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Görlitz

Partec entwickelt Geräte wieder selbst

Die Firma stellt am Görlitzer Standort drei weitere Ingenieure ein und steckt drei Millionen Euro in neue Gebäude. Vorher ist ein Abriss nötig.

Oliver Zimmermann arbeitet bei Sysmex Partec an der Arndtstraße in Görlitz an einem Cy Flow Space. Es ist das größte und teuerste Partec-Gerät für die industrielle Anwendung. Wenn es fertig ist, zählt es lebende Bakterien in Lebensmitteln.
Oliver Zimmermann arbeitet bei Sysmex Partec an der Arndtstraße in Görlitz an einem Cy Flow Space. Es ist das größte und teuerste Partec-Gerät für die industrielle Anwendung. Wenn es fertig ist, zählt es lebende Bakterien in Lebensmitteln. © Nikolai Schmidt

Für den Görlitzer Standort der Sysmex Partec GmbH ist es ein Meilenstein. Nach dem Kauf der Firma Partec durch das japanische Unternehmen Sysmex hatten die Japaner 2013 die Entwicklung der Durchflusszytometrie zu sich geholt. „Jetzt bekommen wir sie zurück nach Görlitz“, freut sich Geschäftsführer Michael Esther.

Gebaut wurden die Geräte stets in Görlitz. Allerdings war die Verantwortung dafür weg. „Jetzt haben wir sie wieder“, sagt der 53-Jährige. Das zeige, dass die Japaner an die Fähigkeiten in Görlitz glauben.

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Damit ist der Weg frei für die Einstellung von drei neuen Ingenieuren, die in Görlitz in der Technologieentwicklung eingesetzt werden sollen – nicht für ein konkretes Gerät, sondern für die generelle Weiterentwicklung. Ausgeschrieben sind die Stellen noch nicht, „aber wir wollen sie bis Jahresende besetzen“, sagt Esther. Er ist zuversichtlich, dass es gelingt. Einen Fachkräftemangel spüre die Firma bisher nicht. Rückkehrer aus den Altbundesländern, aber auch Leute, die bisher in anderen Firmen tätig waren, bewerben sich nach seiner Aussage häufig bei Sysmex Partec.

Das Unternehmen ist in Görlitz klar auf Wachstumskurs: „Wir haben so viele Aufträge wie nie zuvor.“ Vor einem Monat ist zum Beispiel ein Auftrag aus Indien hereingekommen, der bis Juni abgearbeitet werden muss. Die Inder haben 100 Counter zur HIV-Therapie-Kontrolle geordert. Diese Geräte zählen die Zellen und zeigen dadurch an, wie gut eine HIV-Therapie angeschlagen hat. „Parallel haben wir aber noch viele andere Geräte zu bauen“, sagt Esther. Zuführungsroboter zum Beispiel. Die sind so groß, dass die Firma einen neuen Aufzug an der Giebelseite des Produktionsgebäudes in der Arndtstraße errichtet hat, damit die fertigen Geräte abtransportiert werden können. Durch das Treppenhaus passen sie nicht. Der Aufzug ist seit Anfang Februar in Betrieb, Restarbeiten laufen aktuell noch.

Es ist nicht die einzige Baustelle auf dem Firmengelände in der Südstadt. Vorige Woche hat die Entkernung von zwei Gebäuden aus DDR-Zeiten begonnen. Beide werden demnächst abgerissen und für drei Millionen Euro durch zwei eingeschossige Neubauten ersetzt, die an der gleichen Stelle stehen werden – allerdings miteinander verbunden statt separat. Beide zusammen werden 1 200 bis 1 400 Quadratmeter Nutzfläche haben. Sie werden für die Erweiterung der Produktion benötigt und sollen ab März 2020 in Nutzung gehen. „Allerdings nach und nach“, sagt Esther. Die Produktion vom alten Standort am Flugplatz soll in den Neubau umziehen. Das geht freilich nicht alles auf einmal, die Produktion muss ja weiterlaufen. Deshalb wird sich der Umzug über mehrere Monate hinziehen.

Was dann aus den drei Gebäuden am Flugplatz wird, ist noch offen. „Für ein Gebäude sind wir derzeit in Verkaufsverhandlungen“, erklärt der Geschäftsführer. Allerdings habe er keine Eile. Es sei sogar denkbar, die Gebäude zu behalten: „Wir müssen sehen, ob der Platz in der Arndtstraße ausreicht oder ob wir den Flugplatz sogar noch weiter brauchen.“ Immerhin wächst Sysmex Partec schnell. Von 2017 auf 2018 sei der Umsatz um 36 Prozent gestiegen, für 2019 erwartet Esther einen ähnlichen Sprung. Konkrete Zahlen will er aber nicht nennen. Bei weiterem Wachstum soll auf jeden Fall weiter gebaut werden. Eines der beiden neuen Gebäude an der Arndtstraße könnte bereits im Jahr darauf um eine Etage aufgestockt und über eine Brücke mit dem Hauptgebäude verbunden werden.

Ein weiteres Gebäude auf dem Areal steht unter Denkmalschutz. Es soll eines Tages saniert werden. Nach jetzigem Planungsstand könnte im Hochparterre eine Kantine entstehen, nicht nur für Sysmex Partec, sondern auch für das Umfeld, etwa die Mitarbeiter des Zolls. Im Obergeschoss könnten vielleicht kleine Appartements für die eigenen Azubis gebaut werden.

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Doch bei allem Produktions- und Umsatzwachstum: Die Mitarbeiterzahl soll – bis auf die drei neuen Ingenieurstellen – konstant bleiben. Gut 150 Leute arbeiten derzeit in Görlitz für die Firma, außerdem sechs in Leipzig und 26 in Münster. „Wir wollen unsere Mitarbeiter besser auslasten als bisher“, sagt Esther. Er selbst ist erst seit Juni bei Sysmex Partec, seit 1. April deutscher Geschäftsführer – und damit hinter dem japanischen Geschäftsführer Takehiro Wajiki die Nummer 2 bei Sysmex Partec. Esther will gern langfristig bleiben: „Ich bin nicht auf der Durchreise.“ Der 53-Jährige stammt aus Sangerhausen zwischen Harz und Kyffhäuser, seine Frau aus Görlitz. Zurzeit leben beide noch in der Nähe von Berlin, wollen aber im Dezember dauerhaft nach Görlitz ziehen: „Dann ist unsere neue Wohnung fertig.“ 

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