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Parkplatz-Not wird immer größer

Die Stadt Dresden will die Neustadt zur lärmfreien Zone machen. Das hat gravierende Folgen für das angrenzende Hechtviertel.

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© Christian Juppe

Von Ulrike Kirsten

Wer zuerst kommt, parkt zuerst. Wer ungünstige Arbeitszeiten hat und erst spät nach Hause kommt, hat im Hechtviertel das Nachsehen. Oft bleiben dann nur Parkplatz-Notlösungen. Fußwege und Kreuzungen werden zugeparkt. Anwohner müssen auf Stellplätze zurückgreifen, die einen ordentlichen Fußmarsch vom Wohnort entfernt liegen. Ein Grund dafür ist, dass immer mehr Menschen aus der Neustadt in die angrenzenden Stadtteile wie Hechtviertel und Scheunenhofviertel ziehen. Anwohner klagen, dass dort seit Monaten Stellplätze fehlen. Einziger Nutznießer ist die Stadt. Denn regelmäßig kontrolliert das Ordnungsamt in den betroffenen Vierteln und verteilt stapelweise Strafzettel. Nun könnte sich das Problem noch verschärfen.

Das Rathaus möchte die Neustädter besser vor Straßenlärm schützen. Deshalb sollen nicht nur die Autos künftig deutlich langsamer durch das Szeneviertel rollen. Überhaupt will die Stadt das Aufkommen an Fahrzeugen zwischen Königsbrücker und Prießnitzstraße reduzieren. Kraftfahrer sollen dann ihre Pkw auch vermehrt am Rand des Viertels abstellen.

Garagen müssen Parkhaus weichen

Das Vorhaben gehört zum Lärmaktionsplan für das Szeneviertel (die SZ berichtete). Davon profitieren zwar die Neustädter, die deutlich ruhiger wohnen werden. Jedoch zieht es den Verkehr in die benachbarten Viertel ab, die auf das erhöhte Aufkommen aber nicht ausgelegt sind. Was für die einen zur Entlastung werden soll, ist für andere schon jetzt Belastung.

Seit Oktober 2006 gilt in der Äußeren Neustadt die sogenannte Parkraumbewirtschaftung. Das bedeutet, dass der größte Teil der Straßenparkplätze gebührenpflichtig ist. Anwohner können mit einer Bewohnerparkkarte aber die meisten Stellplätze nutzen. Besucher weichen seitdem auch auf umliegende Viertel wie die Leipziger Vorstadt aus. Dem Wunsch der Anwohner, auch dort eine Parkraumbewirtschaftung einzuführen, hatte die Stadt bisher stets eine klare Absage erteilt. Eine Untersuchung aus dem Jahr 2010 habe gezeigt, dass in der Leipziger Vorstadt überwiegend Bewohner parken und durch eine Parkraumbewirtschaftung keine Kapazitäten frei werden, so Baubürgermeister Jörn Marx (CDU). „Dadurch entstehen nur zusätzliche Verwaltungsgebühren für die Bewohner. Mit Abschluss der Untersuchungen wurde klar festgestellt, dass die Probleme durch die Autos der Anwohner verursacht werden.“

In der Verwaltung scheint man nun aber umzudenken. Schließlich sind die Untersuchungen zu einem Parkraumkonzept im Hechtviertel schon längst veraltet. Zudem hat die Stadt in das Sanierungsgebiet kräftig investiert und somit eine andere Basis geschaffen. Aufgrund dieser und weiterer positiver Entwicklungen im Ortsamtsbereich Neustadt lehnt das Rathaus eine Parkraumbewirtschaftung in der Leipziger Vorstadt nicht mehr generell ab. „Sind Kapazitäten in der Verwaltung verfügbar, soll noch einmal überprüft werden, ob doch eine Parkraumbewirtschaftung sinnvoll ist“, rudert Marx nun zurück.

Gleichzeitig will die Stadt auf verschiedenen Wegen zusätzliche Stellplätze schaffen. So soll beispielsweise auf der Fläche an der Ecke Kiefernstraße/Buchenstraße ein Parkhaus mit 60 Stellplätzen entstehen. Dabei wurden bei der Sanierung der Kiefernstraße erst 40 Garagen abgerissen, die Bewohnern des Hechtviertels bis 2012 als dauerhafte Stellplätze dienten. Ein Investor, der das Parkhaus bauen und betreiben soll, hat sich aber noch nicht gefunden. Bevor das Vorhaben umgesetzt wird und sobald es erste Pläne gibt, will die Verwaltung das Projekt den Neustädtern im Ortsbeirat vorstellen. Derzeit prüfen Verkehrsplaner der Stadt auch, ob an der Johann-Meyer-Straße im Hechtviertel zusätzliche Stellplätze möglich sind. Hingegen offen ist, wie die Situation im Scheunenhofviertel gelöst werden könnte. Dort sollen in den nächsten Jahren viele neue Wohnungen auf dem ehemaligen Drewag-Areal an der Lößnitzstraße 14 gebaut werden. Weitere Bauprojekte sind momentan im Gespräch.

Jörn Marx sieht zuallererst jedoch die Hauseigentümer in der Pflicht, für neue Stellplätze zu sorgen. „Wenn ein Gebäude aber in der Vergangenheit rechtmäßig errichtet worden ist, können wir jetzt nicht verlangen, dass neue Stellplätze angelegt werden“, gibt er schließlich zu. „Auch dann nicht, wenn es jetzt mehr Autos pro Haushalt gibt, als dies zum Zeitpunkt des Hausbaus der Fall war.“ Den Anwohnern nützen diese Aussagen nur wenig. Denn sie müssen sich jeden Tag aufs Neue dem Problem stellen und eigene Lösungen finden.