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Pause vom Lernen am Küchentisch

Auch im Großenhainer Land wurde in den vergangenen Wochen fleißig in den eigenen vier Wänden gelernt. Eine Mutter von drei Kindern erzählt.

Auch für Familie Schopies aus Priestewitz ist es eine besondere Zeit. Mama Yvonne mit ihren Söhnen Cedric und Sander beim Lernen am Küchentisch.
Auch für Familie Schopies aus Priestewitz ist es eine besondere Zeit. Mama Yvonne mit ihren Söhnen Cedric und Sander beim Lernen am Küchentisch. © Foto: Anne Hübschmann

Priestewitz. Aller guten Dinge sind drei. Im Hause Schopies sowieso und erst recht in diesen Corona-Zeiten. Wenn Mama Yvonne von der Arbeit kommt, gilt ihr Interesse verständlicherweise zunächst jenen, die den ganzen Tag dort notgedrungener Weise zugebracht haben. Die zehn Jahre alten Zwillinge Cedric und Sander und deren großer Bruder Vincent. 

Während der Zehntklässler nicht unbedingt darauf lauere, dass endlich der Schlüssel in der Tür des Hauses in Priestewitz herumgedreht werde, seien seine jüngeren Geschwister schon manchmal sehr erleichtert über das vertraute Geräusch. "Ich kann das auch gut nachempfinden! Sie wurden gewissermaßen von einen auf den anderen Tag aus ihrem gewohnten schulischen Umfeld gerissen. Plötzlich mit dem Lernen auf sich gestellt und ohne ihre Freunde zu sein, ist nicht leicht", weiß Yvonne Schopies.

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Die 43-Jährige macht indes keinen Hehl daraus, dass auch sie froh sei, dass nun erstmal Ferien sind. Abgesehen davon, dass die Kinder vom ständigen Lernen am Küchentisch auch einigermaßen geschafft wären, mache sich die Mehrfachbelastung für alle Familienmitglieder inzwischen bemerkbar. Während ihr Mann aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit in der Regel erst abends käme, arbeite sie halbtags als Verkäuferin bei Kaufland in Großenhain. 

Ein Ort, der alle Kollegen in besonderer Weise fordere. Hoch frequentiert, bedacht auf die Einhaltung sämtlicher hygienischer Vorschriften und interessiert am Wohl der Kundschaft. Ein paar Minuten Ruhe und Entspannung nach der Schicht wären gerade jetzt willkommen – aber angesichts der wartenden "zweiten Schicht" momentan nur selten machbar.

Dabei hätte sich die Grundschule Lenz, in der ihre zwei Jüngsten die vierte Klasse besuchten, große Mühe gegeben. Die Aufgaben in den verschiedenen Fächern seien durchaus gut verständlich. Immerhin gebe es in Deutsch, Mathematik, Sachkunde und Englisch einen Fahrplan, nach dem man sich richten könne. 

Schriftliche Multiplikation, das Thema Sachsen und ganz viel Schreiben und Lesen beinhalte das tägliche Pensum, das häufig ohne Hilfe von Mama Yvonne, teilweise aber auch nur mit ihrer Unterstützung zu absolvieren sei. 

Die besondere Herausforderung dabei: "Zum einen bin ich nun mal keine ausgebildete Lehrerin. Sie geht selbstverständlich bei der Vermittlung des jeweiligen Unterrichtsstoffes ganz anders heran. Und andererseits sind unsere Zwillinge auch völlig unterschiedlich", bekennt Yvonne Schopies und lacht.

Weniger Strenge als sonst

Praktisch bedeute das: Die Temperamente und Wesenszüge wären ebenso verschieden wie die Art des Lernens. Darauf müsse sie dann beim gemeinsamen Tun Rücksicht nehmen oder auch ab und zu mal die Wogen glätten oder motivieren, wenn die Lust aufs Rechnen längst durchs Fenster in den Garten davon geflogen ist. "Ich versuche, es im allseitigen Interesse nicht so streng anzugehen! Druck oder Vorwürfe helfen in dieser außergewöhnlichen Lage doch keinem", betont die dreifache Mutter.

Angesichts der Tatsache, dass sich nun der ganze Tag nahezu ausschließlich daheim abspielen müsse - der Schach- und Klavierunterricht fallen aus, das Fitnesscenter hat geschlossen und Fußball kann nur noch auf der eigenen Wiese gespielt werden - liege die Herausforderung zuweilen im Miteinander.

Dass die Jungs sich da gut aufeinander eingestellt hätten und sogar die selbstständige Zubereitung des Mittagessens nach drei Wochen in Eigenregie keine Hürde darstelle, erleichtere vieles. "Für Eltern die noch kleinere Kinder zu betreuen haben, ist das freilich alles noch viel anstrengender."

Dennoch mache auch sie sich mit ihrem Mann so ihre Gedanken. Ob etwa die Schule nach den Osterferien wieder regulär stattfinden könne und vor allem die Abschlussprüfungen bei ihrem ältesten Sohn wie geplant durchgeführt würden. Unsicherheitsfaktoren und viele offene Fragen beschäftigen alle. 

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Dann dennoch die notwendige Ruhe und angebrachte Gelassenheit zu bewahren, sei nicht immer leicht. Erst recht in diesen Corona-Zeiten, wo doch immer aller guten Dinge drei wären.

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