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Bautzen: Verschwindet diese Allee für immer?

In der Paulistraße sollen bis zu 80 alte Bäume gefällt werden. Stadtbegrüner Olaf Haase warnt: Die geplanten Neupflanzungen sind keine Alternative.

So dicht begrünt könnte die Paulistraße in Bautzen nach den geplanten Bauarbeiten und Baumfällungen irgendwann wieder aussehen. Wie das gehen soll, dafür hat Olaf Haase von den Stadtbegrünern Vorschläge.
So dicht begrünt könnte die Paulistraße in Bautzen nach den geplanten Bauarbeiten und Baumfällungen irgendwann wieder aussehen. Wie das gehen soll, dafür hat Olaf Haase von den Stadtbegrünern Vorschläge. © SZ/Uwe Soeder

Bautzen. So sieht eine Allee aus, findet Olaf Haase und meint den Teil der Paulistraße hinter ihm. „Die Bäume sind ausgereift und es gibt ein geschlossenes Laubdach.“ Dieser Allee-Charakter wäre verloren, wenn die Stadt ihre Pläne umsetzt, im Zuge des Straßenneubaus alle oder die meisten der noch rund 80 Linden an der Paulistraße zu fällen und durch neue Bäume zu ersetzen. 

Oder „Bäumchen“, wie Olaf Hasse von den Stadtbegrünern sagt, der nicht nur hier im Viertel lebt, sondern auch aufgewachsen ist. Denn alle drei Baumarten, die hier als Neupflanzung geplant sind, werden nach seiner Überzeugung höchstens bis zum zweiten Stock reichen. "Und die Leute oben drüber schauen ins Leere. Das ist lächerlich“ 

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Abgesehen von der Höhe könne man bei der Mischung aus Amerikanischer Stadtlinde, Dornenloser Gleditschie und Pyramiden-Hainbuche auch kein geschlossenes Laubdach erwarten. Olaf Haase hat die Arten extra nochmal im „Handbuch der Gehölze“ der Sämann Baumschulen nachgeschlagen.

Dass die neuen Bäume in Abständen von 15 Metern gepflanzt werden sollen, versteht Olaf Haase auch nicht, wie so vieles, was die Stadt hier plant und an anderer Stelle schon umgesetzt hat. „Ich fände es entsetzlich, wenn die Paulistraße irgendwann so aussieht wie die Taucherstraße.“ 

Kleine Bäume, große Häuser

Haase meint die viel zu wenigen und viel zu kleinen Bäume für die relativ großen Häuser und das Betonpflaster ohne Ende. Bei einem kleinen Rundgang zeigt er auf eine Stelle an der Taucherstraße: Etwa zwei Meter neben einer Laterne wurde ein neuer Baum gepflanzt. Wenn der Baum erst groß genug sei, wird er die Laterne verdecken; also müssten seine Äste und Zweige wahrscheinlich jährlich abgeschnitten werden.

Die Stadträte haben in Sachen Paulistraße noch nichts, was sie beschließen könnten. Am vergangenen Montagabend im Bauausschuss konnten sie sich sowohl den Planungsstand als auch die Sorgen und Wünsche mehrerer Anwohner anhören. Der zuständige Straßenplaner scheint zumindest die Variante des Straßenneubaus zu favorisieren, bei der die rund 80 Linden gefällt und neue Bäume gepflanzt würden – bis zu 113 könnten es werden. 

Dass der Mann nun ausgerechnet „Linde“ heißt, sei wohl eine Ironie der Geschichte, sagt Olaf Haase. „Die Pläne, die im Bauausschuss präsentiert wurden, kennen wir bereits seit dem vergangenen Herbst. Ich hatte damit gerechnet, dass sie mittlerweile überarbeitet wären.“ Einzige Neuerung sei, dass die Paulistraße nicht mehr als Umleitungsstraße eingeplant ist.

Forderung: Baubeginn verschieben

Olaf Haase hat eine konkrete Forderung: „Wir brauchen eine neue Planung mit ökologischer Trassenplanung.“ Dafür könne man sich ein bis zwei Jahre Zeit nehmen und den Baubeginn verschieben. „Statt die Medien wie bisher weiter unter die Gehwege zu legen, könnte man sie in einem Betonkanal bündeln, der unter der Straßenmitte verläuft.“ Von dort aus ließen sich dann die Anschlüsse zu den Häusern legen, argumentiert Haase.

„Medien können verlegt und repariert werden, ohne dass jedes Mal die Straßendecke oder Gehwegbefestigung aufgerissen werden muss. Bäume erhalten so eine Wurzelsperre.“ Sie würden dann nach unten und nicht in die Breite wachsen und weder Straßen noch Gehwege beschädigen. 

Diese Variante koste zwar mehr Geld, biete aber den Bäumen deutlich bessere Bedingungen und reduziere nachträgliche Reparaturen. Die geliebten Linden müssten so nicht gefällt werden. „Jeder Baum ist erhaltenswert“, sagt Olaf Haase, nicht nur die 16, die im Baumgutachten zur Paulistraße genannt werden. „Wir versuchen für jeden Baum zu kämpfen.“ Es gehe bei der Baumfrage schließlich um den Umweltschutz und den Einklang von Mensch und Natur also zum Beispiel um die CO2-Bilanz. „Für eine der alten Linden bräuchte man etwa 80 bis 100 neu gepflanzte Bäume.“

Überall dort, wo die Bordsteine an der Paulistraße schmaler sind, habe mal ein Baum gestanden, sagt Olaf Haase.
Überall dort, wo die Bordsteine an der Paulistraße schmaler sind, habe mal ein Baum gestanden, sagt Olaf Haase. © SZ/Uwe Soeder

Die Paulistraße war mal eine Allee mit 190 Großgrün-Bäumen. Olaf Haase hat das nachgemessen. Überall dort, wo die Bordsteine schmaler sind, habe demnach ein Baum gestanden. „Das sind Abstände von jeweils acht Metern.“ Die Planungen gehen derzeit von 15 Metern aus. „Wenn man das hochrechnet, ist auch klar, wie man auf maximal 113 neue Bäume kommt. Ich möchte aber nicht unter 170 aus der Sache rausgehen.“ Das würde bedeuten, die alten Bäume zu erhalten und neue zu pflanzen.

Baubürgermeisterin Juliane Naumann hat den Bauausschuss am Montagabend geleitet und aufmerksam zugehört. „Es wurde deutlich, dass in diesem Vorhaben zahlreiche funktionale Anforderungen sowie gestalterische und raumbildende Ansprüche bestehen, die mitunter kaum zu vereinen sind“, sagt sie. Jetzt würden sich die Mitglieder des Bauausschusses beraten, so Naumann. „Wenn die Möglichkeiten abgewogen wurden, wird die Planung mit einer Vorzugsvariante für alle Straßenabschnitte abgeschlossen. Diese bildet die Grundlage für einen Baubeschluss, der durch den Stadtrat zu fassen ist.“ 

Genau auf den hofft Olaf Hasse. „Wir müssen die Räte überzeugen, denn sie treffen die Entscheidung. 

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