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Pegida als Touristenschreck?

Wirte und Hoteliers fürchten um die nächste Saison. Die Montagsmärsche gefährden die Arbeit vieler Jahre.

Von Peter Anderson und Sven Görner

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Eigentlich würde Elbland-Tourismuschefin Marleen Seifert jetzt voller Vorfreude die Tage zählen. Gut fünf Wochen sind es noch bis zur Internationalen Tourismusbörse in Berlin. Auf der größten Reisemesse weltweit wird mit entschieden, wie gut die nächste Saison ausfällt, wie viele Gäste Meißen, Moritzburg und Radebeul in diesem Jahr anlocken können.

Momentan allerdings will bei Marleen Seifert nicht so richtig Vorfreude aufkommen. Es sind die Schlagzeilen über die regelmäßigen Pegida-Aufmärsche in Dresden, welche ihr Sorgen bereiten. „Die gespaltene Stadt“, heißt es im Handelsblatt. „Dresden hat ein Problem“, schreibt der Stern. „Dresden als Hort der Extreme“, steht in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung zu lesen.

Das Bild von der barock-weltoffenen Stadt bekommt abschreckende bräunliche Flecken. Die Folgen – so schätzt es die amtierende Geschäftsführerin des Tourismusverbandes ein – dürften nicht auf die Landeshauptstadt beschränkt bleiben. „Unsere Region, aber auch die Sächsische Schweiz hängen an Dresden dran“, sagt Marleen Seifert. Gerade in den letzten Jahren habe sich das Elbland erfolgreich immer enger an Dresden angeschlossen. Es gebe berechtigte Ängste, dass die Montagsmärsche den Hotels, Gaststätten und großen Sehenswürdigkeiten ab dem Frühjahr das Geschäft verderben könnten. Der Anteil ausländischer Gäste liege im Elbland mit zwölf Prozent vergleichsweise hoch. „Im schlimmsten Fall müssen wir mit zurückgehenden Übernachtungszahlen rechnen“, sagt Marleen Seifert.

Negativ-Beispiel Sächsische Schweiz

Dass diese Ängste durchaus begründet sind, zeigen die Reaktionen von Wirten und Hoteliers in Meißen und Umgebung. Winzerin und Pensions-Chefin Anja Fritz vom Weingut Mariaberg spitzt es zu. Dort wo gegen eine vermeintliche Überfremdung und Islamisierung gehetzt werde, mache niemand Urlaub. „Die Gäste fahren dann lieber ins Allgäu, dort ist es harmonischer und dort marschieren nur Kühe auf“, sagt die energische Meißnerin. Sie werde trotzdem alles geben, ein guter Gastgeber zu sein und für Gastfreundschaft einzustehen, egal aus welchem Land der Gast komme und welche Hautfarbe er habe.

Ullrich Baudis, Wirt im kuschligen Kaffeehaus am Meißner Markt und Linken-Stadtrat im Rathaus um die Ecke, macht sich ebenfalls so seine Gedanken, wenn er über das menschenleere Pflaster des Platzes blickt. Er verweist auf das mahnende Beispiel der Sächsischen Schweiz. Mehrere Jahre habe die inzwischen wieder beliebte Urlaubsregion gebraucht, um sich von den Berichten über die Umtriebe der NPD und rechter Kameradschaften wie der Skinheads Sächsische Schweiz zu erholen. In der Folge war es zu einem merklichen Rückgang an Besuchern gekommen. Baudis fürchtet eine ähnliche Reaktion im Elbland. Seinen Erfahrungen nach kämen vor allem ältere Touristen nach Meißen. Diese hätten ein besonders stark ausgeprägtes Sicherheitsbedürfnis. Das könnte durch die Nachrichten über Hasstiraden der Pegida-Organisatoren erheblich gestört werden.

Das Schlösserland Sachsen, zu dessen Perlen Schloss Moritzburg und die Albrechtsburg gehören, zählt jährlich mehr als zwei Millionen Besucher aus der ganzen Welt. Daher beobachtet man dort mit Sorgen, wie Dresden und die Region derzeit im In- und Ausland wahrgenommen werden. „Wir haben jahrelang versucht, mit viel Arbeit und Aufwand ein Bild von der Region zu zeichnen, das Gäste hierher holt. Das wird jetzt innerhalb weniger Wochen zerschlagen“, sagt Pressesprecher Uli Kretzschmar. Noch hat die Saison nicht begonnen, daher sei schwer einzuschätzen, welche Folgen das hat. „Von einzelnen Reiseunternehmen und Reisevermittlern aus Tschechien gab es aber bereits Anfragen zur derzeitigen Situation in Dresden.“ Vor allem Schloss Moritzburg hat in den vergangenen Jahren dank der Aschenbrödel-Schauen in immer stärkerem Maß von Besuchern aus dem südlichen Nachbarland profitiert. „Bisher ist die Branche nicht schockiert oder in Panik“, sagt Uli Kretzschmar, „aber wir spüren bei Gesprächen und auf Messen Verunsicherung.“

Eng mit dem Tourismus in der Landeshauptstadt verbunden ist Moritzburg. Viele Dresden-Besucher unternehmen Tagesausflüge in den Ort. „Wenn der Tourismus in Dresden leidet, bekommen auch wir die Folgen zu spüren“, sagt Gundula Bleu, Geschäftsführerin der Kulturlandschaft Moritzburg GmbH, die den Campingplatz Bad Sonnenland und die Touristinformation betreibt. Sie verfolge daher die Entwicklung in Dresden und auch das große Medieninteresse daran mit Sorgen. „Denn die Elbe-Hochwasser haben gezeigt, dass Leute in der Ferne nicht genau differenzieren können.“ Die Katastrophenbilder hätten sich damals in den Köpfen festgesetzt. Dass viele Orte, wie etwa Moritzburg, gar nicht betroffen und anderes schnell wieder zugänglich war, sei dabei untergegangen.

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