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Verbotene Ostpakete in die Schweiz

Der Angeklagte hat seinem Kumpel etwas fest versprochen. Er hält sein Wort. Und landet nun in Meißen vor Gericht.

Der Angeklagte schickt mehrer Päckchen in die Schweiz. Doch der Inhalt hat es in sich. Der bringt ihn nun vor Gericht und beinahe wieder ins Gefängnis.
Der Angeklagte schickt mehrer Päckchen in die Schweiz. Doch der Inhalt hat es in sich. Der bringt ihn nun vor Gericht und beinahe wieder ins Gefängnis. ©  dpa / Symbolbild

Meißen. Nein, so ein Lump, der ein fest gegebenes Wort bricht, ist der 35-jährige Coswiger nicht. Er ist offenbar ein Ehrenmann. Was er verspricht, das hält er auch. Einem Kumpel in der Schweiz hat er auch etwas fest versprochen. Lange Zeit war er mit diesem auf engstem Raum zusammen. Der war nämlich sein Zellennachbar im Gefängnis.

 Vier Jahre Haft und dazu 3.600 Franken Geldstrafe bekam der Coswiger vom Regionalgericht Bern aufgebrummt. Den Großteil davon saß er ab, die Reststrafe wurde zur Bewährung ausgesetzt. Ihm wurde vorgeworfen, ein Kilogramm Crystal in die Schweiz eingeschmuggelt zu haben. Nachzuweisen waren ihm letztlich 750 Gramm. In Deutschland hat dies einen Wert von rund 52.000 Euro.

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Natürlich waren andere daran schuld. Seine damalige Freundin habe in der Schweiz gearbeitet. Im Rotlichtmilieu. „Ich bin froh, dass ich von der Frau weg bin. Denn durch sie bin ich ins Drogenmilieu reingerutscht, in einen Teufelskreis geraten“, sagt er. 

„Als ich aufhören wollte, haben die mir gedroht, meiner Freundin etwas anzutun“, so der Coswiger. Da habe er eben weitermachen müssen, sei nach Tschechien gefahren und habe dort die Drogen besorgt. „Aber ich war nur der Fahrer“, versichert er.

Noch im Gefängnis also verspricht er seinem Kumpel, dass er diesem, wenn er aus dem Knast rauskommt, Crystal in die Schweiz schicken werde. Dennoch sei er überrascht gewesen, als der frühere Mithäftling ihn plötzlich anrief und an sein Versprechen erinnerte. 

„Ich wollte halten, was ich im Gefängnis versprochen habe“, sagt er und schickt sozusagen fünf Ostpakete an seinen Kumpel ins Land der Eidgenossen. Der Inhalt: Rund 80 Gramm Crystal Wie viel Drogen es tatsächlich waren, ist unklar. Die Staatsanwaltschaft hat 100 Euro pro Gramm angenommen, der Angeklagte gibt zu, das Crystal für 70 Euro pro Gramm verkauft zu haben. Dann wäre es sogar noch eine größere Menge. 

In den Geldbeträgen sei sein Gewinn eingerechnet gewesen. So habe er zum Beispiel zehn Gramm für 700 Euro verkauft, aber 1600 Euro erhalten. Ein satter Gewinn von 900 Euro. Das kann man ihm glauben, oder auch nicht. Leicht gehabt hat er es jedenfalls nicht. „Es war wahnsinnig schwer, in Dresden jemanden zu finden, der Crystal für 70 Euro pro Gramm verkauft“, jammert er. 

Die vierte Lieferung sei nicht angekommen, die fünfte habe er gar nicht erst abschicken können, weil er „abgezogen“ worden sei und kein Geld zum Kauf hatte , sagt er. Doch das Geld für die nicht erfolgte Lieferung, 2 657 Euro, hat er erhalten und verjubelt, zum Teil in Casinos.

Ausgerechnet sein Ex-Kumpel hat ihn nun vor Gericht gebracht. Der wurde nämlich verhaftet, auf seinem Handy auch die Nummer des Angeklagten gefunden. Bei seiner Vernehmung packte er aus. Fünf Päckchen mit Crystal habe er von dem Coswiger erhalten, sagte er. „Der will mich reinziehen“, schimpft der Angeklagte.

Ginge es nach dem Willen der Staatsanwältin, müsste er wieder ins Gefängnis, diesmal in Deutschland und für zwei Jahre und zehn Monate. Das Meißner Schöffengericht aber urteilt milder, geht zugunsten des Angeklagten von einer geringeren Menge aus. 

Es verhängt nur zwei Jahre Haft, die zur Bewährung ausgesetzt werden. Außerdem wird Wertersatz von 7 500 Euro angeordnet. Das heißt, die Staatsanwaltschaft wird den Wert der Drogen bei ihm pfänden. Das wird schwierig. Nach eigenen Angaben hat der Mann rund 20 000 Euro Schulden.

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