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Patienten-Informationen per Mausklick

Die Klinik Bavaria hat die sozialen Medien im Internet für sich entdeckt. Patienten sollten aber vorsichtig damit umgehen.

Von Marleen Hollenbach

Sie warten auf den Tausendsten. Schon bald könnte es soweit sein. Morgen vielleicht oder nächste Woche? Genau kann man das nicht sagen. Gemeint ist natürlich nicht der 1 000. Patient. Diese Zahl hätte die Klinik Bavaria schon lange übertroffen. Nein, es geht vielmehr um den 1 000. „Liker“. So nennt man jemanden, der auf der Facebook-Seite der Klinik den Gefällt-mir-Button drückt und von da an alle Meldungen und Informationen, welche die Klinik herausgibt, leicht mitverfolgen kann.

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Zwei Jahre ist die Seite jetzt schon online. Was genau die Klinik mit ihrer Präsenz in den sozialen Medien bezweckt, weiß Kliniksprecher Andreas Frädrich. „Es soll eine Austausch-Plattform sein, nicht für medizinische Auskünfte, sondern für Informationen rund um die Klinik“, sagt er. Hilfreich sei das beispielsweise beim vergangenen Hochwasser gewesen. Mitarbeiter und Patienten konnten auf der Facebook-Seite der Klinik schnell aktuelle Situationsberichte erhalten. „Uns ist es wichtig, dass wir uns nur dann melden, wenn es auch wirklich etwas zu sagen gibt. Wir wollen niemanden mit unnützen Infos überschütten“, erklärt Frädrich. Neben Facebook nutzt die Klinik seit Kurzem auch die Internet-Portale Twitter und Youtube.

Damit steht die Klinik Bavaria nicht allein da. Über zwei Drittel aller deutschen Krankenhäuser sind bereits bei Facebook aktiv. Doch während man seitens der Klinik von den sozialen Netzwerken profitiert, bergen diese für Patienten Gefahren. Damit hat sich jetzt auch Andreas Frädrich beschäftigt. Täglich sieht er Patienten, die mithilfe von Facebook mit ihrem Freundes- und Bekanntenkreis während ihres Klinikaufenthaltes in Verbindung bleiben. „Das ist ein wichtiger sozialer Faktor, der sogar zur Genesung beitragen kann“, erklärt der Kliniksprecher. Von einem Outing der gesamten Krankengeschichte rät er aber dringend ab. Patienten sollten demnach keine medizinischen Details wiedergeben. Denn das könnte böse Folgen haben, mit denen man im ersten Moment gar nicht rechnet. „Nicht nur Patienten nutzen die sozialen Medien, auch Ärzte, Krankenversicherungen und die Pharmaindustrie tummeln sich hier“, sagt Andreas Frädrich.

Ein Problem ist nicht nur, dass die Patienten verunsichert werden, wenn jeder seine Meinung zur Krankheit kundtun darf. Auch eine Überwachung ist möglich, zum Beispiel von Behörden und Arbeitgebern, die ebenfalls die sozialen Medien verwenden können. Der Kliniksprecher verweist auf einen Fall aus der Schweiz. Eine krankgeschriebene Versicherungsangestellte verlor demnach ihre Stelle, weil der Arbeitgeber ihre Aktivität auf Facebook verfolgte. Eigentlich war der Frau Bettruhe verordnet worden. Dem widersprachen allerdings ihre Einträge. „Was einmal dort steht, bekommt man auch nur schwer wieder weg. Deshalb sollte man genau überlegen, was man auf Facebook von sich preisgeben will und was nicht“, so Frädrich.

Die Klinik selbst darf im Übrigen keine Patientendaten veröffentlichen. Hier gelten der Datenschutz und die ärztliche Schweigepflicht. Verstöße dagegen können strafrechtliche Folgen haben. „Ebenso werden wir keine medizinischen Fälle im Internet auswerten“, sagt Frädrich. Wer also selbst nichts von sich preisgibt, hat auch nichts zu befürchten.