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Ottendorfer lehnen Ortsumfahrung ab

Der Ortschaftsrat von Ottendorf-Okrilla ist gegen das Millionenprojekt. Es bringe keine Vorteile. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

Die B 97 in Ottendorf ist eine viel befahrene Straße. Eine Ortsumgehung soll Entlastung bringen. Der Ortschaftsrat sieht jedoch keine Vorteile.
Die B 97 in Ottendorf ist eine viel befahrene Straße. Eine Ortsumgehung soll Entlastung bringen. Der Ortschaftsrat sieht jedoch keine Vorteile. © Archivfoto: Thorsten Eckert

Ottendorf-Okrilla. Ottendorf soll eine Ortsumgehung bekommen. Zwei Varianten stehen zur Diskussion, eine führt westlich, die andere östlich um den Ort herum. Eine Voruntersuchung hat bereits stattgefunden. Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr (Lasuv) sieht leichte Vorteile für die Ostumfahrung. Jetzt meldet sich der Ortschaftsrat von Ottendorf zu Wort. Die Stellungnahme ist ein Paukenschlag und dürfte für viel Diskussion sorgen: Die Ortschaftsräte lehnen das Projekt ab. Es soll weder eine Ost- noch eine Westumfahrung noch eine andere Trasse geben. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Thema:

© SZ Grafik

Weshalb stemmt sich der Ortschaftsrat gegen das Projekt?

Nach Einschätzung von Ortsvorsteherin Andrea Ohm bringt die neue Straße keinerlei Vorteile für Ottendorf. „Weder bei der Trasse östlich um Ottendorf, noch bei dem westlichen Verlauf werden Hauptziele der Straßenplanung erreicht“, sagt sie. Es werde weder eine Entlastung des Ortes vom Straßenverkehr geben, noch verringert sich die Fahrzeit zwischen Dresden und Hoyerswerda. „Für diesen Standpunkt haben wir breite Unterstützung von Anwohnern bekommen. Unsere jüngste Sitzung, bei der das Thema behandelt wurde, war sehr gut besucht. Der Zuspruch für unsere Argumente war groß“, sagt die Ortsvorsteherin.

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Weshalb sieht der Ortschaftsrat keine Entlastung vom Straßenverkehr?

Für die Ottendorfer ist es das zentrale Ziel: Der Ort soll vom starken Straßenverkehr befreit werden. „Das gelingt mit diesen beiden vorgeschlagenen Varianten nicht“, sagt Andrea Ohm. „In einigen Teilen von Ottendorf-Okrilla würde der Verkehr sogar noch zunehmen. Durch die geplante Verlegung der Autobahnausfahrt Hermsdorf in Richtung Weixdorf verlängert sich der Fahrweg für Ottendorfer zur A 4. Sie sind also länger im Ort mit dem Auto unterwegs, beispielsweise auf der Radeburger Straße.“ 

Besonders Hermsdorf würde unter neuen Verkehrsströmen leiden. „Viele Autofahrer werden durch den Ortsteil auf die neue Autobahnauffahrt fahren.“ Das gelte auch für den Schwerverkehr ins Gewerbegebiet Ottendorf-Okrilla. „Aus unserer Sicht ist es unverständlich, weshalb das kleine Gewerbegebiet am Promigberg in Weixdorf damit einen Autobahnanschluss bekommt, dem großen Industriegebiet Ottendorf die nahe Autobahnzufahrt aber weggenommen wird.“ Ein Unfallschwerpunkt ist die zugegeben enge A4-Zufahrt in Hermsdorf schon lange nicht mehr, so die Ortschefin.

Warum verkürzt sich die Fahrtzeit für den Fernverkehr angeblich kaum?

Das Argument, Autofahrer kommen schneller von Dresden nach Königsbrück und weiter nach Hoyerswerda, lässt Andrea Ohm nicht gelten. „Wir haben das überprüft. Wer von Hoyerswerda nach Dresden will, benötigt über die B 97 jetzt 1,03 Stunden. Die gleiche Zeit wird gebraucht, wenn man über die gut ausgebaute S 94 und die Autobahn fährt. Das ist zwar weiter, aber genauso schnell.“ Über diese Strecke könnte auch der Fernverkehr mit einem entsprechenden Leitsystem geführt werden, dann ist er auch aus Ottendorf heraus, argumentiert die Ortsvorsteherin. „Dafür brauchen wir keinen teuren Straßenneubau, der zudem noch durch Naturschutzgebiete führen würde.

Wie geht es mit dem Projekt jetzt weiter?

Der Ortschaftsrat will sich weiter für einen Planungsstopp einsetzen. „Wir werden um Gespräche beim sächsischen Wirtschaftsministerium und auch beim Ministerpräsidenten Michael Kretschmer bitten. Unsere Argumente sind stichhaltig. Wir hoffen auch, dort die Verantwortlichen zu überzeugen.“ 

Das Projekt befindet sich insgesamt noch in einer sehr frühen Phase der Planung. Derzeit sind Behörden, Ämter, Energieversorger und andere Firmen aufgerufen, ihre Stellungnahmen abzugeben. Voraussichtlich im Herbst können auch alle Bürger ihre Hinweise und Bedenken einreichen. Bis das Planungsverfahren abgeschlossen ist, dürften schätzungsweise zehn Jahre vergehen.

Wie lauten die Pläne des Straßenamtes?

Das Lasuv schlägt derzeit zwei Varianten vor: Die westlich von Ottendorf verlaufende Trasse beginnt nördlich von Ottendorf-Okrilla an der jetzigen B 97, in der Nähe der Brücke über das Anschlussgleis des Kieswerkes Ottendorf. Von dort geht es an der Kiesgrube vorbei und in einem weiten Bogen um Ottendorf herum. Dann führt die Trasse zwischen Medingen und Cunnersdorf zur Autobahn. In der Nähe des Gewerbegebietes Weixdorf wird sie an die Autobahn münden. Es soll eine neue Anschlussstelle entstehen. Die Auffahrt Hermsdorf entfällt künftig.

Zweite Variante ist eine Umfahrung auf der östlichen Seite Ottendorfs. Sie beginnt etwa am gleichen Punkt wie die Westumfahrung. Dann verläuft sie zunächst westlich der jetzigen B 97 und quert später die bestehende Bundesstraße. Dann führt sie über Felder in östlicher Richtung um Ottendorf-Okrilla herum. Am neuen Kreisverkehr trifft sie auf die bestehende S 177. Das besondere bei dieser Variante ist, dass auch hier die Anschlussstelle Hermsdorf in die Nähe des Gewerbegebietes „Am Promigberg“ in Weixdorf verlegt und eine Verbindung zur bestehenden S 59 ins Dresdner Stadtzentrum hergestellt wird. 

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Autofahrer aus Richtung Dresden, die künftig weiter nach Königsbrück wollen, müssten hier auf die A 4 auffahren, an der Anschlussstelle Ottendorf-Okrilla wieder runter und dann den Weg über die neue Umgehungsstraße nehmen. Die Ostvariante ist mit 43 Millionen Euro günstiger als die Westvariante mit 55 Millionen Euro. Nachteilig bei der Ostvariante: Die Fahrtzeit ist auf der Strecke länger als bei der Westvariante.

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