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Pausenbrot statt warme Mahlzeit

Die Stadt hat das Essengeld für Kinder im Ferienhort gestrichen. Doch Sandra Luplow und andere betroffene Eltern können jetzt neue Hoffnung schöpfen.

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Von Tobias Winzer

An die bevorstehenden Osterferien denkt Sandra Luplow nicht gern. „Mein Kind wird mit der Brotdose dasitzen, während die Kinder um sie herum ein warmes Mittagessen bekommen“, sagt die 40-Jährige. „Das ist eine Form der Ausgrenzung.“ Seit Jahresanfang zahlt die Stadt für Ferienhortkinder aus einkommensschwachen Familien keinen Zuschuss zum Mittagessen mehr. Bislang kostete die warme Mahlzeit für die Eltern einen Euro. Den Fehlbetrag zum vollen Preis, der im Durchschnitt bei zwei Euro liegt, übernahm die Stadt. Das Geld dafür stammte aus dem Bildungs- und Teilhabepaket des Bundes. Aus rechtlichen Gründen dürfen Leistungen des Hortes aber nun nicht mehr gezahlt werden. Die Folge: Die betroffenen Kinder bekommen weiterhin günstigeres Essen während der Schulzeit, aber nicht in den Ferien.

Sandra Luplow gehört zu den rund 1 000 Dresdnern, die davon betroffen sind. „Das Geld ist immer sehr knapp“, sagt die alleinerziehende Mutter, die von Hartz IV lebt. Die erhöhte Rechnung nach den Winterferien habe sie noch bezahlen können. Ob ihr das für die anstehenden Ferien nach Ostern und im Sommer gelingt, weiß sie noch nicht. Und zu Hause bekochen kann Sandra Luplow ihre Tochter Luise auch nicht. Damit sie endlich wieder eine Arbeit findet, macht Sandra Luplow derzeit eine Umschulung.

Wütend ist sie vor allem auf die Informationspolitik von Dresdens Sozialbürgermeister Martin Seidel (parteilos). Obwohl er seit November weiß, dass die Leistungen aus dem Bildungs- und Teilhabepaket nicht länger an Hortkinder gezahlt werden dürfen, hat er die Eltern nicht darüber informiert. „Das ist einiges schiefgelaufen“, sagt Sandra Luplow, die nun auch eine Klage gegen die Stadt erwägt. Denn laut Bewilligungsbescheid vom September 2012 hat sie noch bis 31. März Anspruch auf den Essengeldzuschuss.

Möglicherweise könnte es aber zuvor eine Lösung für das Problem geben. Die Linke-Fraktion will in der Stadtratssitzung am Donnerstag mit einem Eilantrag erreichen, dass das Rathaus mit dem Land noch einmal über den Zuschuss verhandelt und ihn übergangsweise aus eigener Tasche zahlt. Sozialbürgermeister Seidel hat schon einmal ausgerechnet, was das kosten würde: 150 000 Euro pro Jahr.