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Palais im Großen Garten offenbart seine Geheimnisse

Über Jahre haben Experten die ursprüngliche Gestaltung des Hauses analysiert. Die Ergebnisse haben sie nun erstmals einem breiten Publikum präsentiert.

© steffen füssel, steffen fuessel

Von Juliane Richter

Während der Regentschaft dreier Kurfürsten ist das Palais im Großen Garten gebaut worden. Wechselnde Geschmäcker haben das Großprojekt somit damals noch erschwert. „August der Starke hat schließlich 1694 das fertige Palais übernommen – und sich ziemlich über die Schlussrechnung geärgert“, sagt Bauhistoriker Hartmut Olbrich mit einem Augenzwinkern.

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Über Jahre hat der 52-Jährige das historische Bauwerk bis ins Detail untersucht. Dazu gehörte auch, jede einzelne Innenwand des Gebäudes zu fotografieren, sodass sie später am Computer in ein dreidimensionales Modell übertragen werden kann. Die Ergebnisse der Forschungen hat er im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Offenes Palais“ erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Demnach ist mittlerweile klar, dass sich das Palais über die Jahrhunderte stark verändert hat. Nach dem Neubau gab es neben dem Festsaal auch Wohnappartments und eine Versorgung über eine große Küche. Alle Räume waren mit Kaminen versehen. Die sind heute nicht mehr vorhanden – auch deshalb gestaltet sich eine Nutzung des Palais bisher als schwierig. Veranstaltungen werden deshalb bevorzugt vor allem in der warmen Jahreszeit durchgeführt.

Mehr Klarheit gibt es mittlerweile auch über die Wandgestaltungen des Festsaals. Die Bauexperten der Zeit nutzten geglätteten Kalkstuck, Ornament-Stuck, geglätteten Gipsstuck und auch Sandstein. „Das Material hat die Farbigkeit bestimmt. Von reinem glänzenden Weiß über mattes Weiß bis hin zu gräulichen Tönen“, sagt Historiker Olbrich. Diese zarten Details hätten dem Saal schließlich sein extrem kostbares Aussehen verschafft.

Bisher noch offen ist die Frage, wie in Zukunft mit den Untersuchungsergebnissen umgegangen wird. Olbrich hat aus seinen Daten eine Visualisierung erarbeitet, die das innen sanierte Palais zeigt. Diese Pläne sollen in den nächsten Monaten veröffentlicht werden. Sechs Szenarien gibt es seiner Meinung nach, wie das Palais behandelt werden kann. Von der reinen Substanzerhaltung bis zur originalgetreuen Rekonstruktion sei alles möglich.

Der Förderverein des Palais setzt sich für die Gesamtrekonstruktion ein. Die würde laut dem Vorsitzenden Reinhard Decker 15 bis 20 Millionen Euro kosten. Geld, das der Freistaat als Eigentümer bisher auf absehbare Zeit nicht aufbringen will.