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Palucca-Glanz in der Musikschule

Vanessa Curado-Sandor tanzte bei den Großen. Ihr Können gibt sie an die Kleinen weiter.

Von Anne Uhlig

Sechs Mädchen turnen im Tutu durch den Probenraum. Sie proben Handstand, Rad und Tanzfiguren, während im Hintergrund eine schwungvolle Melodie die Einhaltung des Taktes erleichtert. Mittendrin steht Vanessa Curado-Sandor. Sie macht Übungen vor, wirft den Mädchen Hinweise zur Verbesserung zu und lobt oft. „Mehr Spannung. Sehr gut“, tönt der portugiesische Akzent der Tanztrainerin durch den verspiegelten Raum und wenig später: „Du musst immer nach vorn schauen“. Nach einem Tanzspiel und einer herzlichen Verabschiedung sind die Mädchen bis zur nächsten Woche entlassen. Der Umgang zwischen Lehrerin und Schülern wirkt vertraut, so als würden sie schon seit langer Zeit zusammen trainieren.

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Dass gerade eine der ersten Trainingsstunden von Vanessa Curado-Sandor mit den Kindern stattfindet, davon ist während des Unterrichtes nichts zu spüren. „Die Kinder haben mich sofort gut angenommen“, sagt die gebürtige Portugiesin. Dabei ist sie mitten im Schuljahr in den Unterricht eingestiegen und hat eine Gruppe übernommen, die schon seit Oktober 2012 zusammen trainiert. Anfang März dieses Jahres übernahm die 36-Jährige die Tanzkurse von Georgi Marinov, von dem sich die Musikschule im Februar unter Protest vieler Eltern getrennt hatte.

Seit 2001 ist sie in Deutschland, lebt aktuell in Radebeul. Als hauptberufliche Studentin macht sie in diesem Jahr den Masterabschluss in Tanzpädagogik an der Palucca-Schule in Dresden. Nebenbei gibt sie an ihrer Schule Tanzunterricht für Jugendliche ab zehn Jahren. Über fehlende Auslastung kann die Tanztrainerin sich nicht beschweren. Trotzdem bewarb sie sich ohne zögern an der Musikschule des Landkreises Meißen, als sie von dem Aushilfsgesuch für Riesa und Großenhain erfuhr.

15 Jahre Bühnenerfahrung

Aber wie kommt man von der Palucca-Schule nach Riesa? „Das war ganz witzig“, erzählt die Tänzerin. Sie und ihr Mann haben sich gegenseitig dazu animiert, an der Musikschule des Landkreises Meißen zu lehren. „Im vergangenen Jahr hing in meiner Schule ein Stellengesuch von der Musikschule. Weil ich zu dem Zeitpunkt keine Zeit hatte, habe ich meinen Mann zum Vorstellungsgespräch geschickt.“ Dieser ist Choreograf und kommt von den Landesbühnen in Radebeul. Er wurde eingestellt und trainiert seitdem regelmäßig mit den Kindern der Musikschule. Im Mai nehmen seine Schüler an der Aufführung „Wurzeln aus Stahl“, einer Tanzkooperation des Musikschulbezirks Riesa und der Landesbühnen Radebeul im Stahlwerk Riesa teil.

Als er erfuhr, dass kurzfristig eine Aushilfe gesucht wird, hat er natürlich gleich an seine Frau gedacht. „Beim Probeunterrichten hat sie uns überzeugen können. Ihr Umgang mit den Kindern ist super“, sagt Antje Aé, Chefin der Musikschule. Und da möglichst wenige Stunden ausfallen sollten, konnte Vanessa Curado-Sandor. fast sofort mit dem Unterrichten anfangen. „Und so bin ich jetzt zwei Tage in der Woche in Riesa, Strehla und Großenhain unterwegs“, sagt die Tanzlehrerin.

Tägliches Training für sich selbst hat die schlanke Frau inzwischen von ihrem Plan gestrichen. „Ich muss nicht mehr jeden Tag tanzen, das habe ich lange genug gemacht“, sagt sie lachend. 15 Jahre lang war sie professionelle Tänzerin in Portugal und Deutschland mit Engagements in Lissabon, Braunschweig, Hannover und Bonn, bevor es sie nach Sachsen zog.

Nun habe sie mit dem aktiven Tanzen mehr oder weniger abgeschlossen. Auch ihr Studium ist inzwischen hauptsächlich theoretisch, die Inhalte sind Methodik, Didaktik, Pädagogik und Psychologie. Die Möglichkeit Unterrichten zu können, gewann zunehmend an Bedeutung für sie. „Kindern den Spaß am Tanzen zu vermitteln, hat jetzt Priorität für mich“, sagt sie.

In Riesa fühlt sie sich wohl und freut sich über die bisherigen positiven Erfahrungen mit der Musikschule. Deswegen will sie die Zusammenarbeit gerne beibehalten. Der Kontakt zur Palucca-Schule soll aber auch nach ihrem Abschluss bestehen bleiben. Wer weiß, vielleicht kommt die eine oder andere der Schülerinnen durch ihr Bestreben einmal ganz groß raus.