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Großenhain

Parteipolitik muss draußen bleiben

Die unabhängige Wahlliste stellt die meisten Kandidaten für den Gemeinderat und hat gute Chancen, stärkste Fraktion zu werden.

Die Freie Wählerliste „Für die Zukunft unserer Dörfer (v.l.): Volkmar Schurig, Juliane Thieme, Friedemann Böhme, Anke Reiche, Elisabeth Tenner, Kai Großmann, Oliver Stein, Alexander Krause, Mario Klein (vorn rechts), Heiko Richter (rechts hinten).
Die Freie Wählerliste „Für die Zukunft unserer Dörfer (v.l.): Volkmar Schurig, Juliane Thieme, Friedemann Böhme, Anke Reiche, Elisabeth Tenner, Kai Großmann, Oliver Stein, Alexander Krause, Mario Klein (vorn rechts), Heiko Richter (rechts hinten). © Kristin Richter

Thiendorf. Sie wollen bessere Busverbindungen in die Stadt, sichere Schulwege, ausreichend Kitaplätze und eine intakte Natur vor der Haustür. Sage und schreibe 17 Kandidaten schickt die Freie Wahlliste „Für die Zukunft unserer Dörfer“ bei der Wahl des neuen Thiendorfer Gemeinderates am 26. Mai ins Rennen. 

Fast jeder der 14 Ortsteile, und sei er auch noch klein, versucht, einen seiner Bewohner über die Liste in den Rat zu bringen. Nicht alle werden es schaffen, denn die Konkurrenz ist beachtlich. Neben der CDU, die bisher die größte Fraktion bildet, haben der Regionalbauernverband und zwei Sportvereine Kandidatenlisten aufgestellt. Insgesamt gibt es 38 Bewerber für 18 Ratssitze – so viele wie noch nie. Und das bei wenig mehr als 3700 Einwohnern.

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Die freie Wahlliste gibt es bereits seit 2014. Initiator war der Ponickauer Friedemann Böhme. Der langjährige Gemeinderat hatte zuvor als Parteiloser für die CDU kandidiert. „Man sagt zwar immer, dass es in so einem kleinen Gremium auf dem Lande keine Parteipolitik gibt“, sagt er. „Aber da habe ich andere Erfahrungen gemacht.“

Es sei sehr wohl vorgekommen, dass man sich mit seinen Ratskollegen bei einer Sache einig war, diese aber plötzlich umschwenkten, weil die örtlichen Funktionäre es anders wollten. Außerdem habe man ihn ständig gedrängt, in die Partei einzutreten, was ihm gehörig auf den Keks gegangen sei. Davon genervt, gründete Böhme mit dem Naundorfer Alexander Krause und der Welxanderin Anke Reiche eine unabhängige Wählervereinigung, und alle drei schafften es vor fünf Jahren auf Anhieb in den Gemeinderat.

Statt 24 nur noch 18 Gemeinderäte

Diesmal ist die Konstellation etwas anders. Thiendorf hat inzwischen den Nachbarn Tauscha eingemeindet und damit Anderthalbtausend Einwohner hinzugewonnen. Zunächst wurden beide Gemeinderäte zusammengeschlossen, was der Kommune die staatliche Anzahl von 24 Volksvertretern bescherte. 

In der neuen Wahlperiode werden es nur noch 18 sein – wie es die sächsische Kommunalgesetzgebung vorsieht. Die Reduzierung der Mandate weckte gerade in den kleineren Dörfern die Befürchtung, ihre Belange könnten nun in Vergessenheit geraten. Hinzu kam, dass sich dort – so etwa in Würschnitz – einige altgediente Räte nicht mehr zur Wahl stellten. Das brachte der Wahlliste „Für die Zukunft unserer Dörfer“ neuen Zulauf.

Die Zusammensetzung der Zukunftsliste ist nicht nur von den Wohnorten her gesehen ziemlich heterogen. Da steht der Bauarbeiter neben dem Biotechnologen, die Erzieherin neben dem Güterverkehrsunternehmer, der Busfahrer neben der Rechtsanwältin. Sogar ein Gerichtsvollzieher ist dabei. Der Frauenanteil liegt mit vier von 17 zwar nicht besonders hoch, aber immer noch höher als auf den anderen Kandidatenlisten.

Und es sind etliche neue Gesichter dabei. Die Thiendorferin Juliane Thieme zum Beispiel. „Ich will nicht nur meckern, sondern selbst etwas tun“, sagt sie. Als Mutter zweier Kinder liegen ihr die Kitas und die Grundschule besonders am Herzen. Außerdem interessiere sie, was bei Gemeinderatsentscheidungen so alles im Hintergrund passiert. Als Außenstehender stelle man sich das ja meist einfacher vor, als es tatsächlich ist.“

Thiendorf und Tauscha gemeinsam

Was bei der freien Wahlliste noch auffällt: Dort treten Kandidaten aus den Alt-Gemeinden Thiendorf und Tauscha gemeinsam an, was dem Zusammenwachsen der Kommune förderlich sein dürfte. „Mich freut besonders, dass wir sechs Feuerwehrleute im Boot haben“, sagt Friedemann Böhme. Der Ponickauer ist seit Jahren Gemeindewehrleiter in Thiendorf und weiß, dass die Kameraden in ihren Heimatdörfern hohes Ansehen genießen.

Wer für die Sicherheit und Unversehrtheit seiner Nachbarn sorgt, hat natürlich gute Chancen, dass diese bei der Wahl auch ein Kreuz hinter seinen Namen setzen. Böhme selbst sammelte in der Vergangenheit von allen Gemeinderatskandidaten regelmäßig die meisten Stimmen ein.