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Mehr kleine Kunst im großen Parksaal

Die Programmplanung im Dippser Kulturzentrum läuft ganz anders als sonst. Was noch möglich ist, was ausfallen muss im nächsten Halbjahr.

Kulturhausleiter Angela Meisegeier und Silvio Reichel stehen vor der Plakatwand im Foyer der Parksäle. Die roten Aufkleber auf den Plakaten zeigen, wie viele Veranstaltungen sie schon verschieben mussten.
Kulturhausleiter Angela Meisegeier und Silvio Reichel stehen vor der Plakatwand im Foyer der Parksäle. Die roten Aufkleber auf den Plakaten zeigen, wie viele Veranstaltungen sie schon verschieben mussten. © Karl-Ludwig Oberthuer

Leuchtend rot prangen die Aufkleber auf den Plakaten im Foyer des Kulturzentrums Parksäle: Ersatztermine für all die Veranstaltungen, die in den vergangenen Monaten wegen der Corona-Vorsichtsmaßnahmen ausgefallen sind. Viele Veranstaltungen müssen zudem umziehen. Was bisher im Kleinen Saal geplant war, findet jetzt im Großen Saal statt. Dort können bis zu 150 Besucher die Abstandsregeln problemlos einhalten. „Früher war für manche Veranstaltung unser Saal zu groß. Jetzt ist er genau richtig“, stellt Silvio Reichel fest, der technische Leiter des Kulturzentrums.

Aber es gibt Großveranstaltungen, die sich mit so geringen Besucherzahlen nicht rechnen. Das Konzert mit dem Südtiroler Tenor Rudy Giovannini beispielsweise ist erst einmal verlegt worden auf den 24. Juli, war aber auch damals nicht möglich und soll jetzt am 15. Januar 2021 stattfinden. Auch die Kosaken mit Peter Orloff sind vom 22. August dieses Jahres in den September 2021 verschoben. Das Sommer-Open-Air, welches der Musikantenclub im September veranstalten wollte, ist abgesagt.

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Auf den Abstand kommt es an

Dafür setzen Angela Meisegeier und Silvio Reichel, die Leiter des Kulturzentrums, verstärkt auf kleinere Veranstaltungen. Das Programm beginnt am 10. September mit einer Lesung von Ringelnatz-Texten. Rolf Becker trägt sie vor, Frank Fröhlich begleitet ihn musikalisch. Den Abend organisiert die Buchhandlung Bücherfreund in Dippoldiswalde, die eigentlich das Schloss Reinhardtsgrimma dafür vorgesehen hatte. Der dortige Saal ist aber zu klein, um mit dem empfohlenen Abstand die beiden Künstler genießen zu können. Am 11. September folgt Peter Kersten, der Zauberpeter, und am 13. September das nächste Konzert der Meisterinterpretenreihe mit dem Kammer-Musik-Salon. 

Auch der Nachtflohmarkt am 12. September und der Kinderflohmarkt des Kinderschutzbundes am 19. September lassen sich mit genügend Abstand organisieren. Sie bleiben also im Veranstaltungsplan. Ende Oktober soll am Wochenende 24./25. das Puppentheater-Wochenende „Dippelmütze“, das Anfang Mai ausgefallen ist, im großen Saal nachgeholt werden. Viele Termine Ende August sind für die Schuleinführungen reserviert, im September und Oktober auch für die Jugendweihefeiern, die im Frühjahr nicht stattfinden konnten.

Tanzstück mit besonderer Werbung

Eine besondere Aktion steht im Oktober auf dem Plan. Die Juwie-Dance-Company aus Dresden zeigt zweimal das Stück „Addiction to…“, in dem es um das Thema Sucht geht. Tanz ist auch eine Kunstform, die in Dippoldiswalde selten zu sehen ist. „Wir hoffen, dass das Thema auch Schulen interessiert“, sagt Meisegeier. Dafür greift sie auch zu neuen Werbeformen. Der Aufsteller an der B170, wo die Stadt früher für ihre Bauplätze geworben hat und derzeit das Dankeschön-Plakat hängt, wird mit einem Banner für diese Veranstaltung werben.

Normalerweise plant die Leitung des Kulturzentrums ein Jahr und länger im Voraus. Im August wird eigentlich das Programm für das ganze nächste Jahr abgeschlossen, der Flyer gedruckt und der Vorverkauf gestartet. Dieses Jahr ist Angela Meisegeier froh, wenn sie ein halbes Jahr im Voraus planen kann, und selbst in diesem kurzen Zeitraum sind noch viele Fragezeichen im Kalender. Der Lionsball steht für den 7. November im Kalender, der Faschingsauftakt für den 13. November. Allerdings sind nach jetzigen Regeln sogenannte Tanzlustbarkeiten nicht erlaubt. Hier bleibt nur die Hoffnung, dass sich das bis November entspannt.

Groß ist auch die Unsicherheit, was die größeren Veranstaltungen anbelangt. Hier ist im Herbst nur ein Abend mit Uwe Steimle im Programm geblieben, am 10. Oktober. „Es gibt ja auch Gedanken, Veranstaltungen ganz normal zuzulassen, wenn alle Besucher eine Mund-Nasen-Maske tragen“, hofft Angela Meisegeier. Größere Veranstaltungen sind dann erst wieder für Dezember vorgesehen. Eine Travestieshow am 3. Dezember, ein Abend mit City und Dirk Michaelis am 4. Dezember und ein Gastspiel mit Stefanie Hertel am 20. Dezember.

Neues System für den Kartenverkauf

Das Kulturhaus Parksäle setzt dabei auf seine treuen Kunden. So haben nur wenige nach den verschobenen Veranstaltungen ihre Eintrittskarte zurückgegeben. So bleiben die Ersatztermine für Katrin Weber, Zärtlichkeit mit Freunden oder Rudy Giovannini zum großen Teil ausverkauft. Das entlastet das Konto des Kulturzentrums von Rückzahlungen. Neues Geld kommt aber auch kaum herein. Denn nur wenige Besucher kaufen Karten für die kommenden geplanten Veranstaltungen. Die Unsicherheit, ob diese stattfinden und welche Regelungen dann gelten, ist zu groß.

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Die Kulturhausleitung überlegt auch, ob sie das System des Kartenverkaufs ändert. Es gibt Lösungen, um beispielsweise schon zusammen mit der Karte auch ein Pausengetränk zu ordern. Hier werden ohnehin keine Gläser mehr gefüllt, sondern nur verschlossene Flaschen ausgegeben. Auch müsste niemand mit Wechselgeld hantieren, was unter Hygienegesichtspunkten immer ein Schwachpunkt ist. Außerdem könnte auch die Registrierung der Kontaktdaten für die Verfolgung der Ansteckung über das Internet einfacher erfolgen. Corona erzwingt viele neue Lösungen. 

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