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Ostsächsische Sparkasse als Geldgeber im Westen gefragt

Eine Milliarde Euro für die LBBW in Stuttgart

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Von Ulrich Wolf

Dresden. Die Spareinlagen der Ostsächsischen Sparkasse Dresden (OSD) sind im vorigen Jahr auf ein Rekordniveau gestiegen: 8,3 Milliarden Euro haben die Kunden bei der größten ostdeutschen Sparkasse angelegt. OSD-Chef Joachim Hoof: „Dieser Zuwachs ist ein Ausdruck des hohen Vertrauens.“

Dennoch ist diese Sparsumme von rund 600000 Kunden ein Problem. Normalerweise werden mit den Einlagen in ähnlicher Höhe Kredite finanziert. Die Differenz zwischen Spar- und Kreditzinsen bleibt dem Finanzinstitut als Überschuss. Im Falle der OSD beträgt das Kreditvolumen jedoch nur 2,8 Milliarden Euro. „Damit“, sagte Hoof gestern bei der Vorlage der Jahresbilanz in Dresden, „sind wir zwar der wichtigste Kreditgeber der Region. Doch es könnte mehr sein.“

Könnte. Nach Hoofs Beobachtung halten sich vor allem Firmenkunden zurück. „Sie investieren kaum, weil sie nicht einschätzen können, wie sich ihre Auftragslage entwickelt.“ Zudem stellte er eine „hohe Tilgungsfähigkeit“ fest.

Die OSD schwimmt im Geld ihrer Sparer, muss dafür jedoch die Zinsen erwirtschaften. Also fließen die Einlagen dorthin, wo Geld benötigt wird – zum Beispiel an angeschlagene Banken. Allein die Landesbank Baden-Württemberg, die 2008 ein Minus von 2,1 Milliarden Euro machte, erhielt Hoof zufolge eine Art Interbankenkredit von „einer guten Milliarde Euro“ – abgesichert durch das Land Baden-Württemberg. Insgesamt hat die OSD 3,6Milliarden Euro an andere Geldhäuser verliehen. Hoof: „Wir sind ein sehr begehrter Partner anderer Institute mit Refinanzierungsbedarf.“

Zudem hält die Sparkasse diverse öffentliche Schuldtitel wie Bundesanleihen und Pfandbriefe im Wert von 2,25 Milliarden Euro in ihrem Bestand. In Aktien, Fonds und anderen nicht festverzinslichen Wertpapieren schlummern 1,27 Milliarden Euro. Hoof zufolge beträgt das „theoretische Ausfallvolumen“ all dieser Anlagen 1,2 Millionen Euro.

Für dieses Jahr erwartet Hoof einen niedrigen Zinsüberschuss und höhere Wertberichtigungen. „Eine seriöse Planung ist derzeit schwierig“, sagte der Chef von 2100 Mitarbeitern. Insbesondere vermögende Kunden schichteten bereits ihr Geld in gute Immobilien um – teils aus Furcht vor einer möglichen Inflation. Hoof: „Es gibt zwar keinen Ansturm, aber der Trend ist da.“

Skeptisch sieht der Vorstandschef die Sparangebote von Banken, die Staatshilfe erhalten haben. „Die dortigen Einlagenzinsen sind subventioniert. Wir aber machen nicht jeden Irrsinn mit und werden keine Kampfkonditionen bieten.“ Auch Sicherheit habe ihren Preis, sagte Hoof. Die Zinsspanne bei der OSD reicht derzeit von 0,5 Prozent beim klassischen Sparbuch bis hinauf zu fünf Prozent im fünften Laufzeitjahr beim „Zuwachssparen“.

Hoof kündigte an, die Sparkasse werde in diesem Jahr 20 Millionen Euro investieren. Das Geld fließe auch in zwei neue Filialen in der Sächsischen Schweiz sowie im Altkreis Kamenz. Die Orte wollte er nicht nennen. Derzeit hat die Sparkasse 105 Filialen.

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