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Pegida vergrault die ersten Urlauber

Eine Berliner Schulklasse fürchtet um ihre Sicherheit. Auch eine spanischsprachige Familie ändert ihre Reisepläne für die Sächsische Schweiz.

© Symbolfoto: dpa

Von Dirk Schulze, Mareike Huisinga und Ulrike Keller

Wie geht's Brüder

Eine Reportagereise durch Osteuropa 30 Jahre nach dem Umbruch auf Sächsische.de

Seit Wochen stehen Dresden und Sachsen wegen Pegida und weiterer asylkritischer Demonstrationen in den Schlagzeilen. Touristiker und Unternehmer warnten bereits vor den Folgen. Jetzt werden die ersten Absagen von Urlaubsgästen in der Sächsischen Schweiz bekannt, die sich direkt auf die aktuellen Ereignisse beziehen.

Das Sebnitzer Kinder- und Jugenderholungszentrum Kiez muss die Absage einer Schulklasse aus Berlin verkraften. In einer E-Mail der Klassenleiterin heißt es wörtlich: „Die Eltern gaben zu bedenken, dass in unserer Klasse sowohl muslimische als auch farbige Schüler sind, die sich wegen der aktuellen politischen Situation nicht sicher fühlen, sodass sie nicht mitreisen würden.“ Da eine Klassenfahrt als Gemeinschaftserlebnis für die gesamte Klasse gedacht sei, werde man sich nun ein anderes Reiseziel suchen. Die Klasse hatte zuvor ein Angebot für einen einwöchigen Aufenthalt in der Herberge an der Sebnitzer Grenzbaude angefordert. Die entgangene Buchung entspreche einem Verlust von gut 3 000 Euro, überschlägt Kiez-Geschäftsführer Ingo von Oertzen. Bei der Absage handele es sich um die erste, bei der explizit auf die Demos Bezug genommen werde. Ingo von Oertzen befürchtet jedoch, dass andere Gäste schon von vornherein von einer Anfrage absehen.

Auch eine spanischsprachige Familie aus einem anderen Teil Deutschlands hat ihre Urlaubspläne vorsichtshalber geändert. Wie Tino Richter, Geschäftsführer des Tourismusverbands Sächsische Schweiz, erzählt, sandte die Familie vor einigen Tagen eine E-Mail. „Sie wollte in der Sächsischen Schweiz Urlaub machen und hat sich erkundigt, wie die Sicherheitslage ist“, berichtet er. Der Eindruck der Familie sei, dass in Dresden zurzeit keine gute Stimmung herrsche. Obwohl er ihnen versicherte, dass keine Gefahr bestehe, teilte die Familie mit, dass sie den Urlaub vorerst lieber verschiebe, erzählt Richter.

Auch andere Urlauber sind skeptisch geworden. Dazu gehört Sabine Kollmann aus Kiel, die bisher ein großer Fan der Sächsischen Schweiz ist. „Momentan würde ich mir überlegen, ob ich in der Region Urlaub machen möchte“, sagt sie. Vor dem Hintergrund der aktuellen Ereignisse und Demonstrationen hätte sie ein ungutes Gefühl. „Man geht ja auch mal essen. Wenn ich dann den Eindruck hätte, um mich herum sitzen Menschen, die rechts denken und handeln, wäre ich befangen“, erklärt sie. Allerdings möchte sie auch nicht eine gesamte Region stigmatisieren. „Man kann nicht alle über einen Kamm scheren“, sagt die gelernte Buchhändlerin.

Keinerlei negative Auswirkungen spüren nach eigenen Angaben die großen Hotels in der Sächsischen Schweiz. Sowohl im Berghotel Bastei als auch in den Hotels Elbschlösschen und Elbiente im Kurort Rathen sowie Rathener Hof in Struppen-Weißig seien Stornierungen wegen Pegida ausgeblieben. Auch Nachfragen deshalb habe es keine gegeben, heißt es aus den Hotelleitungen. Die Vorbuchungen liefen normal an, so Dieter Schröter, Geschäftsführer des Bastei-Hotels.

Trotz der bekannt gewordenen Fälle bestätigt auch Tino Richter vom Tourismusverband Sächsische Schweiz insgesamt den Eindruck, Pegida spiele für den Tourismus in der Sächsischen Schweiz keine Rolle. Die Nachfrage der spanischsprachigen Familie sei die einzige überhaupt gewesen. Auf den Messen in Stuttgart und Amsterdam ist Richter zufolge in keinem Kundengespräch Pegida ein Thema gewesen. Das gelte ebenfalls für den Facebook-Auftritt des Tourismusverbands.

Auch Basteihotel-Chef Dieter Schröter hat eher das Gefühl, das Thema würde öffentlich aufgebauscht. „Aufgrund der Darstellung in den Medien bekomme ich das Grübeln“, sagt der Hotelier. „Pegida ist nicht Dresden.“ Und nicht alle Leute, die bei Pegida mitlaufen, seien Nazis.

In Sebnitz ist unterdessen für Donnerstag ein zweiter sogenannter Abendspaziergang der „Bürgerinitiative demokratischer Aufbruch“ geplant. Eine ähnliche Veranstaltung in der vergangenen Woche hatte der NPD-Stadtrat Hartmut Gliemann angemeldet.

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