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"Papa, Dein Brot ist Weltklasse!"

Das Priestewitzer Traditionsgeschäft von Frank Creutz feiert am Freitag sein 40. Jubiläum. Und es huldigen jene den Bäcker, die ihn am besten kennen.

Frank Creutz im Frühjahr dieses Jahres. Nach einem Unfall eröffnete der Priestewitzer Kultbäcker endlich wieder sein Geschäft. Und darf an diesem 14. August sein 40. Jubiläum feiern. Herzlichen Glückwunsch!
Frank Creutz im Frühjahr dieses Jahres. Nach einem Unfall eröffnete der Priestewitzer Kultbäcker endlich wieder sein Geschäft. Und darf an diesem 14. August sein 40. Jubiläum feiern. Herzlichen Glückwunsch! © Foto: Anne Hübschmann

Priestewitz. Die bemehlte Hand aufs Bäckerherz: Damit haben Sie sicher nicht gerechnet, lieber Herr Creutz! Obwohl es wirklich zig kulinarische Gründe und ausreichend leckere Argumente gegeben hätte, ist sich der Priestewitzer nämlich wieder einmal treu geblieben.

Der Mann, der gemeinsam mit seiner Frau Angela an diesem Freitagmorgen wie immer pünktlich um 7 Uhr die Türen zu seinem Laden auf der Großenhainer Straße aufsperren wird, hat nicht etwa die große Werbetrommel gerührt. 

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Der 63-Jährige entschied sich traditionell für die kleineren, charakterlich sicher auch wohlschmeckenderen Brötchen, und verriet nur im treuen Kundenkreis, was spätestens aber jetzt weit über die dörfliche Ladentafel hinaus bekannt sein dürfte: An diesem 14. August begeht das Geschäft, das zum Ort gehört wie das Rauschen der Züge, sein 40. Jubiläum.

Ein Geburtstag, den sich das beherzte Ehepaar in den vergangenen Jahrzehnten hart erarbeitet hat. Nicht immer lief alles wie zerlassene Butter, ließ sich nicht jede Lösung für so manches Problem backen wie die beliebte Eierschecke, für welche mancher Zugführer in der Vergangenheit schon mal direkt vorm Geschäft einen kurzen, außerplanmäßigen Zwischenstopp einlegte.

Nein, nach seiner Lehre bei der Bäckerei Schöne in Radeburg musste Frank Creutz zunächst als Angestellter seinen Lebensunterhalt verdienen. Aber der seinen Beruf von Anfang an mit viel Herzblut ausübende Bäckermeister hielt Ausschau nach einem eigenen Laden und - fand im beschaulichen Priestewitz genau das Richtige. Krempelte die Ärmel hoch und machte aus dem ehemals leerstehenden Haus direkt an der Bahnschranke eine kleine Oase des Glücks. 

Köstlich duftende Brötchen, im Winter den so typischen Stollen und zur Sommerzeit die unvergleichliche Erdbeertorte. „Und nicht zu vergessen das Brot! Glauben Sie mir, Papas ist das Weltbeste“, versichert einer, der es am besten wissen muss.

Natürlich selbst gebacken: Eigens zum Jubiläum seiner Eltern fertigte Stefan Creutz dieses Buch an. Der Teig musste drei Stunden im Ofen ausharren, um extra haltbar zu werden.
Natürlich selbst gebacken: Eigens zum Jubiläum seiner Eltern fertigte Stefan Creutz dieses Buch an. Der Teig musste drei Stunden im Ofen ausharren, um extra haltbar zu werden. © privat

Stefan Creutz, selbst in der Lebensmittelbranche tätig, weiß nur allzu gut, wovon er spricht. Gemeinsam mit seinem älteren Bruder Marcus gewissermaßen in der Backstube aufgewachsen, habe er den köstlichen Duft von frisch Gebackenem von klein auf genießen dürfen. 

Seit 15 Jahren nicht mehr in Sachsen wohnhaft, kenne er inzwischen die geschmacklichen Tücken eines guten Brotes zwischen Hamburg - Berlin - Schleswig Holstein und Priestewitz. Dass sein Vater, seit er zurückdenken könne, immer an der Herstellung oder den Zutaten gefeilt, er niemals Mühen und Aufwand gescheut habe, den angesetzten Teig mehrfach zu bearbeiten, zählten sicherlich zu den Geheimnissen, weshalb die heimische, bestenfalls ein Zentimeter dicke Schnitte wahrlich auf der Zunge zergehe.

Und nicht nur diese. Beliebt sind die typischen Ostsemmeln und Blechkuchen, der an den herrlichen Geschmack von Großmutters Spezialitäten erinnert. Stefan Creutz macht keinen Hehl daraus, dass er ganz gern mal genascht habe. Aber noch lieber an der Seite von Papa werkelte. Früher, als die Eltern noch viel mehr mit der Kraft der eigenen Hände herstellen mussten. 

Und später, im aufwendig modernisierten Geschäft nach der Wende, als Maschinen als unsichtbare Helfer Einzug hielten. "Ich habe meinen großen Bruder lange Zeit darum beneidet, dass er hin und wieder mal Papa unterstützen durfte. Deshalb war ich froh, als ich endlich mitten in der Nacht mit in die Backstube durfte! Auch wenn ich zugegebenermaßen dann manchmal am frühen Morgen ein bissel ermattet auf der Fußbank eingeschlafen bin", erinnert sich Stefan Creutz und lacht.

Keine Frage - auch wenn diese Zeiten längst vorbei seien, blickten er und sein Bruder gerade an diesem Jubiläumstag mit großem Stolz auf das Lebenswerk der Eltern. Eines, zu welchem auch gehöre, immer mit einer großen Portion Liebe und Fleiß gearbeitet zu haben. Nie darüber geklagt zu haben, dass auch am Samstagmorgen der Wecker klingelt, wenn andere Leute gerade nach einer Feier ins Bett gehen und die Verantwortung für das eigene Geschäft auch im Urlaub immer mitfährt.

Natürlich reist Stefan Creutz zum Jubiläum mit Frau und kleinem Sohn an. Um gemeinsam dieses besondere Ereignis zu feiern, mit den Kunden zu schwatzen, freilich leckeren Kuchen zu essen und vor allem, um dem Priestewitzer Bäcker Frank Creutz noch einmal von Angesicht zu Angesicht zu sagen: "Papa, Dein Brot ist Weltklasse!".     

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