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Görlitz

Parkhotel wird doch keine Seniorenresidenz

Die Görlitzer Stadträte haben dagegen entschieden. Jetzt müssen die Besitzer sich klar werden, wie die Zukunft des Hauses aussehen soll.

Zukunft offen: Ein Wohnheim für Senioren wird aus den Hotelzimmern aber nicht werden.
Zukunft offen: Ein Wohnheim für Senioren wird aus den Hotelzimmern aber nicht werden. © Nikolai Schmidt

Die Zukunft des Parkhotels ist wieder offen. Zu einer Seniorenresidenz wird es jedenfalls nicht. Einen Antrag auf Umnutzung, der das möglich gemacht hätte, hat der Stadtrat abgelehnt. Donnerstagnacht, nach der Haushaltsdebatte, stand schließlich die Entscheidung über das Parkhotel an.

Die Besitzer, so der bisherige Stand, wollten es verkaufen. Und: Es sollte dann womöglich nicht mehr als Hotel genutzt, sondern zur Seniorenresidenz umgebaut werden. Zumindest größtenteils. Es soll ein Angebot einer Gesellschaft gegeben haben, die das Hotel kaufen und umgestalten wollte, erklärte Oberbürgermeister Siegfried Deinege im Stadtrat. In den oberen Etagen sollten unter anderem Kurzzeit- und Tagespflege einziehen. Derweil sollten das Restaurant und die Lobby im Erdgeschoss erhalten bleiben, ebenso der Garten. Die Stadträte konnten sich dafür nicht erwärmen. Mit 22 Nein-Stimmen wurde der Umnutzungsantrag abgelehnt.

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Das Hotel ganz in der Nähe der Görlitzer Stadthalle wurde einst als Mercure-Hotel eröffnet. Vor einigen Jahren übernahm es die Münchener Tetolia Hotelbetriebsgesellschaft. Für den Verkaufswunsch soll es mehrere Gründe geben. Zum einen sind die Besitzer wohl in einem hohen Alter, zum anderen sollen, so wurde es im Stadtrat noch mal gesagt, durch die Umstrukturierungen bei Bombardier und Siemens Übernachtungsbuchungen weggefallen sein. Der Stadtrat habe nicht das Recht, jemanden zu zwingen, ein Hotel zu führen und zu erhalten, „aber wir haben das Recht einer neuen Nutzung zu widersprechen“, sagte Deinege. Der Bebauungsplan sieht ein Hotel vor. Dass das Haus nun ganz sicher als Hotel erhalten bleibt, bedeutet dieser Stadtratsbeschluss aber nicht, erklärt Stadtsprecherin Sylvia Otto. Es kann ein neuer, anderer Antrag eingereicht werden.

„Wir haben es zur Kenntnis genommen“, sagt Andreas Kremp. Er ist der Direktor des Parkhotels und Bevollmächtigter der Besitzer. Wie es nun weitergeht, ob weiterhin ein Verkauf zur Debatte steht, was der Stadtratsbeschluss für die Zukunft des Parkhotels bedeutet, dazu möchte er keine Aussage treffen. Zuletzt hatte Andreas Kremp gegenüber der SZ gesagt, dass verschiedene Optionen geprüft werden, darunter die Seniorenresidenz-Variante. Die präferierte Nutzung sei aber die als Hotel. Zu einer Sache möchte er Stellung nehmen. Es gab in den vergangenen Tagen Gerüchte, wonach fünf Mitarbeiter bereits eine Kündigung erhalten hätten. „Das ist nicht wahr“, sagt Andreas Kremp. „Niemandem ist gekündigt worden und das ist auch nicht angedacht.“ Er sei dankbar für jeden Mitarbeiter, „der mit uns hier die tägliche Arbeit am Gast verrichtet.“ Mit dem Team im Parkhotel sei er sehr zufrieden.

Das Parkhotel hat auch eine gewisse Bedeutung für den Tourismus in Görlitz. Es ist das einzige Hotel, das nach der politischen Wende in Görlitz komplett neu und von vornherein als Hotel konzipiert gebaut wurde, erklärt Andrea Behr, Geschäftsführerin der Europastadt GmbH. „Das Parkhotel ist das größte Haus in der Stadt.“ Es hat vier Sterne und 312 Betten und damit die Kapazitäten, um beispielsweise mehrere Busreisegruppen aufzunehmen. Es hat auch die entsprechenden Parkmöglichkeiten, erklärt Andrea Behr, „das ist alles zu bedenken.“ Das zweitgrößte Hotel in Görlitz ist das Tuchmacher mit 108 Betten. Es wäre schwierig, einen adäquaten Ausgleich zu finden, wäre das Parkhotel kein Hotel mehr. Dazu kommt die Nähe zur Stadthalle, die wiederbelebt werden und viele Gäste anziehen soll.

Roland Marth als langjähriger Hotelier in Görlitz sieht die Debatte entspannter, und stärker aus wirtschaftlicher Sicht. Er führt das Hotel Am Goldenen Strauss in der Innenstadt und baut derzeit zwei Gebäude des einstigen Rittergutes Tauchritz zum Hotel Gut am See aus . „Natürlich muss eine Stadt strategisch denken“, so Marth, „aber ich sehe es generell so: Jedes Hotel hat einen Eigentümer, der die Zukunft seines Hauses planen muss und selber darüber entscheiden soll.“ Dabei spielen auch wirtschaftliche Aspekte eine große Rolle. Görlitz habe in den vergangenen Jahren bei der Bettenzahl viel Zuwachs bekommen, unter anderem durch das Emmerich-Hotel, die Insel der Sinne, er selber wird im Sommer das Hotel Gut am See eröffnen, das Hotel Zum Hothertor und Europa haben erweitert. Währenddessen sind die Übernachtungszahlen voriges Jahr erstmals seit Langem rückläufig gewesen. „Es gibt Monate, da bräuchte man noch mehr Betten“, so Marth. Es gebe aber genauso Monate, wo für alle Hoteliers in Görlitz die Auslastung nicht allzu hoch sei.

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