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Palais, Schloss und Kino machen Minus

Die Personalsorgen sind größer geworden. Die Kulturzentrum GmbH plagt sich nicht nur mit dem Kulturbetrieb.

Das Zabeltitzer Palais, der Schlosskeller und das Großenhainer Kino – alle haben letztes Jahr Minus gemacht. An sich nichts Ungewöhnliches im Kulturbetrieb, nur die Probleme, die dahinterstecken, werden die Stadträte wohl noch die nächsten Jahre beschäfti
Das Zabeltitzer Palais, der Schlosskeller und das Großenhainer Kino – alle haben letztes Jahr Minus gemacht. An sich nichts Ungewöhnliches im Kulturbetrieb, nur die Probleme, die dahinterstecken, werden die Stadträte wohl noch die nächsten Jahre beschäfti ©  Foto-Montage/Anne Hübschmann

Großenhain. Hitze, Fußball, ein mäßiges Filmangebot der Verleiher – die Begründung, warum die Großenhainer Filmgalerie im letzten Jahr ein Minus von 13,2 Prozent eingespielt hat, klingen kurios und sind dennoch bittere Realität. Natürlich schlagen dort auch noch die Investitionen im Kino zu Buche. Und mit spannenden Liveübertragungen hat das Haus sogar ein noch schlimmeres Ergebnis verhindert. Gut ist die Entwicklung indes längst nicht.

Mit einem Jahresfehlbetrag von insgesamt rund 285.000 Euro liegt die Kulturzentrum Großenhain GmbH mit Kulturschloss, Palais Zabeltitz und Großenhainer Kino zwar im ganz normalen Limit – im Jahr zuvor betrug er sogar 306.000 Euro – dennoch sind inzwischen alle drei Häuser dauerhaft Sorgenkinder von Geschäftsführer Jörg Rietdorf. Nehmen wir den Schlosskeller. Auch da besonders auffällig: ein Minus von 32,1 Prozent in der Schlossgastronomie im Vergleich zum Vorjahr. Darüber hatte die SZ bereits 2018 in einem Interview ausführlich mit Jörg Rietdorf gesprochen und der äußerte unumwunden, die Küche sollte vielleicht auch mal schmackhafteres Essen anbieten.

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Das ließ schon 2018 auf einen tieferen Dissens mit dem Küchenleiter schließen. Nun der Einbruch. Wie kam es denn dazu? Die personellen Sorgen haben offenbar auch danach kein Ende genommen. Längere Krankheitsausfälle, schließlich der Weggang des Küchenchefs. Begleiterscheinungen waren, wie Rietdorf schriftlich mitteilt, „zeitweise Schließungen einzelner Bereiche und Umsatzrückgänge“. Ein Vorgang, der immer auch direkt das Zabeltitzer Palais trifft, schließlich kommen die Speisen aus der Schlossküche. Das Palais, das eine Goldgrube sein sollte, hat im letzten Jahr erstmals 20 000 Euro Miese gemacht.

Ist das noch durch Personalengpässe zu erklären oder stimmt hier das Konzept grundsätzlicher nicht? Kritiker geben seit Längerem zu bedenken, beide – Schlosskeller und Palais – sollten vielleicht durch Private betrieben werden. Das sei zwar kein Allheilmittel, aber man könne ja wenigstens versuchen, die Bewirtschaftung rund um die Veranstaltungen auszuschreiben. Die Stadt könne sich dann noch intensiver auf Veranstaltungen konzentrieren, den Open-Air-Trend im Barockgarten zum Beispiel, wie Jörg Rietdorf es plant, oder weitere Publikumsmagneten ins Großenhainer Kulturschloss holen. Das ist auch die eigentliche Stärke des Hauses. Die Gastronomie muss der hauseigene Küchenchef oder eben ein Privater in die Hände nehmen.

Der würde vielleicht die Angebotspakete zum Beispiel für Hochzeiten etwas anders packen. Im Großenhainer Rathaus sieht man das indes etwas anders: „Derzeit gibt es keinen Markt für miet- bzw. pachtvertraglich basierende Geschäftsmodelle in der Gastronomie, zumal solch ein Vertrag im Palais strengen Bestimmungen in Bezug auf Instandhaltung, Mietereinbauten und Erhalt der denkmalgeschützten Bausubstanz unterworfen wäre.“

Beim Kulturschloss, wo es in den vergangenen Jahren ähnliche Gedanken gegeben hat, den Schlosskeller auszugliedern, führt die Stadt ins Feld, in diesem Falle müsste die Schlossküche baulich komplett vom Kulturschloss getrennt werden – eine Vorgabe, für die es öffentlich aber keine Untersuchungen gibt. So bleibt die Kulturzentrum GmbH in der Bredouille: Sie soll überall eine schwarze Null schreiben, am besten Gewinn erwirtschaften – aber auch nicht wirklich gewinnbringend sein, denn die Gastronomie wird von der Rechtsaufsicht nur kulturbegleitend geduldet, nicht als echtes finanzielles Standbein. 

Welche Blüten das treiben kann, zeigen die Verhandlungen zwischen Palais-Café und Mühlen-Café zum Streitpunkt Konkurrenz. Denn die darf es seitens des kommunal betriebenen Hauses auch nicht geben. Nun wird das Palais-Café in der Nähe des Mühlen-Cafés nicht beworben, obwohl es faktisch da ist. Die Eisprodukte des Mühlen-Cafés werden aber umgekehrt im Palais beworben. Man weißt auf Öffnungszeiten hin und empfiehlt das Mühlen-Café für private Veranstaltungen. 

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Auch bei privaten Buchungen im Palais wird der Kulturzentrum GmbH hineingeredet. So hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) bemängelt, dass sich private Mieter keinen anderen Caterer aussuchen könnten. Auch das wurde also geändert. Gleichzeitig, so schreibt die Stadt in einer Ratsvorlage, sollte sich die Gastronomie nicht mehr gewinnbringend bzw. kostendeckend betreiben lassen, müsse geprüft werden, sie vollständig aufzugeben. Ein Schritt, den Oberbürgermeister Sven Mißbach gern so spät wie möglich gehen würde, wie er auf Nachfrage einräumt. Ob das Konzept so überhaupt irgendwie aufgehen kann, hat er nicht beantwortet.

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