merken
PLUS Radeberg

Wo die Brote gelb und lila sind

Die Backwaren des Ottendorfer Bäckers Marlon Gnauck sind in der gesamten Region heiß begehrt. Was sie - und den Bäcker - so besonders macht.

Bäckermeister Marlon Gnauck mit den schon bekannten Südländer-, Roggen- und OlivenPaneSera-Brot (v.l.).
Bäckermeister Marlon Gnauck mit den schon bekannten Südländer-, Roggen- und OlivenPaneSera-Brot (v.l.). © Steffen Unger

Ottendorf-Okrilla. Wenn der Ottendorfer Bäcker Marlon Gnauck das Bedürfnis hat, einmal anderen Kollegen seiner Branche über die Schulter zu schauen, beschreitet er gelegentlich unkonventionelle Wege. Anruf genügt. Dann setzt er sich aufs Rad und macht sich auf den Weg, um anderntags in einer fremden Backstube zu stehen. 

So legte er auf einer solchen Back-Tour in diesem Frühjahr rund 300 Kilometer zurück. Er war nach Sachsen-Anhalt, nach Magdeburg, geradelt, um bei einem Bäcker, nun ja, ein wenig zu hospitieren. Bei solchen Aktionen schlägt der 39-Jährige gleich mehrere Fliegen mit einer Klappe. Zum einen reist er umweltschonend, zum anderen bekommt er bei diesen Ausflügen Tipps und Anregungen. Nicht zuletzt sind diese „Ausbrüche aus dem Alltag“, wie er das bezeichnet, auch immer etwas, woraus er neue Kraft und frischen Schwung für seinen beruflichen Alltag schöpfen kann.

Garten
Der Garten ruft
Der Garten ruft

Die Gartenzeit läuft aber nichts geht voran? Tipps, Tricks und Wissenswertes haben wir hier zusammengetragen. Vorbei schauen lohnt sich!

Seit 23 Jahren arbeitet der gebürtige Ottendorfer als Bäcker. Ein anderes Leben, ein anderer Job, nein, das sei für ihn nicht vorstellbar. „Dieses Handwerk liegt mir einfach im Blut“, beschreibt er das. Er hebt sich ab von so manchem seiner Berufskollegen. Mit dem, was er herstellt. Das sind zum einen seine Brotkreationen. Bei ihm gibt es quietschgelbe und lilafarbene Brote. Erstere werden aus Kurkuma hergestellt, letztere haben den Schmetterlingsblütentee, der für dieses lilafarbene Aussehen sorgt, zur Grundlage.

Wie sich so viel Experimentierfreude umsetzen lässt? Nun, so etwas schafft man nur, wenn man den Mut zum Ungewöhnlichen hat und auf Zutaten zurückgreift, die die Natur bietet. Für den 39-Jährigen ist das tägliche Brot eine Art Luxus, den man sich jeden Tag gönnen sollte. So gibt es bei ihm schwarzes Baguette mit süßen Cranberrys. Oder afrikanisches Baguette mit Datteln und Hagebutten. Kurkuma und Mandeln sorgen für die so augenfälligen gelben Brote.

Vor mehr als zehn Jahren stellte er die komplette Rezeptur um. „Ich wollte einfach nicht mehr mit Backmischungen arbeiten, in denen die Zutaten aus Lebensmittelzusatzstoffen bestehen.“ Folglich stand er oft bis zu 16 Stunden in der Backstube, um zu experimentieren. Backmischungen sind bei ihm seither out, der Kundschaft wird viel Gesundheit geboten.

Zum Backen lässt sich der Ottendorfer vor allem viel Zeit. Eine „unserer Hauptzutaten“, wie er das beschreibt. Fürs Brot, überhaupt für alle Backwaren, müsse man sich genügend davon nehmen. Die Kundschaft schmeckt es. Einblicke in sein Bäckerdasein respektive wie er seine Erzeugnisse produziert, kann man bei seinen Backseminaren bekommen.

Seine raffinierten Backwerke, sein besonderer Kundenservice haben sich mittlerweile in der Region herumgesprochen. Kein Wunder, dass die Gnaucksche Bäckerei, die es seit 1919 gibt, im vergangenen Jahr bei einer Umfrage des österreichischen Wein- und Gourmetmagazins Falstaff zu den drei beliebtesten Bäckereien Sachsens gekürt wurde. Der vor allem im Dresdner Raum so geschätzte Bäcker wird von Menschen aufgesucht, die, wie er stolz erklärt, mitunter bis zu 40 Kilometer zurücklegen, um bei ihm einzukaufen.

Der Besuch in der Bäckerei Gnauck ist häufig, das könne man schon sagen, zumeist einer mit Aha-Effekt. So gibt es regelmäßig bei ihm Brote zu kaufen, „die man einfach nicht erwartet“, wie er es beschreibt. Man kann bei ihm Chili-non-Carne-Brot bekommen oder Lebkuchen- und Stollenbrot. Auch hat er Sauerkraut-Baconbrot im umfangreichen Sortiment. Alles Herausforderungen für den Gaumen seiner Kunden. Zu vielen pflegt er mittlerweile einen guten Kontakt, mit etlichen ist er seit Jahren befreundet.

Doch die Bäckerei in Ottendorf-Okrilla ist nicht nur wegen der exotischen Brotkreationen in der Region bekannt. Gnauck wurde auch mit dem Sächsischen Umweltpreis in der Kategorie „Umweltfreundliche Produkte und Dienstleistungen“ ausgezeichnet. Weil er mit einer Bäckerei aus dem Gödaer Ortsteil Spittwitz für die Herstellung von Brotsorten auf zwei längst vergessene Getreidesorten – das sind der „Jägers norddeutscher Champagnerroggen“ sowie der „Pommersche Dickkopfweizen“ – umgestiegen ist.

Und was isst Bäcker Marlon Gnauck am liebsten selbst zum Frühstück? Roggen pur, sagt er. Das Waldstaudenroggenbrot schätzt er über alle Maßen. „Ist herrlich gesund“, findet er. Seinen nächsten Fortbildungs-Ausflug hat er fürs nächste Frühjahr geplant. Er will nach Norddeutschland fahren, um zu sehen, welche Backtraditionen in dieser Region gepflegt werden. Gut möglich, dass er sich dafür wieder aufs Rad setzt.

Mehr Nachrichten aus Radeberg und dem Rödertal lesen Sie hier.

Mehr Nachrichten aus Dresden lesen Sie hier.

Mehr zum Thema Radeberg