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Zittau

"Ostritzer kaufen Nazis das Bier weg"

Die Stadt hat am Wochenende europaweit für Schlagzeilen gesorgt. Vor allem eine Aktion fand den Beifall der Medien.

In einer spontanen Aktion haben Ostritzer am Sonnabend das Bier im Supermarkt aufgekauft.
In einer spontanen Aktion haben Ostritzer am Sonnabend das Bier im Supermarkt aufgekauft. © Foto: dpa/Daniel Schäfer

"Ostritzer kaufen Nazis das Bier weg" - Das ist DIE Schlagzeile des vergangenen Wochenendes in den sozialen Netzwerken und den Medien. Wegen des rechtsextremen Schild-und Schwert-Festivals stand die Stadt erneut im Fokus eines riesengroßen Medieninteresses. Aber auch diesmal ist es den Ostritzern gelungen, den Spieß umzudrehen, freut sich Markus Kremser von der Friedensfest-Initiative. Denn auch diesmal stand nicht das Nazi-Festival im Mittelpunkt der bundes- und europaweiten Berichterstattung, sondern die Gegenwehr der Ostritzer Bürgerschaft.

Und die gipfelte am Sonnabendnachmittag in einer ganz besonderen Aktion: Im  „Bierkauf von Ostritz“. In einer koordinierten Aktion hatten Ostritzer zusammen mit Mitarbeitern des Internationalen Begegnungszentrums (IBZ) St. Marienthal fast sämtliche Biervorräte im örtlichen Pennymarkt, dem einzigen Supermarkt in der Stadt, aufgekauft. "Wir wollten die Rechtsextremisten ärgern", sagt IBZ-Geschäftsführer Michael Schlitt. Der Penny-Markt war für die Teilnehmer des SS-Festivals die einzige Möglichkeit der Alkoholversorgung in größeren Mengen. Denn für die als Versammlung angemeldete Veranstaltung hatten die Behörden auf dem Gelände des Hotels Neißeblick ein Alkoholverbot verhängt, das die Polizei auch vehement durchsetzte.

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Bei Spiegel Online holte mit dem entsprechenden Artikel “Bürger kaufen Biervorräte auf – aus Protest gegen Neonazis” sagenhafte 97.000 Interaktionen – so viele wie kein anderer deutschsprachiger journalistischer Artikel der jüngsten 14 Tage, sagt Markus Kremser. Auch die Frankfurter Allgemeine und Bild hatten das Thema aufgegriffen, dazu Medien in Italien, Spanien, England und Frankreich. Die Reaktionen seien durchweg positiv gewesen, so Kremser, mit Kommentaren wie “Ziviler Ungehorsam in seiner schönsten Form! Prost und Danke!”

Dass der Penny-Markt zwischenzeitlich Bier nachgeordert hätte, wurde am Montag von einer Sprecherin der Rewe-Gruppe dementiert: Marktindividuelle Bestellungen von Getränken seien nicht innerhalb eines laufenden Tages möglich.

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Am Montagabend wollen die Beteiligten der Friedensfest-Initiative ein Resümee des Wochenendes ziehen und das weitere Vorgehen beraten. Ihre Ideen werden auch weiterhin gebraucht. Das Hotelgelände an der Neiße ist jeweils für ein Wochenende im Oktober und im November schon wieder fest angemietet.

Sächsische.de hat das Wochenende in Ostritz in einem Video-Clip zusammengefasst:

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