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Parkhotel-Chef: "Ich will endlich loslegen!"

Vor vier Jahren hat Jens Hewald das Dresdner Parkhotel gekauft. Inzwischen ist es zur Hälfte saniert. Ein Vorhaben scheitert bisher aber.

Seit 2016 saniert Jens Hewald das Parkhotel. Verdient hat er mit seinem Objekt noch nichts.
Seit 2016 saniert Jens Hewald das Parkhotel. Verdient hat er mit seinem Objekt noch nichts. © Marion Doering

Dresden. Still ist es rings um das Parkhotel und in seinen Sälen geworden. Im März hätte dort der Hutball Jubiläum feiern sollen. Partys, Hochzeiten und Abibälle standen im Terminkalender der Betreibergesellschaft. Teil der Parkhotel Events GmbH & Co. OHG ist Jens Hewald. Wie meistens, wenn er in Dresden ist, dreht er eine Runde durch den Hof des Gebäudeensembles. Hier hat der 48-Jährige einiges vor. Doch noch ist davon nichts zu sehen.

Gerade hat es Hunde geregnet, jetzt blitzen Sonnenstrahlen in Pfützen, und die Katze wagt sich heraus. "Ich könnte sie eigentlich unser Haustier nennen", sagt Hewald. Dauernd spaziere sie hier herum, aber ihr Körbchen steht wohl anderswo. Vor vier Jahren hat der Berliner den denkmalgeschützten Bau gekauft. Schon einmal versuchte sich ein Landsmann daran. Das ist über 100 Jahre her. Die Gesellschaft, die es Anfang des 20. Jahrhunderts erbauen ließ, hatte ihren Sitz in Berlin und ging pleite. So verdankt ihr Jens Hewald heute, dass es dieses Haus, in das er sich verliebte, überhaupt gibt.

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"Das hier ist nicht nur eine Immobilie"

Bevor er das aber konnte, hatte der gelernte Facharbeiter für Datenverarbeitung sein Abi nachgeholt, Wirtschaftsinformatik studiert und 2000 mit zwei Freunden eine Onlinemarketing- und Werbefirma aufgebaut. 

Wenn Hewald von den Gründungsjahren spricht, sagt er: "Als Unternehmer muss man ständig hinterfragen, ob der Weg, den man geht, richtig ist." Erst recht, wenn alles Ersparte in die Firma fließt und der Erfolg zunächst nur fester Glaube ist. "Wir wussten manchmal kaum, wovon wir Brot und Butter bezahlen sollten", erzählt er. Familien halten viel aus in solchen Zeiten. Auch seine. Im Jahr 2007 hat das Trio sein Unternehmen verkauft. 

Verwaist ist der große Ballsaal im Parkhotel. Hier hätte im März der Hutball Jubiläum gefeiert. Doch im 25. Jahr kam ihm Corona in die Quere, so wie vielen Hochzeiten und Abibällen.
Verwaist ist der große Ballsaal im Parkhotel. Hier hätte im März der Hutball Jubiläum gefeiert. Doch im 25. Jahr kam ihm Corona in die Quere, so wie vielen Hochzeiten und Abibällen. © Marion Doering

Der Verkauf macht möglich, was Hewald heute tut: Etliche denkmalgeschützte Immobilien hat er gekauft und saniert, bis er das große Dresdner Kleinod fand. "Ich war im Urlaub mit meiner Familie, da schickte mir mein Banker das Exposé vom Parhotel - mit der Bemerkung, das sei sicher nichts für mich, aber er wolle es mir trotzdem zeigen." 

Mit Dresden verband den Unternehmer bis dahin nichts. Doch er war neugierig, kam her - und wurde Pendler. "Meiner Frau und mir war schnell klar: Das hier ist nicht nur eine Immobilie. Das ist ein Unternehmen, und das kann man nicht mal so von Berlin aus führen." Nun hat Jens Hewald sein Büro im Parkhotel und eine Zweitwohnung gleich um die Ecke. Ihren Lebensmittelpunkt behält die Familie vorerst in Berlin. Dort haben seine drei Kinder und sein "Bonuskind", wie er es nennt, Freundeskreis und Schule. "Ich werde aber ganz oft gefragt, wann ich denn komplett nach Dresden ziehe", sagt er. Für möglich hält er das schon. 

Party in allen Räumen geplant

Denn Hewald fühlt sich wohl hier. Dass ihm als Neuling auf dem Weißen Hirsch das Ankommen schwer gemacht würde, ist eine Vermutung. Bestätigen kann er sie nicht. "Ganz im Gegenteil: Die Dresdner sind sehr zugänglich und freundlich zu mir", sagt er. Immer wieder bekomme er signalisiert: Klasse, dass sich endlich jemand langfristig um unser schönes Parhotel kümmert. 

Und das tut er. Gleich nachdem er das Lebensprojekt übernommen hatte, ließ Jens Hewald den Westflügel restaurieren. Drei Jahre später folgte der Südflügel. Im Erdgeschoss sind, alteingesessen, das Kunstauktionshaus Günther und ein Friseursalon beheimatet. Recht neue Mieter hat Hewald mit einem Brautmodengeschäft und einer Torten-Manufaktur, die bald auch als Café Gäste begrüßen soll. 

Die Villa Emma, ein zum Objekt gehörendes Solitär, ist renoviert und würde jetzt normalerweise Hotelgäste beherbergen. Der Blaue Salon und die Kakadu-Bar haben Zwangspause. In der ersten Etage arbeiten Mitarbeiter verschiedener Firmen in frisch sanierten Büros. Momentan aber herrscht Ruhe auf dem langen, hellen Flur. Nur wenige Schreibtische sind besetzt. Coronaregularien auch hier.

Parkhaus: Eichen müssen erhalten bleiben

Damit sind von den insgesamt 10.000 Quadratmetern Nutzfläche rund 6.000 in Betrieb. Für rund 200 Quadratmeter des ehemaligen, riesigen Restaurants im Parkhotel sucht Jens Hewald noch nach einer sinnvollen Verwendung als Veranstaltungsraum, Lokal, Bar und ähnliches. Eilig hat er es damit nicht. "Ein Café im Haus lag mir am Herzen, aber dafür haben wir inzwischen ja eine Lösung gefunden." Das Hochzeitstorten-Atelier in Wolles ehemaligem Sushi-Restaurant will künftig auch Gäste bewirten.

Alle Kraft könnte Jens Hewald jetzt in ein Projekt stecken, das so neu zwar nicht ist. Doch es geht zäh voran. "Ähnlich wie beim Hutball und der Party zum Hutball, die sämtliche Veranstaltungsflächen bespielen, stellen wir uns auch andere Events vor", sagt er. Anders als für diese beiden Ballabende bräuchte es dann aber ein dauerhaftes Brandschutzkonzept, statt einer temporären, mobilen Brandschutzanlage. "Schon vor einem Jahr haben wir es beantragt, doch eins kommt zum anderen und nichts geht vorwärts", so Hewald.

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Kurz erklärt: Der Plan, vier- bis sechsmal im Jahr eine hutballgroßes Events im Parkhotel zu feiern, zieht Auflagen nach sich. Dazu gehören neben dem Brandschutz auch ein Lärmschutzkonzept und die Bereitstellung von Parkflächen. Also plante Jens Hewald zunächst einen Parkplatz, dann, um Lärmbelästigung zu vermeiden, ein Dach darüber. Nun heißt das Ganze Parkhaus, braucht neue Begutachtung und Beantragung. 

"Den ersten Antrag für unser Vorhaben haben wir im Juni 2017 eingereicht." Seitdem reagiert er auf Änderungen und auf die Änderungen der Änderungen. Ergeben hat sich überdies: Beim Parkhausbau sind zwei Eichen zu beachten, deren Wurzeln beim Erdaushub nicht gekappt werden dürfen.  

Auf dieser Brache hinter dem Parkhotel soll ein überdachter Parkplatz entstehen. Doch die Planungen und Genehmigungen nehmen bisher kein Ende.
Auf dieser Brache hinter dem Parkhotel soll ein überdachter Parkplatz entstehen. Doch die Planungen und Genehmigungen nehmen bisher kein Ende. © Marion Doering

Die letzte Ansage in Sachen Bauantrag hat der Unternehmer von der zuständigen Behörde jüngst wie folgt bekommen: Bis zum 18. Mai werde es keine Entscheidung darüber geben, weil coronabedingt vorübergehend nicht alle zuständigen Amtskollegen zusammenkommen und ein Wörtchen mitreden können. "Dabei wäre jetzt gerade der ideale Zeitpunkt, um zu bauen", sagt Jens Hewald, "Das Hotel hat keine Gäste und Veranstaltungen finden auch nicht statt." Schlimm genug, dass diese Geschäfte auf Eis liegen. So gern würde er für künftige vorsorgen.

Um trotz allem starten zu können, hat er eine vorläufige Baugenehmigung beantragt und hofft, in Kürze wenigstens die Grube ausheben und befestigen zu können. "Ich komme mit den Ämtern eigentlich gut klar und fühle mich unterstützt." Nach dreijährigem Hin und Her fehlt ihm jedoch das Verständnis. "Ich will endlich was machen!"

"Das Parkhotel braucht einen langen Atem"

Machen. Das hat ihn schon immer gereizt. Lieber vorangehen, statt folgen. Dabei fehlt ihm in Deutschland häufig Respekt vorm Unternehmertum, das Neues wagt, Risiko trägt und im besten Fall dem Gemeinwesen etwas Gutes hinterlässt - beispielsweise ein saniertes Denkmal. 

Sein Fazit nach vier Jahren in Dresden: "Das Parkhotel braucht einen langen Atem, zehn Jahre ganz sicher." Wie viel Geld er bereits investiert hat, will Jens Hewald nicht sagen. Fakt sei: "Ich habe noch keinen einzigen Cent rausbekommen." Doch er bleibt guter Dinge und glaubt an sein Konzept. "Ich bin schließlich ein klarer Rechner und Zahlenmensch." 

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