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Panzerfäuste ausgebuddelt

Die Geschosse wurden beim Ausbaggern der Flutmulde gefunden. Deshalb ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst Dauergast auf der Baustelle.

Thomas Zechendorf von der Landestalsperrenverwaltung erklärt auf einem Plan den Baufortschritt der Flutmulde zwischen der Straße des Friedens und der Johannisstraße.
Thomas Zechendorf von der Landestalsperrenverwaltung erklärt auf einem Plan den Baufortschritt der Flutmulde zwischen der Straße des Friedens und der Johannisstraße. © Lars Halbauer

Döbeln. Damit hatten die Bauarbeiter sicher nicht gerechnet. Als sie im Bereich des VW-Autohauses begannen, die Baugrube auszuheben, kamen zwei Panzerfäuste zum Vorschein.

„Seitdem ist der Kampfmittelbeseitigungsdienst bei jeder Baugrube unser Begleiter“, sagt Thomas Zechendorf, Gesamtprojektleiter bei der Landestalsperrenverwaltung (LTV) für die Döbelner Flutmulde. Zum Auffinden von Waffen und Geschossen erfolgen normalerweise vor Baubeginn sechs Meter tiefe Bohrungen, von denen aus die Umgebung sondiert wird. Das sei in der Flutmulde allerdings nicht möglich gewesen. „Es gab zu viele Leitungen , die Störsignale verursacht haben“, so Zechendorf.

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Ein Fußweg auf der Mauerkrone

Inzwischen ist ein großer Teil des Hochwasserschutzprojektes abgeschlossen. Dazu gehören die Hochwasserschutzmauer in Sörmitz, das Verteilerwehr, die Abschnitte der Flutmulde zwischen dem Wehr und der Brücke Straße des Friedens sowie der Niederbrücke und der Bahnhofstraße.

Derzeit wird gleichzeitig an zwei weiteren Abschnitten gearbeitet. Auf den knapp 400 Metern zwischen der Straße des Friedens und der Johannisstraße sind die Bohrpfähle gesetzt, die Verkleidung angebracht und die Kopfbalken fertiggestellt. „Der Hochwasserschutz ist bereits gewährleistet“, sagt der Projektleiter. Derzeit wird die Sohle der Flutmulde gepflastert. Außerdem entsteht auf der gegenüberliegenden Seite von Kaufland auf der Mauerkrone ein Fußweg, der von der Fußgängerbrücke bis zum Pferdebahnmuseum führen wird. Im Bereich des Museums wird die Zufahrt zur Mulde wieder hergestellt. Sie ist allerdings nicht für die Allgemeinheit gedacht, sondern für die LTV zur Gewässerunterhaltung und im Fall des Falles für die Feuerwehr zur Löschwasserentnahme. Bis zum Jahresende sollen in diesem Abschnitt alle Arbeiten beendet sein.

Sitz- statt Wassersteine

Parallel haben die Arbeiter bereits mit dem vierten Abschnitt der Flutmulde begonnen. Von der Brücke Bahnhofstraße bis zum Steigerhausplatz, wo sich die beiden Muldearme vereinen, werden am linken Ufer 340 und am rechten Ufer 160 Meter Hochwassermauer errichtet. Die Mauern werden auf Bohrpfählen gegründet. Auf einem kurzen Stück sind sie bereits mit einer Vorsatzschale aus rot gefärbtem Stahlbeton in Natursteinoptik verkleidet.

Dieser Abschnitt ist ein besonderer. Er weicht in der Gestaltung enorm von den bisher gebauten ab. Aufgrund der teilweise bis zum Ufer reichenden Bebauung erfolgt erst ab der Linie zwischen dem Ende des Kinos und des Autohauses die Aufweitung der Flutmulde. Statt einer dicken Wassersteinaufschüttung, wird diese nur so hoch sein, wie sie hydraulisch benötigt wird. Im Böschungsbereich sind auf der Seite des Steigerhausplatzes eine Wiese und drei versetzt stehende Betonsitzsteine geplant. Diese sind zehn bis 20 Meter lang.

Derzeit entsteht der Graben für die Bohrpfähle. Allerdings wurde bei den Vorarbeiten festgestellt, dass die Gründung am Autohaus anders ist, als in den Plänen verzeichnet. Damit sich die Verantwortlichen ein genaues Bild machen können, seien nun noch zusätzliche Erkundungen nötig. Ähnlich wie beim Griechen an der Straße des Friedens soll das Fundament des Autohauses mit einer sogenannten Betonhochdruckinjektion abgefangen werden. Auch am Steigerhausplatz ist eine Gewässerzufahrt geplant. Die werde aber voraussichtlich mit Pollern abgesperrt, um das unbefugte Benutzen von vornherein zu unterbinden.

Die Fertigstellung dieses Abschnittes ist für das dritte Quartal 2020 vorgesehen. Die Kosten belaufen sich auf rund neun Millionen Euro. Das Geld kommt aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung (Efre).

Lichter warnen vor dem Wasser

Derzeit werde die Ausführungsplanung für den nächsten Abschnitt der Flutmulde zwischen der Oberbrücke und der Fußgängerbrücke nach Sörmitz vorbereitet. Der Ausbau beginne, wenn die Brücke, die die Schillerstraße mit der Sörmitzer Straße verbinden soll, gebaut ist. Vom Steigerhausplatz in Richtung Arbeitsamt gehe es frühestens 2023 weiter, so Zechendorf.

Er weist noch auf eine weitere Besonderheit hin: Wenn die derzeit laufenden Abschnitte abgeschlossen sind, werden an den Brücken, die die Mulde queren, Lichter angebracht. Sie sollen Spaziergänger in der Flutmulde darauf hinweisen, dass in Kürze das Wehr geöffnet wird. Gehen die Lichter an, bleibt noch eine halbe Stunde Zeit, den Bereich zu verlassen.

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