merken
PLUS Zittau

Hitler-Ärger in Ostritz

Thomas Göttsberger sieht den Stadtrat in der Sache um die Ehrenbürgerschaft Hitlers von der Bürgermeisterin übergangen. Er fordert schnelles Handeln.

Der Ostritzer Stadtrat Thomas Göttsberger fühlt sich von der Bürgermeisterin übergangen.
Der Ostritzer Stadtrat Thomas Göttsberger fühlt sich von der Bürgermeisterin übergangen. ©  Archiv: Matthias Weber

Thomas Göttsberger gilt in Ostritz als streitbarer Geist. Das ist vielleicht nicht die schlechteste Eigenschaft, wenn man Stadtrat ist. Bis zur letzten Wahl verstand sich der Vertreter der kommunalen "Bürgervereinigung Siedlung" als "Ein-Mann-Opposition im Stadtrat", wie er selbst sagt. Schon wiederholt kreuzten er und Bürgermeisterin Marion Prange (parteilos) auch vor Gericht die Klingen - etwa weil Göttsberger unrechtmäßig das Stadtwappen verwendet hatte. Nun regt sich Göttsbergers Ärger über eine unappetitliche Personalie in der Ostritzer Stadtchronik gegen die Bürgermeisterin.

Wie die SZ jüngst berichtete, wird Adolf Hitler immer noch in der Liste der Ostritzer Ehrenbürger geführt - seit 1933. Und nach Kriegsende gab es nie einen Beschluss des Stadtrates, diese Ehrenbürgerwürde wieder zu entziehen. Und in dieser Sache sieht Thomas Göttsberger nun sich und den gesamten Ostritzer Stadtrat von der Bürgermeisterin übergangen. Deshalb hat er eine an Marion Prange gerichtete Mail in Kopie an alle Stadträte geschickt.

Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien
Reppe & Partner Immobilien

Bietet Ihnen das komplette Rundum-sorglos-Paket für Ihr Immobilieneigentum.

Göttsberger fürchtet Schaden für die Stadt

"Als Bürgermeisterin können Sie eigenständig Angelegenheiten der Verwaltung und geringfügige Sachverhalte, die in der Hauptsatzung geregelt sind, alleine entscheiden", schreibt er da. Ansonsten aber habe sie die Beschlüsse des Stadtrates zu vollziehen. "Unstreitig ist die Zuerkennung oder Aberkennung einer Ehrenbürgerwürde keine Angelegenheit der Verwaltung. Vielmehr hat hier der Stadtrat das Sagen", so Göttsberger.

In der Hitler-Sache nun wirft er Prange vor, nicht informiert worden zu sein. "Vor diesem Hintergrund verwundert, dass ich als gewählter Stadtrat aus der Zeitung erfahren muss, dass Sie seit einiger Zeit den Sachverhalt ,Adolf Hitler, Ehrenbürger der Stadt Ostritz' kennen, ihn aber, aus welchen Gründen auch immer, dem Stadtrat vorenthalten", schreibt Göttsberger. In dieser Angelegenheit sei ein schnelles Handeln des Stadtrates angezeigt, "da dieses Thema auch Potenzial für eine überregionale Presseberichterstattung hat".

Weiter verweist Thomas Göttsberger darauf, dass auch die Sächsische Gemeindeordnung der Bürgermeisterin eine "vollumfängliche Informationspflicht gegenüber dem Stadtrat" auferlege. "Leider musste ich auch bei anderen Sachverhalten die Erfahrung machen, dass Informationen nicht oder nicht immer vollumfänglich zur Verfügung gestellt werden. Hier besteht erheblicher Verbesserungsbedarf", schreibt er.

"Ostritz hat Symbolwirkung"

Bürgermeisterin Marion Prange will sich gegenüber der SZ auf Anfrage nicht weiter zu dem Thema äußern. Allerdings hatte sie auch nie geäußert, in dieser Sache allein entscheiden zu wollen. Im Gegenteil - ausdrücklich sprach sie davon, die Sache im Stadtrat und anderen Gremien vorbringen zu wollen. Das aber, so Göttsberger, hätte längst geschehen müssen. "Frau Prange weiß offensichtlich schon länger davon und die letzte Stadtratssitzung war am 9. Juli. Da hat sie nichts davon erzählt", sagt er.

Göttsberger sieht das Thema der Ehrenbürgerschaft Hitlers als für Ostritz besonders sensibel an. "Ostritz ist wegen seiner Friedensfeste gegen die Nazis deutschland- und europaweit bekannt. Gerade Ostritz hat Symbolwirkung", sagt er. Er will nun, dass die Sache möglichst schnell vom Stadtrat behandelt wird und die Ehrenbürgerwürde Hitlers per Beschluss aufgehoben wird.  

Ostritz' Bürgermeisterin Marion Prange erhält demnächst eine Auszeichnung für ihr Engagement gegen Nazi-Festivals in Ostritz.
Ostritz' Bürgermeisterin Marion Prange erhält demnächst eine Auszeichnung für ihr Engagement gegen Nazi-Festivals in Ostritz. © Archiv Rafael Sampedro

Mehr Nachrichten aus Zittau und  Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Löbau und Umland lesen Sie hier

Mehr Nachrichten aus Görlitz und Umland lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Niesky und Umland lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Zittau