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Paintballhalle vor ungewisser Zukunft

Die ehemalige Industriehalle an der Wilthener Straße in Bautzen ist übersät von den Spritzern der Farbkugeln. Wo normalerweise Paintballspieler mit Gesichtsmasken und fester Kleidung von Deckung zu Deckung...

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Von Heiko Engel

Die ehemalige Industriehalle an der Wilthener Straße in Bautzen ist übersät von den Spritzern der Farbkugeln. Wo normalerweise Paintballspieler mit Gesichtsmasken und fester Kleidung von Deckung zu Deckung hasten, um nicht von Farbkugeln getroffen zu werden, schauen sich gerade Bautzener Berufschüler in T-Shirts um. „Wir kommen wahrscheinlich nächste Woche her“, sagt einer der Jungs. Sie hätten noch nie Paintball gespielt, wollten es ausprobieren.

Betreiber Torsten Schönfeld eröffnete vor sieben Jahren die Paintballhalle. „Jedes Jahr kommen Tausende von Leuten.“ Jugendliche, Angestellte, Ingenieure, Polizisten – er habe Besucher aus ganz unterschiedlichen Berufsgruppen. Besonders gut läuft das Geschäft in der Weihnachtszeit. „Da bin ich oft überbucht“, sagt der Wilthener. Im Sommer ist weniger los. „Viele Leute sind dann lieber draußen.“ Jetzt bangt Schönfeld um die Existenz seiner Halle. Denn die Bundesregierung will als Konsequenz aus dem Amoklauf von Winnenden die Waffengesetze verschärfen und auch Paintball verbieten. Für Schönfeld unverständlich. „Der Amokläufer hat nie Paintball gespielt.“ Er wundert sich, warum ausgerechnet Paintball verboten werden soll. Bei Boxen und Fechten geschehe ja auch nichts, obwohl es Schlägereien und Messerstechereien gebe.

Der Bautzener Steffen Lalurny hofft auf eine Richtungsänderung im Gesetzesverfahren. Lalurny trainiert die Paintballmannschaft „Sachsen Bastards“, der 43 Spieler aus Bautzen und Leipzig angehören. Einmal im Monat sind sie auf Paintballturnieren unterwegs. Lalurny organisiert Training, Fahrten, Anmeldungen. Paintball sei zu einer Massensportart geworden. Es gehe um Zusammenspiel und Strategie, nicht darum, sich gegenseitig abzuschießen, so Lalurny.

Verbot ist keineswegs sicher

Vielleicht müssen sich Hallenbetreiber Schönfeld und Teamchef Lalurny auch bald keine Sorgen mehr machen. Denn in Berlin wird gerade heftig diskutiert, ein Verbot sei deshalb keineswegs sicher, hieß es. – Derweil tut sich die Stadt mit einer Einschätzung der Situation schwer. Auf die Frage der SZ, welche Schritte bei einem Verbot notwendig wären, teilte die Verwaltung mit: „Ein Verbot richtet sich an Veranstalter. Wir haben keinen Grund, von vornherein von der Nichtbeachtung des Verbots auszugehen. Wer bei Nichtbeachtung handeln müsste, kommt auf die gesetzliche Regelung an, die wir noch nicht kennen.“

Dabei hatte die Stadt die Paintballhalle noch kurz vor der Eröffnung zu verbieten versucht. Paintball verstoße gegen den Schutz der Menschenwürde, wurde argumentiert. Die Stadt unterlag allerdings vor dem Dresdener Verwaltungsgericht. Ein Zusammenhang zwischen Paintball und der Ausübung von Gewalt sei nicht belegt, urteilten die Richter.

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