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Patrioten ohne Dachschaden

Während die meisten Politiker nur labern, gibt es einige, die handeln – hurra, hurra, hurra!

Von Gunnar Saft

GLAUBT man den meisten Zukunftsforschern, dann ist unser Sachsenland dem sicheren Untergang geweiht: Bevölkerungsrückgang, Bildungsnotstand, der alljährliche Semperopernball und die permanente Überflutungsgefahr bringen uns tatsächlich dem Ende immer näher. Doch zum Glück gibt es in Sachsen noch Politiker, die patriotisch denken und handeln. Sie verteidigen heimatliche Werte, leben sächsische Besonderheiten und beschützen uns vor uns selbst. Heute ist es an der Zeit, ihnen dafür auch einmal zu danken!

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Filmfans, ab ins Dreiländereck!
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Kino, Konzerte, Gespräche: Am 24. September geht das Neiße Filmfestival in seine 17. Auflage – die nicht umsonst den Untertitel "Wild Edition 2020" trägt.

DAS erste Lob geht an den sächsischen SPD-Chef Martin Dulig. Martin wer? Ok, Herr Dulig weiß selber, dass die meisten Sachsen nicht wissen, wer er ist. Deshalb ließ er jetzt zwei Millionen bunte Hefte mit seinem Konterfei bedrucken und an alle Haushalte verteilen. Auf der Titelseite stellt er sich gleich selber die wichtigste Frage („Kennen Sie diesen Mann?“) und beantwortet die auf den folgenden 15 Seiten ausführlich. Unser Lob hat sich Dulig aber aus einem anderen Grund verdient. So versah er nämlich einen Teil der Hefte mit einem Schokoriegel. So was hat in Sachsen Tradition, wahlweise verteilen hier Politiker auch gern Müsliriegel oder Eierschecke. Doch mit der Landtagswahl im August drohte diese Tradition auszusterben. Dank SPD-Mann Dulig steht nun fest, zumindest Schokoriegel wird es weiterhin geben.

PATRIOTISMUS ist in Sachsen aber natürlich nicht immer braun und süß. Unsere Patrioten können auch konsequent sein wie die CDU-Landtagsabgeordnete Kerstin Nicolaus. Die lässt nicht lumpen und wird jetzt 79  000 Euro an ihre Heimatgemeinde überweisen. Viel Geld, mit dem man Gutes tun kann: Ein neuer Zaun am Kindergarten, ein Auto für die Behindertenhilfe oder ein Resozialisierungsprojekt für straffällige Politiker. Danke! Dass die Abgeordnete nicht ganz freiwillig zahlt, sondern nach Gerichtsurteil, weil sie mit Fluthilfegeldern gemauschelt hat, ist halb so schlimm. Ich empfehle das Resozialisierungsprojekt.

DAS letzte Lob gilt unserem Finanzminister Georg Unland (CDU). Der Grund: Ab dem neuen Schuljahr müssen noch viel mehr sächsische Schüler in längst überfüllte sächsische Klassenzimmer gestopft werden. Doch seine Kollegin, die Kultusministerin, schien an dieser Aufgabe zu verzweifeln. Erst Unland hatte die rettende Idee. Jetzt sorgt der Finanzminister dafür, dass die Zahl der Lehrer an den Schulen weiter drastisch sinkt. Somit bleibt dort jedem Kind wieder mehr Luft zum Atmen. Genial.