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Der Reiz des verbotenen Badevergnügens

Auch in diesem Sommer ziehen die Baggerseen des Ottendorfer Kieswerkes zahlreiche Menschen an - unerlaubt. Doch der Badespaß soll ein Ende haben.

Ein Strand in der Karibik? Nein, eine Kiesgrube in Ottendorf. Die wird gerne zum Baden genutzt. Das ist jedoch verboten. Und nicht ungefährlich.
Ein Strand in der Karibik? Nein, eine Kiesgrube in Ottendorf. Die wird gerne zum Baden genutzt. Das ist jedoch verboten. Und nicht ungefährlich. © Marion Doering

Ottendorf-Okrilla. Am Freitag soll es in Sachsen heiß werden, brütend-heiß. Wetterexperten vermuten, dass die Temperaturen in der Lausitz sogar fast die 40-Grad-Marke erreichen werden. „Da dürften dann sicher wieder viele Menschen in unseren Baggerseen Abkühlung suchen“, steht für Thomas Gruschka fest.

Gruschka ist Geschäftsführer des Kieswerks in Ottendorf-Okrilla und er betont, dass in den Baggerseen des Unternehmens das Baden nach wie vor nicht erlaubt sei. „Das ist strengstens verboten“, erklärt er. Das sei ja auch weithin bekannt. Eigentlich. Denn zumeist wird es ignoriert.

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In jedem Sommer, und die waren ja in den beiden vergangenen Jahren besonders heiß und trocken, sind die an der Peripherie von Ottendorf gelegenen Baggerseen ein Hotspot für Badelustige aus der gesamten Region. Vor allem aus dem Dresdner Raum zieht es etliche dort hin. An manchen Tagen sind es bis zu tausend Menschen, die sich an den Baggerseen tummeln.

Auch an Wochentagen pilgern bei heißem Wetter viele zur Kiesgrube
Auch an Wochentagen pilgern bei heißem Wetter viele zur Kiesgrube © Marion Doering

Einer, der in diesen Wochen dort häufig anzutreffen ist, ist der 27-jährige Klaus aus der Dresdner Neustadt. Man trifft ihn an diesem Tag auf der Kieswerkstraße, auf dem Weg zu den Baggerseen. Zumeist an den Wochenenden fahre er nach Ottendorf, hier treffe er sich mit Freunden. Warum ausgerechnet in diesen Baggerseen? „Weil sich das hier für mich wie Urlaub anfühlt“, erklärt er. Das kristallklare Wasser lade zum Baden ein, und überhaupt, in diesen Coronazeiten sei der Aufenthalt in diesem weitläufigen Areal des Kieswerkes doch geradezu „optimal“, wie er findet. Da könne man den Mindestabstand „ganz locker einhalten“.

Das schöne blaue Wasser und die Weite des "Sees" schätzen Schwimmer an der Kiesgrube in Ottendorf.
Das schöne blaue Wasser und die Weite des "Sees" schätzen Schwimmer an der Kiesgrube in Ottendorf. © Marion Doering

Auch wenn die Baggerseen in den heißen Sommertagen vermeintliches Urlaubsfeeling verströmten, so der Geschäftsführer des Kieswerkes weiter, so wolle er auch darauf hinweisen, dass das Baden in den tiefen Baggerseen überaus gefährlich sei. Davor warnen die Verantwortlichen des Werkes und die Behörden ebenfalls in jedem Jahr. Tote hat es dort bereits gegeben, zuletzt war vor drei Jahren ein älterer Mann ertrunken. Tragische Badeunfälle, die auch zeigen, wie unbelehrbar die Menschen sind. Verbotsschilder weisen auf die Gefährlichkeit des Badens hin.

Doch die Wirkung dieser Schilder ist, um es mal vorsichtig zu beschreiben, nicht gerade von besonderer Nachhaltigkeit. Anders ausgedrückt: Es beeindruckt niemanden. Auch nicht das Parkverbot auf der Kieswerkstraße. Dort wird nach wie vor munter geparkt.

Auch Schilder halten die Badewilligen nicht ab.
Auch Schilder halten die Badewilligen nicht ab. © Marion Doering

Sicherheitsdienst im Einsatz

Gruschka erzählt, dass man die Maßnahmen, das Badeverbot durchzusetzen, in diesem Sommer noch einmal erheblich verstärkt habe. Man habe nun einen Sicherheitsdienst im Einsatz, bekomme Unterstützung von den Königsbrücker Behörden und die Polizei kontrolliere häufiger als sonst. 

Dabei wirkt die Landschaft rings um die Baggerseen alles andere als einladend. Es gibt keine schattigen Plätze, überall sind Sandhügel, Maschinen, Förderbänder. Und dennoch zieht es alljährlich zahlreiche Menschen im Sommer an diesen Ort. Seit mehreren Generationen ist das schon so. Der Wunsch, sich in dem kristallklaren Wasser abzukühlen, er ist offensichtlich über die Jahre für viele zu einer Art Gewohnheitsrecht geworden. Verbotsschilder werden ignoriert, an den Wochenenden im Hochsommer häufen sich die verbalen Auseinandersetzungen mit dem kontrollierenden Wachschutzpersonal.

Aus dieser Perspektive wird ersichtlich: Der Baggersee ist Teil des Kiesabbaus in Ottendorf - die Maschinen dafür sind gleich nebenan.
Aus dieser Perspektive wird ersichtlich: Der Baggersee ist Teil des Kiesabbaus in Ottendorf - die Maschinen dafür sind gleich nebenan. © Marion Doering

Baggerseen wie die des Ottendorfer Kieswerks üben vor allem auf geübte Schwimmer eine große Faszination aus. Was mit den Ausmaßen der Seen zusammenhängt. Ein Rentner aus Königsbrück erzählt, dass er hier „irre viel Platz zum Kraulen“ habe. Hier könne man an die 200 Meter in einem der Seen schwimmen. Reizvoll sei das. Und ja, kostenlos sei das Badevergnügen in den Ottendorfer Baggerseen ebenfalls, so der vital aussehende Mann. Das sei auch nicht zu verachten.

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An diesem Wochenende werden rings um die Baggerseen mehr Sicherheitskräfte als sonst im Einsatz sein, verspricht Geschäftsführer Thomas Gruschka. Und auch die Polizei werde häufiger vor Ort sein. Da dürfte der vermeintliche Badespaß für viele der dort unerlaubt Badenden sicher ein unangenehmes Ende finden – und möglicherweise auch mit Kosten verbunden sein.

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