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Welche Bedeutung hat der Mitgliederzuwachs?

Der Dresdner Politologe Hans Vorländer sieht zwar eine positive Entwicklung - mahnt aber vor Karteileichen.

Die SPD hat in Sachsen derzeit nicht nur ein Mitgliederproblem.
Die SPD hat in Sachsen derzeit nicht nur ein Mitgliederproblem. © dpa

Kann man vom Mitgliederzuwachs in sächsischen Parteien auf ein Ende der Politikverdrossenheit schließen?

Es ist in jedem Fall so, dass die Politisierung in der Gesellschaft insgesamt zugenommen hat und daher auch die Aufmerksamkeit für Parteipolitik größer ist. Dass sich neben dem Protestverhalten auch das konkrete Partizipationsbegehren bei Bürgerinnen und Bürgern erhöht, ist eine gute Entwicklung und eine wichtige Erkenntnis.

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Welche Bedeutung hat der Mitgliederzuwachs für die sächsischen Parteien insbesondere in Wahljahren?

Ostdeutsche Parteien sind, mit Ausnahme der Linken, traditionell keine Mitgliedsparteien. Insofern stellt sich die Frage nach der Bedeutung von Mitgliedszahlen eher im Hinblick auf ihre Qualität statt auf ihre Quantität. Gelingt es, Mitglieder zu aktivieren und zu mobilisieren, können Parteien durch deren Arbeit in den Kreisen und Wahlbezirken größere Aufmerksamkeit generieren und tiefer in die Wurzeln der Gesellschaft hineinreichen. Andersherum können aktive Parteimitglieder gezielt auf Willensbildung, Programmgestaltung und Postenvergabe in ihren Parteien einwirken und so den politischen Prozess mitgestalten.

Die gute Nachricht für die Parteien ist, dass sich mehr Bürgerinnen und Bürger in politisierten Zeiten zur Mitarbeit mobilisieren lassen.

Viele Parteien beklagen einen zu geringen Anteil an Frauen in ihren Reihen. Wie können Frauen künftig stärker zu politischer Teilhabe motiviert werden?

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Fast alle Parteien legen bei der Mitgliederzahl zu. Dabei rückt eine Zielgruppe besonders in den Fokus.

Die Parteien selbst haben zwei Möglichkeiten, aktiv zu werden: Zum einen können sie durch Einführung förmlicher Quoten einen Frauenanteil festschreiben. Zum anderen können sie etwa beim Aufstellen von Listen die klare Absicht bekunden, ein Gleichgewicht zwischen Männern und Frauen herzustellen.

Aber auf der anderen Seite ist es natürlich von Vorteil, wenn sich Frauen auch selbst aktivieren und dafür sorgen, dass ihre Belange in Parteien und anderen politisch-partizipativen Foren repräsentiert sind.