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Paris rettet Alstom

Mit 2,8 Milliarden Euro Finanzhilfe rettet Frankreich den Verkehrstechnik-Riesen Alstom vor der Pleite. Dennoch fallen 5 000 Jobs in Europa weg. Alstoms Sachsenwerk wird mit der Sparte T & D verkauft.

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Von Michael Rothe

Dresden/Paris. Das Rettungspaket für den französischen Verkehrstechnik-Konzern Alstom ist geschnürt. Wie es gestern aus Paris hieß, finanziert der französische Staat die Hälfte der Kapitalerhöhung von 600 Millionen Euro und hält vorübergehend 31,5 Prozent an der Gruppe. Die Beteiligung soll „nach völliger Gesundung“, spätestens nach drei Jahren, wieder abgestoßen werden.

Mehr als 30 Banken tragen das Finanzierungskonzept über insgesamt 2,8 Milliarden Euro mit. Dazu gehören die Ausgabe rückzahlbarer Obligationen im Wert von 900 Millionen Euro an die Aktionäre und Bankdarlehen über 1,3 Milliarden Euro. Im Gegenzug wurde Alstom verpflichtet, Vermögenswerte zu veräußern und massiv zu sparen. Unlängst hatte der Konzern bereits das Industrieturbinen-Geschäft für 1,1 Milliarden Euro an Siemens verkauft. Frankreich will das Hilfspaket noch im August den EU-Wettbewerbshütern vorlegen. Brüssel könnte im Einstieg des Staates versteckte Beihilfen sehen.

„Jetzt ist unsere Liquidität gesichert“, sagte Annette Wille, Sprecherin der Alstom GmbH in Frankfurt am Main, gestern der SZ. Am Restrukturierungsprogramm werde aber festgehalten. Das sieht allein in Europa den Abbau von 5 000 der dort 75 000 Jobs vor. „Diese Zusage war Voraussetzung, dass Alstom wieder Vertrauen bei den Banken findet“, so Wille.

Wie ferner zu erfahren war, steht die Sparte Energieverteilung und -übertragung zum Verkauf. Betroffen wäre auch der Standort Dresden mit der Alstom Sachsenwerk GmbH, der Energietechnik GmbH und Vertriebsniederlassungen mit insgesamt mehr als 400 Beschäftigten. Dort wollte sich niemand äußern. Auch die deutsche Zentrale hielt sich bedeckt. Sprecherin Wille sagte nur, dass es „mehrere Bieter“ gebe, so den französischen Areva-Konzern, Marktführer bei Kernenergietechnik. Die Entscheidung falle bis 15. September.

Ein Verkauf macht Sachsenwerk-Betriebsrat Walther Stamm keine Angst: „Der Standort Dresden genießt als Tor zum Osten mit Lohnkostenvorteil höchsten Stellenwert – egal, wer ihn übernimmt.“

www.alstom.de