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Ottendorf dimmt das Straßenlicht

Fast 800 Lampen sind mit neuer Technik ausgestattet. Die Gemeinde spart so rund 50 Prozent der Stromkosten.

Von Marleen Hollenbach

Michael Langwald (parteilos) hat es selbst noch gar nicht bemerkt. Zwar sind auch die Lampen vor seinem Haus mit der neuen Dimm-Technik ausgestattet. Doch dass die Straße jetzt in der Nacht ein wenig dunkler ist, fällt selbst Ottendorfs Bürgermeister kaum auf. So soll es auch sein. Das sagen zumindest die Erfinder der Dimm-Technik. Sie schickten jetzt Bernhard Dombrowski, Vertriebsleiter der Elektronik-Systeme GmbH, von Sachsen-Anhalt nach Ottendorf-Okrilla.

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Gemeinsam mit Vertretern der Gemeindeverwaltung weihte er die neue Technik ein. Symbolisch reicht es aus, wenn der Bürgermeister einen Hebel im Schaltkasten betätigt. Praktisch ist das Ganze natürlich aufwendiger. Das weiß auch Peter Renger. Der Ottendorfer hörte in einem Seminar von der Dimm-Technik, brachte die Idee in seinen Heimatort. Anschließend war die ortsansässige Elektro-Funk GmbH damit beschäftigt, 22 Steuergeräte in die vorhandenen Schaltschränke der Gemeinde zu installieren. Diese funktionieren wie ein Trafo, der die Leistung regelt. Bei insgesamt 797 Straßenlampen im Gemeindegebiet kann jetzt spätnachts die Leuchtintensität abgesenkt werden. „Es bleibt aber noch so hell, dass die Sicherheit der Fußgänger gewährleistet ist“, sagt Michael Langwald. Der Bürgermeister hofft, dass die Gemeinde mit dieser Maßnahme wirklich sparen kann. Bisher hat das Projekt nämlich nur Geld gekostet. Rund 106 000 Euro hat Ottendorf in die Technik investiert, wovon gut 70 Prozent durch Fördermittel gedeckt werden konnten.

Die Technik stammt aus Sachsen-Anhalt und wird bundesweit von vielen Kommunen genutzt. So setzen beispielsweise Bautzen und Weißwasser auf die Dimm-Lampen. Die steigenden Strompreise machen nirgends halt. Bislang konnten die Kommunen aber lediglich das Licht ausschalten, um die Kosten zu senken. In Radeberg ist das zum Beispiel so. Hier geht in der Nacht jede zweite Lampe aus. Auch in Ottendorf hat man das getestet. Zehn Jahre lang wurden etliche Lichter im Gewerbepark und im Wohngebiet am Wachberg in der Nacht ausgeschaltet. Mittlerweile aber brennen die Lampen wieder ohne Pause. Das ist gut für die Sicherheit, aber auf Dauer einfach zu teuer. „Eigentlich gibt es das Dimmen schon eine Weile. Aber die Technik war bisher noch nicht ausgereift, die Einsparung zu gering. Das ist jetzt anders“, erklärt Bernhard Dombrowski. Er verspricht, dass die Gemeinde ihren Stromverbrauch mit dieser Technik um 40 Prozent reduzieren kann. In einem Jahr spart Ottendorf-Okrilla so rund 26 700 Euro.

Welche Straßenlaternen ab jetzt gedimmt werden, das weiß Ottendorfs Bauamtsleiter Andreas Jäpel. „Die neue Technik soll vor allem dort zum Tragen kommen, wo bisher der meiste Strom verbraucht wurde“, sagt er. Ausgenommen sind Lampen, die ohnehin aufgrund von Straßenbauprojekten bald erneuert werden müssen. An den Kreisstraßen in Grünberg, aber auch an der Dresdner Straße in Ottendorf ist das der Fall. Wenn hier neue Straßenlampen errichtet werden, dann sollen diese gleich die LED-Technik bekommen. Einige Gemeinderäte hatten deshalb schon daran gedacht, den ganzen Ort mit LED auszurüsten. Das sei aber momentan noch viel zu teuer, sagt Ottendorfs Bürgermeister. Anders als Michael Langwald haben einige Anwohner sehr wohl bereits bemerkt, dass etwas anders ist. „Bei den ersten Dimm-Versuchen haben wir die Leucht intensität um 67 Prozent reduziert. Das mussten wir noch einmal auf 60 Prozent ändern, weil es den Anwohnern zu dunkel war“, sagt Bauamtsleiter Andreas Jäpel.

Die neue Dimm-Technik soll aber erst der Anfang sein. Im vergangenen Jahr wurde die Gemeinde mit dem European Energy Award ausgezeichnet. Das verpflichtet die Kommune jetzt dazu, weitere Projekte in Angriff zu nehmen, die dem Umweltschutz dienen. „Wir sind noch lange nicht fertig“, sagt Langwald. Dann legt er den Hebel am Schaltkasten vorsichtig um.