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Ist die Sparkasse auf dem Rückzug?

Seit März bleiben etliche Filialen geschlossen. Viele Kunden fürchten einen Kahlschlag. Die Unternehmensleitung hat eine andere Erklärung.

Die Filiale der Sparkasse in Rabenau ist seit Monaten geschlossen.
Die Filiale der Sparkasse in Rabenau ist seit Monaten geschlossen. © Karl-Ludwig Oberthuer

Der Zettel klebt seit Monaten an der Eingangstür: "Diese Filiale bleibt aus organisatorischen Gründen bis auf Weiteres geschlossen", ist darauf zu lesen. Zum Glück, sagt Gerda Matulin, zum Glück habe man ja noch die Automaten. Geld und Kontoauszüge kann man bei der Sparkasse in Freital-Zauckerode also noch bekommen. "Aber mancher braucht auch mal einen Rat am Schalter oder möchte eine Überweisung loswerden. Und für solche Kleinigkeiten, die ja immer wieder anfallen, müssen wir jetzt nach Potschappel oder nach Pesterwitz fahren", klagt die Rentnerin.

Was Gerda Matulin so ärgert, ist der Umstand, dass die Sparkassen-Filiale in Freital-Zauckerode seit Mitte März geschlossen ist. Und nicht nur dort. Auch in Kesselsdorf, Rabenau, Höckendorf, Lauenstein und Possendorf sind die Zweigstellen der Ostsächsischen Sparkasse dicht. 

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Der Grund für die Schließung lag zunächst in der Corona-Pandemie. "Die temporäre Schließung von Filialen für den Publikumsverkehr war notwendig, um die Aufrechterhaltung des Geschäftsbetriebs während der akuten Pandemiezeit zu gewährleisten", erklärt Unternehmenssprecher Andreas Rieger. Doch als ab Mitte Mai die meisten Niederlassungen wieder in Betrieb gingen, blieben andere zu. 

Getrennte Teams wegen Pandemie

Die Sparkasse begründet ihr Vorgehen mit der nach wie vor andauernden Pandemie. Rieger: "Auch weiterhin setzt die Sparkasse auf Ressourcenverteilung im anhaltenden Kampf gegen das Coronavirus. Aktuelle Geschehnisse zeigen, wie schnell sich das Virus wieder ausbreiten kann." Deshalb müssten die Teams weiterhin getrennt arbeiten, seien Dienstpläne geändert und würden Filialen in Reserve gehalten. Zudem müsse man auch die allgemeinen Hygienebestimmungen umsetzen. Mit anderen Worten: Würden alle Filialen mit normaler Auslastung betrieben werden, könnte es zu einem Chaos kommen, wenn das Virus zuschlägt. 

Eine Entwicklung spielt der Sparkasse dabei durchaus in die Hände: das Online-Banking. Viele Kunden – quer durch jede Altersschicht – hätten die Coronakrise genutzt, um das Angebot noch stärker in Anspruch zu nehmen, erklärt der Pressesprecher. "Hier verzeichnen wir einen deutlichen Anstieg an Kundenanfragen, sowohl per Telefon, Chat als auch per E-Mail." Um all diese Anfragen schnellstmöglich bearbeiten zu können, wurden die Teams verstärkt – auch mit Mitarbeitern, die sonst in Filialen arbeiten. 

Hohe Gebühren, weniger Service

Es trifft nun vor allem die ältere Kundschaft. Menschen, die nicht mit dem Onlinebanking vertraut sind, keinen Computer haben und auch nicht mehr so mobil sind, dass sie der Weg zur übernächsten Filiale nicht stört. Nun müssen sie weitere Wege auf sich nehmen, unter Umständen auch mit dem Bus fahren, was zusätzlich Fahrgeld kostet. 

"Das kann doch alles nicht sein", sagt Peter Heinzmann. Er sitzt für die Linken im Freitaler Stadtrat und kritisiert, dass die Sparkasse ihr Netz so nach und nach ausdünnt und nun selbst bevölkerungsstarke Stadtteile wie Freital-Zauckerode betroffen sind. "Viele sind bewusst bei der Sparkasse Kunde geblieben, weil sie immer noch eine Filiale in der Nähe hatten. Sie waren und sind auch bereit, dafür die nicht gerade geringen Gebühren in Kauf zu nehmen."

Während die Zauckeroder immerhin noch im Umkreis von drei Kilometern die nächsten beiden Filialen haben, sieht es auf dem Lande ganz düster aus. In Lauenstein, Höckendorf oder Possendorf zum Beispiel. Die CDU im Bannewitzer Gemeinderat will sich für den Erhalt der Possendorfer Filiale stark machen, sagt Roland Auxel: "Vor allem viele ältere Mitbürger fühlen sich bei digitalen Finanzgeschäften und Transaktionen eher unsicher, wissen den persönlichen Service der Sparkasse als langjährige Kunden sehr zu schätzen und sind zum Teil auch darauf angewiesen", begründet er. 

"Wir werden auf die Sparkasse zugehen und wollen herausfinden, ob die Filiale von einer Schließung betroffen ist und welche Möglichkeiten es gibt, elementare Servicebausteine, wie  Überweisungen, sicherzustellen", sagt Auxel. Auch der Bannewitzer Bürgermeister Christoph Fröse (parteilos) stünde nach eigener Aussage mit der Ostsächsischen Sparkasse in Kontakt und hofft auf eine Lösung, mit der die älteren Possendorfer Einwohner zufrieden sein werden.

Ende September soll eine Entscheidung fallen

Seit Monaten ist auch die Sparkassen-Filiale in Kesselsdorf geschlossen. Anfangs zeigten die Kesselsdorfer dafür Verständnis, sagt Ortsvorsteher Dietmar Freund. Doch die Stimmung hat sich geändert. In den letzten Wochen verstärkte sich die Kritik am Vorgehen der Sparkasse. „Vor allem ältere Bürger beschweren sich“, sagt Freund.

Er könne die Kritik nachvollziehen. Denn viele ältere Bürger erledigen ihre Bankgeschäfte nicht online, sondern in der Filiale. Und weil die in Kesselsdorf geschlossen ist, müssen sie mit dem Bus nach Wilsdruff oder Freital fahren. Das wollen viele nicht länger hinnehmen. 

Deshalb haben sich die Kesselsdorfer an Bürgermeister Ralf Rother (CDU) gewandt, der sich für die Öffnung der Filiale starkmachen soll. „Uns würde es schon reichen, wenn diese an einem Tag der Woche für vier oder fünf Stunden öffnen würde“, sagt Freund. Bisher habe er noch keine Rückmeldung von der Sparkasse erhalten. Er habe gehört, dass man dort im Herbst die Lage neu bewerten wolle. „Aber wir haben schon September.“

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