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Ostritz ist fast täglich Ziel von Kupferdieben

In der ersten Jahreshälfte haben Kupferdiebe die Stadt Ostritz unsicher gemacht. An den Gebäuden des Klosters und des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ) St. Marienthal wurden mehrfach Kupferrohre abmontiert.

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In der ersten Jahreshälfte haben Kupferdiebe die Stadt Ostritz unsicher gemacht. An den Gebäuden des Klosters und des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ) St. Marienthal wurden mehrfach Kupferrohre abmontiert. Allein in einer Nacht stahlen so Unbekannte Kupferrinnen an sechs verschiedenen Stellen auf dem Klostergelände, unter anderem am „Haus der Familie“. IBZ-Hausmeister Andreas Ebermann hatte danach die Spuren der Diebe verfolgt – sie führten bis zur Neiße. Auf polnischer Seite gingen sie weiter.

Einen Jugendlichen aus Bogatynia erwischte eine Polizeistreife auf frischer Tat. Er wurde nach der Aufnahme der persönlichen Daten wieder freigelassen. Kurze Zeit später versuchte der Pole erneut, Kupferrohre zu klauen und wurde wieder ertappt. Auch kurz nach dem zweiten versuchten Diebstahl durfte der Täter gehen. Die Polizei rechtfertigt dies mit der geringen Schadenshöhe. Für Andreas Ebermann unverständlich. Die Einzelschäden belaufen sich zwar nur auf einige Hundert Euro, zähle man aber alle Diebstähle zusammen, verzeichnet das IBZ einen Gesamtschaden von mindestens 20000 Euro. Seit fast zwei Jahren wird es immer wieder von Kupferdieben heimgesucht.

Doch nicht nur das Kloster war Ziel der Kupferdiebe. Auch in der Stadt Ostritz selbst schlugen unbekannte Täter im ersten Halbjahr öfter zu. So auf dem Gelände des Hotels „Neißeblick“. Drei Tage hintereinander wurden hier Kupferrohre gestohlen, wie Inhaber Hans-Peter Fischer bestätigt. Darüber hinaus bedienten sich die Diebe am Material aus der Werkstatt, mitgenommen wurde unter anderem ein 200-Liter-Ölfaß.

Die Polizei schickte danach ab und zu eine Streife vorbei. „Zu einer lückenlosen Überwachung sind wir aber nicht in der Lage“, verteidigt der Zittauer Revierleiter seine Beamten, die eng mit polnischen Kollegen zusammenarbeiteten. Doch oftmals sind die Beamten machtlos gewesen. Kupfer ist ein heiß begehrter Rohstoff. Der Kupferpreis ist in den zurückliegenden Monaten um über 30 Prozent gestiegen. Und der Aufwärtstrend setzt sich fort. Die Folge ist eine Zunahme der Kupferdiebstähle.

Während die Polizei nach den Tätern fahndete, haben die Betroffenen Konsequenzen gezogen. So ersetzt das IBZ die gestohlenen Kupferrohre durch Kunststoffrohre. Diese seien allerdings genauso teuer wie Kupferrohre, weist IBZ-Mitarbeiter Steffen Blaschke hin.

Zur Jahresmitte wurde es dann erst einmal ruhiger in Sachen Kupferdiebe. Doch bald sollte es weitergehen mit den Diebstählen, und das auch zur Tageszeit. Längst waren die Täter nicht mehr nur an Kupferrohren interessiert. In Werkstätten und Wohnungen wurde eingebrochen, Werkzeuge mitgenommen und ein Auto beschädigt. „Die Diebstähle haben eine neue Qualität erreicht“, sagt IBZ-Direktor Michael Schlitt. Viel Schaden richteten Kupferdiebe unter anderem am ersten Juniwochenende am Kloster an, als sie einen Teil der kupfernen Dacheindeckung mitgehen ließen. Deshalb dachten die Verantwortlichen vor Ort über weitere Maßnahmen nach, um dem Problem „Herr zu werden“. Schnell vom Tisch war jedoch die Idee, die IBZ-Gebäude mit Videokameras auszustatten. Grund: hohe Kosten, viel Aufwand und kaum Nutzen.

Die Polizei setzte den Überfällen die neunköpfige Ermittlungsgruppe „Metall“ aus Bundes- und Landespolizei entgegen. Auch dank deren Arbeit ging die Zahl der Metalldiebstähle im Kreis Görlitz deutlich zurück. Die Polizisten ermittelten unter anderem gegen zwei Banden. Die Verbrecher sollen für den Diebstahl von Metall bei der Deutschen Bahn, auf dem Gelände der Landesgartenschau in Löbau, bei mittelständischen Betrieben zwischen Ebersbach und Zittau sowie für weitere Verbrechen verantwortlich sein. Alle Beschuldigten sind Deutsche.

Zudem haben die Ermittler bereits rund 20 Täter von Einzel-Diebstählen überführt. Die meisten sind Tschechen und Polen, die so ihren Lebensunterhalt bestreiten oder ihre Sucht finanzieren. (SZ)