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Riesa

Papageien-Paar hat nur geringe Chancen

Fürs Einfangen ist der Besitzer zuständig, teilt das Landratsamt mit. Ein Experte warnt derweil vor falscher Tierliebe.

Ob die beiden entflogenen Papageien eingefangen werden können, scheint zweifelhaft.
Ob die beiden entflogenen Papageien eingefangen werden können, scheint zweifelhaft. ©  Sebastian Schultz

Riesa. Zum Fall der zwei entflohene Papageien in Riesa hat das Landratsamt Meißen am Freitag noch einmal Stellung bezogen. „Für das Einfangen ist ausschließlich der Besitzer zuständig“, stellte Sprecherin Kerstin Thöns klar. „Aber – so unsere Naturschützer – diese Aktion wird kaum erfolgreich sein, denn die Vögel sind sehr mobil und neugierig.“

Die beiden Loris waren am Donnerstagvormittag an der Stegerstraße gesichtet worden. Ein Anwohner berichtete, das Pärchen auch einen Tag später noch auf einem Apfelbaum an derselben Stelle gesichtet zu haben. Als sich Mitarbeiter des Tierparks am Mittag zu der Stelle begaben, waren die Vögel allerdings nicht auffindbar. 

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Die Meldung der beiden Ausreißer bewegte auch viele Leser in den sozialen Netzwerken. Teilweise verwiesen sie auch darauf, dass es den Papageien doch in Freiheit viel besser gehen würde als in Gefangenschaft. Ein Leser wies dabei auch auf Schwärme von Halsband-Sittichen hin, die in Düsseldorf mittlerweile eine Population von mehr als 1.000 Tieren bilden. 

Das Thema hatte auch Gerhard Herrmann vom Tierpark in Riesa angesprochen. Allerdings überstünden die Tiere den Winter mehr schlecht als recht. „Es gibt da zum Teil schlimme Erfrierungen.“ In besonders schweren Fällen verlören die Tiere dabei sogar die Beine. Darüber hinaus bräuchten Schwarmvögel wie die Loris auch sozialen Kontakt, weil sie sonst verkümmern. Von Populationen dieser Art sei ihm nichts bekannt, obwohl vermutlich zehn bis 15 Stück pro Jahr ausreißen. Die intelligenten Vögel seien durchaus auch als „Zerstörer“ bekannt, könnten also auch aus ihrer Voliere ausgebrochen sein.

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Lange werden die ans Leben in Gefangenschaft gewöhnten Vögel in der freien Wildbahn aber wohl nicht überleben. Herrmann warnt daher auch vor falscher Tierliebe. „Die Tiere sind hier nicht heimisch, spätestens im Winter hätten sie Probleme, Futter zu finden.“ Davon abgesehen sei es aber unwahrscheinlich, dass sie überhaupt bis in den Oktober überdauern, weil sie leichte Beute für Raubvögel darstellen, sagt er. Auch im Landratsamt in Meißen heißt es, die Vögel hätten „wenig Chancen, in der freien Natur zu überleben“.