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Übervolle Böhmische Schweiz

Steigende Besucherzahlen werden zur Last. Nun werden neue Parkplätze gebaut, etwas anderes fällt aber weg.

In der Saison ein normales Bild. Am Straßenrand, auf Waldwegen, in engen Straßen parken Autos in der Böhmischen Schweiz.
In der Saison ein normales Bild. Am Straßenrand, auf Waldwegen, in engen Straßen parken Autos in der Böhmischen Schweiz. © Foto: Nationalpark Böhmische Schweiz

Zdenek Panek kann sich freuen. Die Entwicklung in der Edmundsklamm und der Wilden Klamm zeigt nach oben.

 „Im vergangenen Jahr zählten wir dort insgesamt 404 950 Besucher. Das waren über 100 000 mehr als 2017“, berichtet der Bürgermeister von Hrensko (Herrnskretschen). Für die kleine Gemeinde bedeutet so ein rasanter Anstieg um knapp ein Viertel eine willkommene zusätzliche Geldeinnahme. So kann sie sich derzeit erlauben, die lange vernachlässigte Kirche samt Orgel sanieren zu lassen. Auch der Wirtschaft geht es gut, denn die Touristen lassen ihr Geld in den Hotels und Pensionen, in Gaststätten und Geschäften.

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Konzerte unterm Sternenhimmel
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„Natürlich steht hinter dem Anstieg auch das ungewöhnlich gute Wetter“, nennt Panek eine Erklärung. Allein im warmen und trockenen Oktober kamen rund 60 000 Touristen in die Klammen. Doch erstens sieht es danach aus, als ob so ein milder Oktober künftig keine Ausnahme bliebe. Zweitens geht der Trend bei den Besucherzahlen in der Böhmischen Schweiz allgemein nach oben. Im letzten Jahr war es im ganzen Nationalpark eine Dreiviertelmillion. Damit einher gehen aber auch negative Begleiterscheinungen.

„Die Gemeinde selbst betreibt vier kostenpflichtige Parkplätze, drei in Hrensko und einen in Mezna Louka (Rainwiese), mit 330 Stellplätzen. Die sind vormittags innerhalb einer halben Stunde alle voll“, sagt Panek. Auch hier hat er eine Statistik parat. „Die Zahl der parkenden Fahrzeuge stieg im vergangenen Jahr um 3 434 auf 56 577 Autos.“ Dabei hat er noch nicht die zahlreichen ebenfalls kostenpflichtigen Stellplätze vor Läden, Hotels und Gaststätten erwähnt. Dass der Anstieg bei den Autos deutlich geringer als bei den Besucherzahlen in den Klammen ausfiel, liegt aber weniger daran, dass Besucher nun massenhaft den öffentlichen Verkehr nutzen würden.

„Leider stehen die Autos in Spitzenzeiten an den unmöglichsten Stellen, auf jeden Fall nicht da, wo sie sollen. Es ist einfach kein Platz mehr“, so Panek weiter. Und so eine Spitzenzeit erlebt er gerade jeden Tag. Immerhin hat Hrensko eine eigene Polizei, die solche Verstöße sofort ahndet.

Auch Marek Kny kennt das Problem. Nicht nur das Prebischtor, Rainwiese und die Klammen gehören zu den Attraktionen. Kny ist Bürgermeister von Jetrichovice (Dittersbach), das sich ebenfalls zu einem beliebten Ausflugsziel entwickelt hat. Und auch hier verstopfen Autos die Straßen. „Dabei sind wir hervorragend an das Bussystem angebunden. Wir sind sowohl von Decin als auch von Hrensko zu erreichen“, sagt Kny. 

Doch das reicht nicht, weshalb die Gemeinde nun dem Beispiel von Hrensko folgt und teils gebührenpflichtige Stellplätze schafft. Der erste Parkplatz mitten im Ort wurde kürzlich eröffnet, hat aber nur Platz für 30 Autos, für die auch keine Gebühr fällig ist. Anders wird das bei dem geplanten Parkplatz am Beginn der Wanderwege Richtung Falkenstejn und Mariina vyhlidka. In den kommenden Jahren soll hier ein großer Parkplatz für 90 Autos entstehen. Ein dritter, ebenfalls gebührenpflichtiger, entsteht am anderen Ende des Ortes an der alten Mühle (Stary mlyn) und wird rund 30 Stellflächen haben.

Den Anstieg des Autoverkehrs werden die Parkplätze aber nicht bremsen können. „Wir haben einfach keine Flächen mehr, auf denen wir neue Parkplätze bauen könnten, der Nationalpark aber schon“, sieht Hrenskos Bürgermeister Zdenek Panek den Nationalpark in der Pflicht. Doch dort setzt man eher auf eine andere Strategie. „Wir können in Einzelfällen sicher helfen, wie in Jetrichovice. 

Dreisprachiges Plakat vom Nationalpark: „Lasst uns nicht zurück!“
Dreisprachiges Plakat vom Nationalpark: „Lasst uns nicht zurück!“ © Foto: Nationalpark Böhmische Schweiz

Aber die meisten Flächen des Nationalparks bestehen aus Wald, da ist kein Platz für Parkplätze“, sagt Richard Nagel von der Nationalparkverwaltung. Er hält es für realistischer, dass sich die Städte in der Umgebung, wie Decin, Ceska Kamenice oder Krasna Lipa, um Parkflächen vergleichbar mit den P/R-Plätzen den Rändern großer Städte kümmern und die Besucher von dort mit Bussen, Zügen oder Schiffen pendeln.

Der Nationalpark sieht seine Aufgabe eher darin, den öffentlichen Personennahverkehr zu fördern. „Zu Überlegen wäre aber, ob man die Nutzung von Bussen und Zügen nicht auch finanziell fördern sollte. Das müsste aber gemeinsam mit dem Umweltministerium und dem Bezirk Usti passieren“, regt Nagel an.

Aus für Papierkörbe

Ähnlich geht der Nationalpark bei einem anderen negativen Nebeneffekt steigender Besucherzahlen vor: dem Müll. „Jedes Jahr holen wir drei Tonnen Müll aus der Natur“, sagt Nationalparksprecher Tomas Salov. Dagegen setzt der Park nun auf eine ungewöhnliche Maßnahme. „Ab sofort wird es im Nationalpark keine Papierkörbe mehr geben“, sagt Salov.

Für die Besucher gilt damit das Motto: „Was ich in den Park hineintrage, nehme ich auch wieder mit.“ Ausnahme sind Körbe auf dem Gebiet der Anliegergemeinden. Die wurden nicht vom Nationalpark aufgestellt. „Moderner Naturschutz in den Nationalparks funktioniert heutzutage praktisch nicht mehr mit Papierkörben“, sagt Salov. Ähnlich geht schon lange der Böhmerwald vor. Und im Riesengebirge wurde kürzlich eine Kampagne gestartet, die Besucher anhalten soll, ihren Müll mitzunehmen. Papierkörbe seien eher ein Luxus für die Besucher, für Tiere aber häufig eine Falle, so Salov. Zum Beispiel für Siebenschläfer, die durch die Abfälle angelockt werden. „Für die hatten wir zwischenzeitlich kleine Leitern in die Körbe eingebaut“, sagt Salov. Aber das konnte keine Lösung sein, zumal die Siebenschläger aufhörten, sich selbst Nahrung zu suchen.

Der Nationalpark will die neue Regelung auch in Abstimmung mit den anderen Nationalparks in Form von Plakaten unter die Besucher bringen. An den am stärksten frequentierten Orten wie am Prebischtor, bei Jetrichovice oder im Khaatal sind schon seit zwei Jahren verstärkt Ranger im Einsatz, die Müll beseitigen.

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