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Politik

Papst gegen Papst

Benedikt XVI wollte zurückgezogen im Vatikan leben. Doch seine Wortmeldungen erregen Aufsehen. Jetzt stellt er sich bei einem besonders heiklen Thema gegen Franziskus.

Der aktuelle Papst Franziskus (l) und sein Vorgänger, der emeritierte Papst Benedikt XVI, unterhalten sich im Kloster "Mater Ecclesiae". Bei Thema Zölibat sind die beiden allerdings gegenteiliger Meinung.
Der aktuelle Papst Franziskus (l) und sein Vorgänger, der emeritierte Papst Benedikt XVI, unterhalten sich im Kloster "Mater Ecclesiae". Bei Thema Zölibat sind die beiden allerdings gegenteiliger Meinung. © -/Vatican Media/dpa

Von Almut Siefert, Rom

Der frühere Papst Benedikt hat sich mal wieder aus seinem Ruhestand im Vatikan zu Wort gemeldet, diesmal zu einem der heikelsten Themen in der katholischen Kirche. Aktuell fährt der deutsche Ex-Papst seinem Nachfolger Papst Franziskus in der Debatte um den Zölibat gerade gehörig in die Parade. Dabei hatte Benedikt versprochen, nach seiner Abdankung "für die Welt verborgen" zu leben.

Während diese Welt darauf wartet, wie Franziskus die Empfehlungen der Amazonas-Synode zum Zölibat aus dem letzten Herbst umzusetzen gedenkt, wird an diesem Mittwoch ein Buch des 92-Jährigen veröffentlicht. Gemeinsam mit dem erzkonservativen Kardinal Robert Sarah tritt Benedikt darin vehement gegen eine Lockerung des priesterlichen Eheverbots ein und stellt sich damit gegen die Forderungen der Synode. 

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Im gemeinsam verfassten Schlussteil warnen die beiden Autoren die Bischöfe, Priester und Laien davor, sich von "irregeleiteten Einwänden, theatralischem Gehabe, diabolischen Lügen und im Trend liegenden Fehlern" einschüchtern zu lassen. Die Synode selbst bezeichnen sie als "sonderbare Mediensynode", die die "wirkliche Synode" überlagert habe. 

Gegenposition in Buchform

Ende Oktober hatten rund 200 Bischöfe aus aller Welt und Fachleute aus Südamerika in ihrem Schlussdokument vorgeschlagen, dass ältere, im Leben bewährte Männer - so genannte Viri Probati - im Einzelfall zu Priestern geweiht werden können. Auch wenn sie verheiratet sind. Das nicht bindende Dokument gilt als Empfehlung für Papst Franziskus, dessen Schreiben zur Synode noch immer mit Spannung erwartet wird.

Aus dem Buch mit dem Titel "des profondeurs de nos coeurs" (Aus der Tiefe unseres Herzens), das am Mittwoch in Frankreich veröffentlicht wird, hat die Zeitung "Le Figaro" in Zusammenarbeit mit der italienischen "La Repubblica" am Montag bereits zitiert. Auch wenn der aus Guinea stammende Kardinal Sarah und der emeritierte Papst Benedikt betonen, sich als - so zitiert es "la Repubblica" - "Bischöfe im Gehorsam von Papst Franziskus" zu betrachten, ist das Werk wohl eine eindeutige Gegenposition zu der des aktuellen Papstes. Auch wenn Benedikt XVI. der eindeutig bekanntere der beiden Autoren ist, dürfte die Hauptarbeit an dem 175 Seiten umfassenden Buch wohl bei Kardinal Sarahs gelegen haben.

Nichts mit versprochener Zurückhaltung

Ein Team des Bayerischen Rundfunks hatte Benedikt vor kurzem im Vatikan besuchen dürfen. In der Dokumentation über den deutschen Papst ist ein körperlich sehr schwacher Mann zu sehen - aber, so betont es sein Sekretär Erzbischof Georg Gänswein, der Geist sei noch scharf. Aus Briefwechseln und Gesprächen zwischen Benedikt und Sarah soll nun das Buch zum Zölibat entstanden sein. Sarah hat sich schon oft als Wortführer der konservativen Opposition gegen den Kurs von Papst Franziskus hervorgetan. Dennoch wird das Buch bereits als Versuch der Einflussnahme Benedikts auf das Pontifikat des Nachfolgers gesehen.

Mit dem Werk zum Zölibat bricht der emeritierte Papst zwar nicht zum ersten Mal, doch aber auf eine nie da gewesene Art und Weise sein Versprechen, das er bei seinem Rücktritt vor fast sieben Jahren gegeben hat. Er werde künftig "für die Welt verborgen" bleiben und dem neuen Papst gehorsam sein, hatte Benedikt im Frühjahr 2013 verkündet. 

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Erst 2019 hatte sich Benedikt in einem Aufsatz in die Aufarbeitung der Missbrauchsfälle eingemischt und den sexuellen Missbrauch durch katholische Geistliche auf die sexuelle Revolution der 1960er Jahre zurückgeführt. Der Einlassung Benedikts war aber damals ein Schreiben des Papstes vorausgegangen. Gut möglich, dass sich über die Frage des Zölibats also doch noch ein öffentlicher Paradigmenstreit der beiden Päpste entspinnt - Ausgang ungewiss.