen. Die Lämmer wurden vor wenigen Tagen im Stall in Seifersdorf geboren. Der Tierfreund hat jetzt besonders kleine Schafe gezüchtet. Fotos: Thorsten Eckert
Siegfried Rosenkranz und seine Tochter Jenny halten junge Jakobsschafe in den Armen. Die Lämmer wurden vor wenigen Tagen im Stall in Seifersdorf geboren. Der Tierfreund hat jetzt besonders kleine Schafe gezüchtet. Fotos: Thorsten Eckert

Weshalb er sich gerade in diese Tiere verguckt hat, weiß er nicht. Aufmerksam ist er aber durch eine Fernsehsendung von Prof. Heinrich Dathe, dem ehemaligen Direktor des Berliner Zoos geworden. „Er stellte darin Jakobsschafe vor. Ich war fasziniert.“ Nach der Wende sah er im Fernsehen eine Sendung über den Haustierzoo Kleve, der unter anderem Jakobsschafe züchtet. „Es war nicht einfach Schafe vom Zoo zu kaufen. Es gab eine lange Warteliste“, erinnert sich der Seifersdorfer. Damals gab es in ganz Deutschland rund 200 Tiere. Mit drei Tieren hat er angefangen. Heute hat Siegfried Rosenkranz mehr als ein Dutzend. Ein wenig furchterregend sehen die Jakobsschafe ja aus. Vier große Hörner tragen die ausgewachsenen Tiere, zwei wachsen in die Höhe, zwei stehen seitlich ab. Er hat auch ein Schaf mit fünf Hörnern. Es gibt Jakobsschafe mit bis zu sechs Hörnern. Manchmal kommt es zwischen den Böcken zu kleinen Kabbeleien. Menschen gegenüber sind die Schafe sehr friedlich.“ Deswegen hat der Seifersdorfer auch kein Problem, dass seine zehnjährige Enkelin Jenny die Tiere füttert und auch mal eins der Lämmer auf den Arm nimmt.

Ist schon das Aussehen der Jakobsschafe etwas besonderes, so ist es ihre Geschichte ebenfalls. Sie wurden schon in früher Menschheitsgeschichte zur Wollgewinnung gehalten. Ihr Name hat Bezüge zur Bibel. Er geht auf die alttestamentarische Geschichte von Jakob aus dem 1. Buch Mose zurück. Jakob, der Sohn Isaaks und Enkel Abrahams soll als Lohn für seine Arbeit alle gefleckten Schafe von seinem Onkel Laban gefordert haben. Deshalb ist der Name der Tiere bis heute mit ihm verbunden. In späteren Jahrhunderten kamen die Jakobsschafe mit arabischen Eroberern über Nord-Afrika nach Spanien. Von dort aus verbreiteten sie sich bis nach Großbritannien. Sie waren als lebender Proviant auf Schiffen der spanischen Armada im Jahr 1588, als diese England angegriffen haben. Seitdem wird das Schaf in England gehalten. Obwohl Jakobsschafe an sich schon etwas besonderes sind, setzt Siegfried Rosenkranz dem Ganzen noch eins drauf. Er züchtet eine Miniausgabe der Tiere. Die Mini-Ausgaben gibt es bei vielen Tierarten, wie bei Schweinen, Pferden und Kaninchen. Nur bei Jakobsschafen gibt es diese noch nicht. Die Lücke habe er jetzt gefüllt. Er hat sie jetzt seit sechs Generationen immer wieder selektiert. Seine Tiere sind statt 70 Zentimeter nur 50 Zentimeter hoch und natürlich auch um einiges leichter. „Besonders Frauen mögen die Minis“, sagt der Seifersdorfer. „Die seien so knuffig.“

Mit seinen kleinen Jakobsschafen sorgt der Seifersdorfer für viel Aufsehen. Regelmäßig zeigt er sie im Nationalparkhaus Sächsische Schweiz in Bad Schandau. Auch auf der nächsten Landwirtschaftsmesse in Markkleeberg, der „Agra“ , sollen sie dieses Jahr zu sehen sein. Interessierten Kindern und Erwachsenen ist er gern bereit, die Schafe zu zeigen und alles wissenswerte zu erklären. „Wenn sie sich die Tiere ansehen wollen, dann sind sie natürlich willkommen“, sagt der Züchter.