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Patengeschenke ohne Taufe

An diesem Sonnabend feiern in Bernstadt zwei Kinder ihre Namensweihe – eine weltliche Alternative zur christlichen Taufe.

Von Anja Beutler

Miriam und Patrick können sich an diesen feierlichen Tag zwar selbst nicht erinnern. Doch ihre Eltern umso mehr: „Das mit der Namensweihe ist richtig klasse“, schwärmt Janine Schön. Eine kleine Feier im Bernstädter Rathaus habe es gegeben, eine Ansprache, Musik nach Wahl und eine Urkunde für die Kindes-Paten. Und das alles ganz feierlich, die Kleinen im feinen Zwirn. Was so ein bisschen klingt wie ein Pendant zur Taufe, ist in der Tat die weltliche Variante, Kinder ohne religiösen Segen willkommen zu heißen. „Ich habe gar nichts gegen die Taufe, bin selbst in der Kirche“, sagt Janine Schön. „Aber wir wollen unsere Kinder einmal selbst entscheiden lassen, ob sie das wollen“, erklärt sie.

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Gewollt war bei Familie Schön aber auf alle Fälle eine Art feierlicher Start ins Leben. Und die Namensweihe, die generell vom Sächsischen Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe angeboten wird, war da eine willkommene Alternative. Zumal sie in Bernstadt inzwischen Tradition hat. Denn der Verein wird hier in der Stadt von Standesbeamtin Andrea Mai unterstützt, die solche Namensweihen seit Jahren organisiert und auch selbst betreut.

Über mangelnde Nachfrage kann sie in der Regel dabei nicht klagen: „Es gibt zwischendurch auch schon mal Jahre, wo keine Namensweihe ist, aber zwischen zwei bis vier Familien sind im Schnitt pro Jahr immer angemeldet“, sagt Frau Mai. In diesem Jahr steht die Namensweihe am 21. Juni an, zwei Familien haben ihre Kleinkinder dazu angemeldet, bestätigt Andrea Mai.

Dass sich in Bernstadt eine gemeinsame Feier aller Familien, die eine solche Namensweihe wollen, eingebürgert hat, ist gar nicht so üblich. Rolf Liebig, der im Verband für Jugendarbeit und Jugendweihe für den Landkreis Görlitz zuständig ist, erkennt durchaus die Tendenz zu einer individuellen Feier. Doch das ist für die insgesamt vier Mitstreiter des Vereins, die sowohl die Angebote in Niesky, Görlitz, Ebersbach-Neugersdorf und Löbau abdecken, durchaus ein Kraftakt. „Deshalb sind wir froh, wenn wie in Bernstadt auch die Verwaltung mitmacht“, sagt Liebig.

Viel mehr Anfragen könnte der kleine Verein gar nicht schultern. Im Zeitraum von Ende Juli vergangenen Jahres bis jetzt habe man im Kreis 14 Namensweihen mit 18 Kindern gefeiert. Dabei sind die Bernstädter noch gar nicht eingerechnet. Die Idee hinter der – vergleichsweise – jungen Zeremonie, die in den 90ern in Sachsen Fuß gefasst hat, ist im Grunde simpel: Neben der Begrüßung des Kindes in dieser Welt, wollen viele Eltern Sicherheit für ihre Schützlinge. Die Paten, die sie für ihr Kind auch ohne kirchliche Taufe auswählen, sollen für die Kinder sorgen, wenn sie selbst nicht mehr für ihre Kleinen sorgen können, erklärt Rolf Liebig. Obwohl dieser feierliche Akt natürlich keinerlei rechtliche Pflichten oder Konsequenzen mit sich bringt, betont er.

Auch Janine Schöns Kinder haben je vier Paten bekommen, denen sie eine selbst gemachte Urkunde überreicht haben – als Symbol. Was die junge Mutter aber außerdem von der Feier überzeugt hat, war die Art, wie Andrea Mai das ganze inszeniert hat: „Die Rede war feierlich aber auch kindgerecht“, sagt sie. Außerdem haben Kinder aus der Schule ein Gedicht vorgetragen, erinnert sie sich. Eine solche Atmosphäre ist durchaus wichtig – vor allem für die Erwachsenen, nicht unbedingt für die Kleinen selbst. Denn die meisten Kinder sind bei der Namensweihe im Baby- oder Kleinkindalter, wenn sie im Rathaus von Frau Mai begrüßt werden. So wie auch die beiden, die sich für diesen Sonnabend mit ihren Eltern schick herausputzen werden, um mit Paten und Eltern zu feiern.