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Paten für Grabmale gesucht

Seit fast drei Jahren zahlt Radebeul Tausende Euro pro Jahr zum Erhalt bedeutender Grabdenkmäler. Was hat es gebracht?

Von Kristin Koschnick

Radebeul ist und war begehrt, nicht nur unter den Lebenden. 189 imposante Grüfte, Mausoleen und stadt- oder kunstgeschichtlich wertvolle Grabanlagen verweisen noch nach Lebzeiten auf die Bedeutung derer, die hier bestattet wurden. Nicht nur die allseits Prominenten wie Karl May, Eduard Bilz und Ernst von Schuch, sondern auch hier ansässige Fabrikbesitzer, Künstler und sogar eine Eisbärendompteuse fanden auf den drei Friedhöfen ihre letzte Ruhe. Was beim Spaziergang romantisch-morbide ausschaut, hat handfeste finanzielle Folgen.

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56 der bedeutsamen Grabmäler gehören zur Kirchgemeinde von Radebeul-Ost, über die doppelte Menge hat die Friedenskirchgemeinde im Westteil der Stadt unter ihrer Ägide. Dies sind meist keine kleinen Urnengräber, sondern imposante Grabanlagen mit Grüften, reich verzierten Grabplatten und sandsteinernen Figuren. Diese zu erhalten kostet richtig Geld. Die Stadt unterhält keinen eigenen Friedhof. Die Bestattungen liegen in der Verantwortung der Kirchgemeinden. Die Beerdigungen spülen verlässlich Geld in die Gemeindekasse. Eine Sanierung verfallender Grabdenkmäler ist daraus nicht zu bezahlen.

2012 wurde per Stadtratsbeschluss festgelegt, die bis dahin gültige Pauschale von 76,69 Euro pro Beerdigung in eine jährliche Zahlung umzuwandeln. Dies bot den Gemeinden mehr Planungssicherheit. Die Gemeinde in Radebeul-West erhält seitdem jährlich 9 975 Euro, die in Ost 4 200 Euro. Beim Ausgeben der Gelder gibt es erhebliche Unterschiede.

Prioritätenliste festgelegt

Auf dem Friedhof in Serkowitz ist bisher noch nicht viel passiert. Laut Friedhofsverwalter Gottfried Werner plant die Lutherkirchgemeinde langfristig die Restaurierung des sehr großen, dreiteiligen Familiengrabes von Carl Theodor Honymus, einem Teefabrikbesitzer um 1900. Dafür werden die städtischen Gelder aufgespart.

„Wir haben eine Prioritätenliste“, sagt dagegen Petra Börner, Friedhofsverwalterin der Friedenskirchgemeinde. Jedes Frühjahr werde in einem Rundgang mit Radebeuls Kulturamtsleiter Alexander Lange direkt vor Ort besprochen, was machbar ist. Wenn beispielsweise durch einstürzende Bauteile Gefahr im Verzug sei, müsse zuerst gehandelt werden.

Die Kötzschenbrodaer Gemeinde versucht, für ihre historischen Grabmäler Paten zu finden. Neunzehn Schmuckstücke konnten bereits vermittelt werden, zehn davon werden bereits wieder bestimmungsgerecht genutzt. Mit elf potenziellen Interessenten sei man im Gespräch, so Petra Börner. Bis zum Todesfall koste die Reservierung des pompösen neuen Familiengrabes keine Gebühren. Nur Instandsetzung und Pflege liegen in der Verantwortung des Paten. Blickrichtung, Aussicht und bauliche Schönheit seien die wichtigsten Kriterien bei der Auswahl.

Auf den Friedhöfen von Radebeul sind noch genügend solche freie Grabdenkmäler zu finden.