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Oybiner wünschen sich eine Arztpraxis

Forscher haben das Leben von Senioren in der Gebirgsgemeinde untersucht. Das brachte schon erste Verbesserungen.

Von Jürgen Zacharias

Welche Folgen die wachsende Zahl älterer Bürger in Oybin auf die Lebensqualität der Älteren hat, erforschen seit einiger Zeit die Sozialwissenschaftlerinnen Peggy Lippstreu und Stephanie Huhn. Sie gehören zur Projektgruppe „MitgestALTER“ an der Evangelischen Hochschule für Soziale Arbeit in Dresden und sind verantwortlich für den Forschungsaußenstandort Oybin.

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Die Sozialwissenschaftlerinnen suchten zunächst nach Mitwirkenden für die örtliche Arbeitsgruppe „MitgestALTER“ und fanden auf Anhieb rund ein Dutzend Senioren in Oybin und den Ortsteilen Lückendorf und Hain. Erste gemeinsame Aktion war die Erstellung von Fragebögen, mit denen der gegenwärtige Zustand des Lebens für Senioren in der Gemeinde erforscht werden sollte. Dabei ging es um Fragen wie Nahverkehrs- und Einkaufssituationen über ärztliche Versorgung bis kulturelle Angebote. Im Schnitt antworteten 70 von 100 Senioren auf die gestellten Fragen. Die Ergebnisse zeichnen ein differenziertes Bild: Die Einkaufssituation in Oybin wird als ausreichend angesehen, in den Ortsteilen nicht. Das Nahverkehrsangebot (Busverkehr) ist ausreichend, nur in den Schulferien nicht. Da werden die Verbindungen halbiert. 90 Prozent aller Oybiner und Lückendorfer wünschen sich eine Arztpraxis im Ort. 60 Prozent der Oybiner und 40 Prozent aller Lückendorfer Befragten wünschen sich mehr „gemütliches Beisammensein“. Ein hohes Interesse besteht in allen Ortsteilen der Gemeinde an Fachberatungen und Hilfestellungen. Da Oybin Erholungsort ist und von älteren Gästen geschätzt wird, soll besonders im touristischen Bereich auf die Belange der älter werdenden Menschen eingegangen werden.

Anhand der Ergebnisse der Fragebögen haben der Sozialverband VdK und die Arbeitsgruppe „MitgestALTER“ dann 14-tägige Angebote erstellt: In der ersten Monatshälfte gibt es jeweils Spielenachmittage, in der zweiten Monatshälfte stehen Vorträge auf dem Plan. Dabei wechseln die Vortragsorte zwischen Oybin und Lückendorf.

Ein weiteres Beispiel, dass die Umfrage zu konkreten Verbesserungen führte, zeigt sich auf touristischem Gebiet. Mitglieder der Arbeitsgruppe „MitgestALTER“ wanderten tagelang Wege (auch tauglich für behinderte Senioren) ab und erstellten danach eine Wanderkarte für Ältere im Oybiner Bereich. Die Finanzierung solcher Projekte war übrigens kaum ein Problem. Denn die Arbeitsgruppe „MitgestALTER“ der Evangelischen Hochschule Dresden hatte zwischenzeitlich einen deutschlandweiten Wettbewerb zum Thema und damit einen Preis in Höhe von 10 000 Euro gewonnen. Aus diesem Preisgeld wurde auch die Oybiner Wanderkarte für Senioren finanziert. Sie liegt nun in der Oybiner Touristinformation in tschechischer, polnischer und deutscher Sprache aus.

Bei ihren Untersuchungen haben die Mitglieder der Arbeitsgruppe „MitgestAlter“ übrigens auch Tschechien und Polen im Blick. Im Oktober 2013 gab es eine „Drei-Länder-Dialogtour“ nach Bogatynia, Hradek n. N. und Krompach. Bei Gesprächen dort wurde eine weitere Idee geboren: ein Tag der Begegnung. Wechselseitig wollen sich die Senioren der tschechischen, polnischen und deutschen Gemeinden in einem ihrer Orte treffen. Den ersten „Tag der Begegnung“ gibt es am 24. Juni in Oybin. Auf dem Programm stehen unter anderem ein Spaziergang durch Oybin, eine Fahrt mit dem „Boahnl“ auf den Oybin und ein Grillnachmittag an der „Kamm-Baude“. Interessierte Bürger sind dazu herzlich eingeladen.