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Patienten sind hier in guten Händen

Der Malteser Ambulante Pflegedienst Räckelwitz feiert sein 20-jähriges Bestehen. Marika Noack leitet die Einrichtung.

© Andreas Kirschke

Von Andreas Kirschke

Sein Leitmotiv heißt „Zu Hause in guten Händen“. Der Malteser Ambulante Pflegedienst Räckelwitz besteht 20 Jahre. Seitdem stellt er sich Herausforderungen der Zeit. Ursprünglich betrieben die Malteser in Kamenz das Krankenhaus am Damm. Mit dem ambulanten Pflegedienst wollten sie eine Versorgungslücke schließen. Die Malteser reagierten damit auf die verstärkte Nachfrage. Mit einer Krankenschwester und einem Krankenpfleger ging es 1996 los. Später kam noch das Pflegeheim St. Monika für die stationäre Pflege hinzu.

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Marika Noack kennt die Geschichte. Sie leitet seit 2004 den ambulanten Pflegedienst der Patienten in Kamenz, Pansch-witz-Kuckau, Räckelwitz, Schönau, Ralbitz und Oßling betreut. „Zunächst ging es vor allem um die Grundpflege. Waschen, Essengabe, Verbände-Wechseln, Insulin-Spritzen und Medikamente-Reichung.“ Seit 2007 betreut man auch demenzkranke Patienten. „Die Zahl der Betroffenen auch schon im jüngeren Alter ab 60 nimmt zu. Darauf müssen wir reagieren.“ Demenz könne jeden treffen. Sie sei weder erblich noch beruflich oder gar geschlechtlich bedingt. „Heute sind rund 40 Prozent unserer Patienten Demenzkranke. Wir betreuen sie nach dem in der Praxis bewährten Konzept des österreichischen Pflegewissenschaftlers Erwin Böhm.“

Demenz-Spiel entwickelt

Es setzt auf Biografie- und Erinnerungs-Arbeit. Es setzt auf Aktivierung aller noch vorhandenen Fähigkeiten in Körper und Geist. „Das gewohnte Umfeld des Patienten bleibt unverändert“, sagt Marika Noack. Heute fahren täglich fünf Alltagsbegleiter zu Demenzkranken. Aus dem Erwin-Böhm-Konzept heraus wurden sogenannte Aktivierungs-Kisten entwickelt. Sie enthalten Erinnerungsstücke. Sie widmen sich Themen wie Haus, Garten, Wohnung, Handarbeit. „Wir haben 2011 sogar ein Demenz-Spiel Berufe entwickelt.

Was hat es damit auf sich? Der Betroffene soll sich an seinen früheren Beruf erinnern. Wie sah früher die Feldarbeit aus? Wie arbeitete einst der Koch? Wie der Tischler, Schornsteinfeger, Lehrer, Maler, Friseur? „Dazu zeigen wir Fotos und Erinnerungsgegenstände.“ Zum Schornsteinfeger gehören der Zylinder und das Glücksblatt. Zum Lehrer die Schiefertafel. Zum Tischler passt der Hobel. Auf diese Weise wird das Gespräch mit dem Patienten gesucht. Bei den Sorben helfen die starken familiären Bindungen durchaus. Oft leben zwei oder drei Generationen auf einem Hof. Die Alten sollen so lange wie möglich selbstständig bleiben. Aber manchmal ist der Spagat zwischen ambulanter und stationärer Pflege einfach zu groß. Marika Noack: „Wann die Grenze erreicht ist und die ambulante Pflege nicht mehr ausreicht, entscheidet jede Familie selbst.“

Zehn Alltagsbegleiter im Einsatz

Dabei stellt sich der Dienst auf eine wachsende Zahl Demenzkranker ein. Zum Beispiel durch Schulung und Weiterbildung. „Hier binden wir jeden Mitarbeiter ein“, sagt die Chefin . Eine große Herausforderung ist der Tourenplan. „Wir nehmen uns mindestens eine Stunde Zeit für Betreuung jedes Einzelnen.“ Zu den insgesamt 42 Mitarbeitern gehören zehn Alltagsbegleiter. Sie gehen mit den Patienten spazieren, lesen ihnen aus Zeitungen und Büchern vor, singen, basteln und spielen Karten mit ihnen. „Nach Möglichkeit bleibt der Alltagsbegleiter ein und dieselbe Bezugsperson. Das ist wichtig für den Alltag. Denn nur so finden die Patienten wirklich Vertrauen und Sicherheit.“

Inzwischen gibt es auch die sogenannte „Verhinderungspflege“. Sie tritt ein, wenn der Pflegende erkrankt oder im Urlaub ist. Oder einfach mal zur Entlastung. „Diese Art von Pflege bieten wir stundenweise und tageweise an. Die Angehörigen können auch ambulante Kurzzeitpflege in Anspruch nehmen. Oder sie bringen ihre Pflegebedürftigen zu uns in die Tagespflege - nach Kamenz oder nach Wittichenau.“

Angehörige werden mit einbezogen

Auch die technische Ausstattung ist mit der Zeit gegangen. Es gibt mehr Platz in den Büros und für die 22 (!) Autos. „Das Schloss mit dem Park bietet auch Raum für Veranstaltungen.“ Dass Räckelwitz sehr zentral liege, komme den Angehörigen natürlich entgegen. Auch sie werden regelmäßig zu Vorträgen, Spielenachmittagen oder Feiern eingeladen. Marika Noack: „Damit stärken wir das Vertrauen und die Zusammenarbeit. Damit fördern wir auch das Miteinander der Patienten.“ Im letzten Jahre gab es zum Beispiel einen Spiele-Nachmittag – mit Karten- und Gesellschaftsspielen wie „Mensch ärgere dich nicht“. Im September folgte dann die Kremserfahrt mit dem Reit- und Fahrstall Dieter Graf aus Kamenz. Und im Dezember gab es die Weihnachtsfeier für Patienten und Angehörige. „Hier kamen fast 60 Besucher. Über so viel Zuspruch können wir nur dankbar sein“, sagt die Chefin.

Doch absoluter Höhepunkt war die Fahrt nach Rom. Sieben Patienten waren dabei, ein Angehöriger und drei Pflegefachkräfte. „Wir gehörten zu den bundesweit 800 Maltesern, die an der achttägigen Wallfahrt der Malteser mit Behinderten teilnahmen.“ Der Besuch des Petersdoms war das Highlight. „Einer unserer Patienten, Dominik Piller aus Panschwitz-Kuckau, erhielt sogar eine Privataudienz bei Papst Franziskus.“ Sehr bewegt war man zugleich von den Gottesdiensten und vom Besuch der Kirchen. „Unsere Gruppe erlebte ein großartiges Miteinander“ Gerade die Mitarbeiter hätten dieser Reise viel Kraft und Zuversicht für die Zukunft tanken können.

In Zukunft auch Betreutes Wohnen?

Wie sind nun die Zukunftsaussichten der Malteser in Räckelwitz? Gut. „Wir bleiben mit unserem Dienstsitz weiter im Schloss“, bekräftigt Marika Noack. Langfristiger Wunsch sei ein Betreutes Wohnens in den früheren Kälberställen. Das hänge aber von den Fördermitteln ab. Am inhaltlichen Konzept werde bereits gearbeitet. Jeder Mitarbeiter mit seinen Fähigkeiten und Leistungen sei unverzichtbar. Seine Kompetenz werde gestärkt – durch Weiterbildung, Gesundheitsvorsorge und Gesundheitskurse. „Aber auch durch gemeinsames Feiern. Das ist wichtig. Denn nur in einem guten Team arbeitet der Einzelne mit Freude und motiviert zum Wohl der Patienten.“

Am Sonnabend, dem 23. Januar, feiert der Pflegedienst sein Jubiläum. Um 13.30 Uhr gibt es einen Festgottesdienst in der Kapelle mit Dr. Michael Kleiner, früher Pfarrer der katholischen Pfarrgemeinde St. Maria Magdalena Kamenz. Es folgt der Tag der offenen Tür. Im Schloss Räckelwitz wird eine Fotoausstellung über die Inhalte der Arbeit gezeigt. „Zu Kaffee, Kuchen, Imbiss und musikalischer Umrahmung sind Angehörige, Einwohner, Gemeinderäte, der Bürgermeister und alle Interessierten aus nah und fern willkommen.“ Das Team um Marika Noack freut sich.

Nachfragen (auch zu Schüler-Praktika):

Malteser Ambulanter Pflegedienst, Michael-Hornik-

Straße 1, 01920 Räckelwitz, Telefon: 035796 94433,

Fax: 035796 94435.

www.malteser-altenhilfe-sachsen.de